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Ostprignitz-Ruppin Ein Risiko – nicht nur für den Investor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Risiko – nicht nur für den Investor
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00:20 11.12.2017
Um die Ausbreitung des Giftes im Grundwasser kontrollieren zu können, ließ der Landkreis rund um das Sportcenter Messstellen anlegen. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Sind sich die Neuruppiner Stadtverordneten bewusst, welches Risiko sie eingehen, wenn sie dem geplanten Bauvorhaben neben dem Sportcenter an der Neuruppiner Scholtenstraße zustimmen? Anwohner haben daran erhebliche Zweifel. Seit Monaten protestieren sie gegen das Projekt von Investor Ulrich Kaatzsch. Am 18. Dezember sollen die Stadtverordneten den Plan dafür absegnen. Das will die Bürgerinitiative aus besorgten Anwohnern nicht einfach hinnehmen.

Ulrich Kaatzsch will auf einer Fläche zwischen dem jetzigen Sportcenter und der Scholtenstraße unter anderem mehrere Wohnhäuser errichten. Außerdem hat er auf Bitten der evangelische Kirchengemeinde in Aussicht gestellt, dass dort auch ein Hortgebäude für die benachbarte Evangelische Schule entstehen könnte; die Schule selbst braucht den Hortbau dringend, hat auf ihren Grundstücken aber keinen Platz. Das Hortgebäude ist deshalb als Bau auf Stelzen geplant, der sich über einem Teil des bisherigen Parkplatzes neben dem Sportcenter erheben könnte.

Doch Anwohner halten das nach wie vor für untragbar. „Nicht, weil ich etwas gegen einen Hort hätte“, versichert Heike Supranowitz, deren Haus in der Scholtenstraße an das geplante Wohngebiet angrenzt. Sie hat keine Angst vor den Kindern, sondern um die Kinder.

Experten bestätigten vor Jahren schon gefährliche Stoffe im Wasser

Sie und andere Anwohner sind überzeugt, dass der Investor und auch die Stadt Neuruppin die Gefahren des giftigen Grundwassers unter den Grundstücken weit unterschätzen. Dass das Wasser dort gefährliche Stoffe enthält, ist seit Jahren bekannt. Die Nachricht hatte damals für einen Aufschrei gesorgt. In einem Gutachten hatten Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig schon 2009 vor leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen und anderen Gefahrenstoffen gewarnt, die sich im Boden befinden und teilweise in die Luft ausgasen. Einige dieser Stoffe könnten Krebs auslösen, das ist bekannt. In den Straßen rund um das Sportcenter seien etliche Menschen an Krebs erkrankt, sagt Heike Supranowitz. Der Nachweis eines Zusammenhangs dürfte jedoch schwierig sein, das weiß sie auch.

Doch die Gefahr ist unbestritten. Der Landkreis hat deshalb untersagt, das Grundwasser in irgendeiner Weise zu nutzen. Zu groß ist das Risiko, dass sich die Giftwolke im Grundwasser in Bewegung setzt und sich die gefährlichen Stoffe weiter ausbreiten. Dann könnte das Gift in den Ruppiner See gelangen. Das wäre eine Gefahr, die alle Neuruppiner betrifft, fürchtet die Bürgerinitiative.

Dass der Baugrund rund um die Seekaserne heikel ist, wissen auch Investor und Behörden. Ulrich Kaatzsch hatte Bodenproben untersuchen lassen, um zu zeigen, dass die Konzentration der Giftstoffe dort gering ist. In einer Probe wurde zwar so viel Gift gefunden, dass dort kein Kinderspielplatz gebaut werden dürfte; Wohnhäuser seien aber möglich, heißt es im Prüfbericht.

Anwohner fürchten schlimmstenfalls Millionenkosten für die Stadt

Was Heike Supranowitz und ihre Mitstreiter nicht verstehen können: Selbst der Landkreis hat erhebliche Zweifel an der Art und Weise angemeldet, wie die Proben genommen wurden. Außerdem sei der beauftragte Geologe gar nicht als Gutachter zugelassen. Und trotzdem sollen die Daten als Beleg dienen, dass dort eine Bebauung möglich ist.

Dabei schreibt die Stadtverwaltung selbst in ihrer Beschlussvorlage, dass das Projekt alles andere als ungefährlich ist. Demnach könnten schon allein durch das enorme Gewicht der geplanten Bauten die Schadstoffe im Boden in Bewegung kommen. Das könnte sogar dazu führen, dass der Grundstückseigentümer den gesamten Boden samt Grundwasser sanieren muss – eine Millionenaufgabe, die so teuer wäre, dass sie wohl kein Grundstückbesitzer dort bezahlen könnte. Aus Sicht der Bürgerinitiative ist das Risiko unabsehbar, auch das finanzielle. Sollten die Grundstückseigentümer die Sanierung des vergifteten Bodens nicht bezahlen können, müsste die enormen Kosten womöglich die Stadt übernehmen.

Die Anwohner wollen sich in den nächsten Tage an jeden Abgeordneten wenden, in der Hoffnung, die Stadtverordneten entscheiden sich noch gegen das Bauvorhaben. Die Bürgerinitiative lehne das Projekt keineswegs generell ab, versichert Heike Supranowitz: „Aber wenn man dort bauen will, dann muss man vorher sanieren. Das würde die Anwohner absolut beruhigen.“ So wie das Vorhaben bisher geplant ist, haben sie aber Angst um ihre eigene Gesundheit und die aller anderen.

Von Reyk Grunow

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