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Ein anderes Karfreitagsprogramm

Rheinsberg Ein anderes Karfreitagsprogramm

Es war ein nachdenkliches Konzert, dass der Komponist und Instrumentenerfinder Hans-Karsten Raecke und sein Gast Wilfried Staufenbiel am Karfreitag den Gästen in der Musikbrennerei bescherten – mit Musik von Hanns Eisler und Texten von Bertolt Brecht. Die Gäste hielten zum Teil den Atem an.

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Der Sänger Wilfried Staufenbiel (l.) und Hans-Karsten Raecke gestalteten am Karfreitag ein gemeinsames Programm gegen das Vergessen.

Rheinsberg. Für viele Deutsche besteht das Osterfest aus vier freien Tagen mit gutem Essen, vielen Eiern und eventuell einem Kurzurlaub. Die Christen hingegen feiern an den Ostertagen ihr ältestes und wichtigstes Fest. Am Karfreitag steht das Leiden und Sterben Christi am Kreuz im Zentrum.

In vielen Kirchen werden um 15 Uhr Gottesdienste gefeiert, der Tradition zufolge in der Sterbestunde Jesu. Karfreitag steht für Klage und Trauer. Für den Komponisten, Instrumentenerfinder und Interpreten Hans-Karsten Raecke ein Grund an diesem Tag an all die Menschen zu erinnern, die im Laufe der Geschichte, erschlagen, geköpft, gefoltert, vergast oder erhängt wurden. Viele dieser Gräueltaten geschahen auch im Namen von Religionen.

Musik gegen das Vergessen

Nur 15 Zuhörer kamen am Freitagabend in die Rheinsberger Musikbrennerei, um dieses hörenswerte Programm mit Liedern von Hanns Eisler und Texten von Bertolt Brecht, Heiner Müller und Stephan Hermlin zu hören. Es war wohl doch ein zu ernstes Thema, dem sich die Musiker an diesem Abend widmeten. „Musik gegen das Vergessen“, so lautete der Titel des Konzerts, das zu einer Tradition werden soll und im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattfand.

„Wir haben vor, den Karfreitag auch künftig so zu begehen, sagte Jane Zahn zu Beginn der Veranstaltung. Für sie ist Karfreitag ein Tag der Erinnerung und des Gedenkens, ein Tag, der sich gegen das Vergessen richten sollte; unabhängig davon, ob man an Gott glaubt oder nicht.

Beeindruckende Arrangements

Leise und verhalten sind die Töne, die Hans-Karsten Raecke auf seinem Keyboard anschlägt. Die Kantate über den Holocaust verträgt kein Fortissimo. „Wie auf den Lippen der Ruß von denen, die man verbrannte. Schwer wie das letzte Fahrwohl; die man ins Gas sandte. Waren des Lebens voll, liebten die Dämmerung, die Liebe, den Drosselschlag, waren jung. Schwer wie vom Sturm Wolkengeschiebe ist die Erinnerung.“ Die Worte, die so eingängig und wohl artikuliert im Raum stehen, sind dennoch kaum zu fassen, wie die Schatten der Birken. „Lied des Todes verklungen, das jäh dem Leben gleicht; schwer wie Erinnerungen und wie Vergessen leicht“, singt Raecke die Worte des Dichters Stephan Hermlin. Das Gedicht „Die Asche von Birkenau“ stammt aus seinem Zyklus Erinnerung und wurde 1949 bei einem Besuch im KZ Ausschwitz-Birkenau verfasst. Die Zuhörer halten fast den Atem an, bis der letzte leise Ton verklungen ist.

Die Wortfetzen von Ernst Jandl erscheinen unlogisch aneinander gereiht, doch seine Texte zum Thema Krieg, die Raecke zu den außerirdischen Klängen seiner Orion-Harfe spricht, ergeben ein Geflecht des Grauens – charakterisieren das schreckliche Geschehen auf ihre Weise und treten in einen Dialog mit dem vielfältigen akustischen und elektronischen Instrumentarium. Es sind Lieder von Bertolt Brecht und Hans Eisler, die der Sänger Wilfried Staufenbiel an diesem Abend interpretiert, sie entstanden in der Emigration. „Viele der Eisler-Lieder waren auch in der DDR überhaupt nicht bekannt, sagt Staufenbiel später im Gespräch mit den interessierten Zuhörern.

Von Cornelia Felsch

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