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Ostprignitz-Ruppin Ein Sonnenfänger und die Mitte der Welt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein Sonnenfänger und die Mitte der Welt
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00:17 01.10.2016
Die Mitte der Welt liegt – nicht nur, aber auch – in Wittstock. Installation im Skulpturengarten Dosse-Park. Quelle: Privat
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Wittstock

Eigentlich hängt das Triptychon „Der Garten der Lüste“ des niederländischen Malers Hieronymus Bosch im Museo del Prado in Madrid. Doch nun hat Wittstock eine eigene Interpretation des Bosch-Bildes: „Die Befreiung der Hölle“ nennt der Maler Luzian (Lothar) Gryczan sein großformatiges Gemälde. Figuren und Formen des ursprünglichen Garten Edens auf dem linken Seitenflügel, im Mittelteil mit dem Garten der Lüste, vor allem aber auch die Schreckensszenen der Hölle auf dem rechten Seitenflügel sind dem Original entlehnt und modern interpretiert. Vor allem aber in der Hölle „befreit“ der Maler die grausigen Szenen oberflächlich gesehen von ihrer Schärfe. Oder lässt, je nach Interpretation des Betrachters, das Inferno weniger scharf umrissen erscheinen. Geschätzt wird, dass Bosch das ursprüngliche Werk etwa im Jahr 1500 gemalt hat: „Es soll keine Kopie sein, sondern in erster Linie eine moderne Interpretation des Bosch-Bildes, das vor 500 Jahren gemalt worden ist“, sagt Luzian Gryczan.

Das Triptychon ist nur eines der zahlreichen Werke, die am Wochenende vom 8. bis 9. Oktober im Wittstocker Dosse-Park gezeigt werden. In den Räumen riecht es noch nach frischer Farbe – hier fehlt noch ein wenig Beleuchtung, und auch die Kunstwerke hängen längst nicht alle an ihrem Platz. Doch mit der ersten Ausstellung, die im sanierten Dosse-Park stattfinden wird, wollen Künstler und Veranstalter gleich Maßstäbe setzen. Was ihnen auch gelingt: Schließlich soll das Gelände mit seinem großflächigen Skulpturenpark zum wichtigsten Ausstellungsort zwischen Hamburg und Berlin entwickelt werden, sondern gleichzeitig auch bis zu 40 Künstlern Ateliers und Wohnmöglichkeiten bieten.

Luzian Gryczan mit einer Skulptur des künftigen Farbgartens. Quelle: Claudia Bihler

Dementsprechend markant ist auch die Installation, die die Besucher auf dem Gelände begrüßt. Rund um eine Kompassrose sind drehende Spiegel installiert, auf denen Städte und Orte auf der ganzen Welt genannt werden – und die auf den jeweiligen Längengerade beziehungsweise Himmelsrichtungen zu finden sind. Da ist der kanadische Ort Goosebay in Neufundland im Nordwesten oder auch die sibirische Stadt Komsomolsk am Amur.

Der Titel, den der US-amerikanische Künstler Werner Klotz seiner dynamischen Installation gegeben hat, klingt zwar unbescheiden, wenn auch angesichts einer kugelförmigen Erde nur folgerichtig: Die Mitte der Welt. Die liegt damit nicht nur in der Mitte der Kompassrose – sondern eben auch in Wittstock.

Werner Klotz nordwestlich der Mitte der Welt. Quelle: Claudia Bihler

Werner Klotz ist auch für große Installationskunst im öffentlichen Raum bekannt, etwa im Airport-Bahnhof von Seattle, an der Fähre von Staten Island in New York, am Brennerpass, in der Berliner Charité. Derzeit arbeitet er an einem großen Projekt an der Metro-Haltestelle Union Market in San Francisco.

Atelier in Wittstock bezogen

Und: Er hat ein Atelier in Wittstock bezogen, von dem er auch am Skulpturenpark des Dosseparks arbeitet. So dürfen die Besucher der Ausstellung beispielsweise gespannt darauf sein, wie aus dem ehemaligen Kohlenkeller des Heizhauses auf dem Dosse-Park-Gelände nun mit Hilfe von Spiegel, LED-Beleuchtung, Farbe und Wasser ein Sonnenfänger geworden ist. In diesem technischen Kunstwerk sollen die Spiegel die Umgebung mit ihrem Licht, dem Himmel, den Wolken und gleichzeitig den Betrachter reflektieren, tagsüber bei vorhandenem Licht, nachts mittels LED-Licht, statisch an den Wänden, dynamisch und windabhängig im Wasserbecken auf dem Grund des Sonnenfängers.

Weitere Künstler sind angekündigt, darunter zwei der wichtigsten deutschen Akustik-Künstler Jens-Uwe Dyffort und Roswitha von den Driesch, die beide ebenfalls ein Atelier in Wittstock haben. Weitere Künstler sind Luzian (Lothar) Gryczan, Kurt Hofmann, Christine John, Nancy Laufer und Sarah Nesbit. Zu sehen sein werden Gemälde, Installationen, Fotografien. Zudem wird es am Samstag von 14 bis 18 Uhr ein Rahmenprogramm mit Musik vom Akkordeon mit Nancy Laufer geben und eine Lesung von Andreas Neufert, der auch als Kurator für die Ausstellung verantwortlich ist.

„Engagement und Distanz“ in der Malerei

Neufert ist Kunsthistoriker, Schriftsteller und Biograf und arbeitet sehr interdisziplinär. Seine erste große Publikation hat er in Zusammenarbeit mit Otto van de Loo 1992 vorgelegt, in 36 Essays hat er sich dem Thema „Engagement und Distanz“ in der Malerei gewidmet. Er hat sich mit dem französischen Surrealismus und dem österreichisch-mexikanischen Maler Wolfgang Paalen beschäftigt. Zudem recherchiert er für das Romanprojekt einer fiktiven Autobiografie in dem sich ein multiples Ich an den Figuren seiner englischen Vorfahren spiegelt – seiner Großmutter Pia Russell, und dem Politiker Lord William Russell, der 1683 für eine Verschwörung gegen den Papst hingerichtet wurde.

Die Zeit, um die Ausstellung zu besuchen, ist knapp bemessen: Bereits am Sonntagabend um 18 Uhr schließt Wittstocks Mini-Documenta wieder ihre Tore.

Von Claudia Bihler

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