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Ostprignitz-Ruppin Ein extra Berater für jugendliche Schuldner
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ein extra Berater für jugendliche Schuldner
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02:15 18.02.2017
Bei vielen Menschen im Ruppiner Land reicht das Geld nicht. Quelle: Cindy Lüderitz
Neuruppin

Im Landkreis leben immer mehr Menschen über ihren Verhältnissen. Viele erliegen den Verlockungen von Werbeangeboten und verschulden sich, andere haben mit Schicksalschlägen wie Krankheit, Scheidung oder Jobverlust zu kämpfen. Betroffen sind dabei Männer, Frauen und Jugendliche gleichermaßen, sagte am Mittwoch Ute Kaufmann von der Schuldnerberatung, die der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Informations- und Beratungszentrum (IBZ) des Kreises in Neuruppin, Kyritz und Wittstock anbietet.

Betroffene warten bis zu 60 Tage auf eine Beratung

„Die Zahl der Schuldner steigt stetig“, sagte Kaufmann. Besonders häufig betroffen sind in jüngster Zeit auch immer mehr Alleinerziehende. Dem Andrang an Beratungswünschen ist die Anlaufstelle im IBZ mit ihren bisher zwei Mitarbeitern kaum gewachsen. Stieg doch die Zahl der Beratungen auf mehr als 700 Fälle im vergangenen Jahr. Die Folge: Die Wartezeiten nahmen immer weiter zu. Kurz vor Weihnachten war die Situation besonders dramatisch. Da mussten Schuldner fast 60 Tage auf einen Beratungstermin warten.

Inzwischen hat sich die Situation etwas gebessert, die Wartezeit beträgt lediglich noch etwa drei Wochen, sagte Kaufmann. Denn seit Januar wird ein dritter Mitarbeiter für die Schuldnerberatung beim IBZ finanziert. Zudem arbeitet der ASB gemeinsam mit der Initiative Jugendarbeit Neuruppin (IJN) und dem Verein Tannenhof an einem neuen Projekt: Dafür wird gerade ein sogenannter Jugendschuldencoach ausgebildet. Dieser soll ab dem zweiten Quartal mithelfen, dass vor allem junge Erwachsene nicht in eine Schuldenfalle tappen. „Wir haben durchaus ein wachsendes Problem mit jugendlichen Schuldnern“, betonte Kreis-Sozialamtsleiterin Sabine Schmidt. Der Coach soll deshalb nicht allein in Schulen gehen und dort Aufklärungsarbeit leisten, sondern das ebenfalls bei Veranstaltungen machen, die von IJN und dem Verein Tannenhof für junge Leute organisiert werden. Bis es so weit ist, will der ASB schauen, wie Jugendschuldnercoaches in anderen Landkreisen arbeiten und davon vielleicht noch einiges übernehmen.

Hilfe wird erst gesucht, wenn der Strom abgestellt wird

Die meisten Schuldner finden erst den Weg zu einer Beratungsstelle, wenn ihnen bereits wegen fehlender Zahlungen der Strom abgestellt oder die Wohnung gekündigt wurde. „Das liegt in der Natur des Menschen,“ sagt Schuldnerberaterin Kaufmann. „Die meisten kommen erst zu uns, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“ Immer wieder droht Schuldnern auch eine Gefängnisstrafe, weil sie ihre Schulden einfach nicht begleichen können. Die Beratungsstelle versucht in all’ diesen Fällen zu helfen. Doch das geht meist nicht von heut auf morgen.

Um einen Ausweg aus der misslichen Lage zu finden und einen Plan für das Begleichen der Schulden aufzustellen, dauert es oft Jahre. Das gilt insbesondere, wenn der Betroffene eine sogenannte Verbraucherinsolvenz angemeldet hat. Der Vorteil daran: Bei diesem vereinfachten Verfahren kann der Schuldner nach einigen Jahren einen Neuanfang wagen – vorausgesetzt er hält sich an die individuell ausgehandelten Bedingungen des Verbraucherinsolvenzverfahrens. In der Regel dauert dieses Verfahren sechs Jahre, seit einer Gesetzesänderung im Sommer 2014 ist ein Schuldenerlass aber auch bereits nach drei Jahren möglich. Bedingung dafür ist, dass die Verfahrenskosten und wenigstens 35 Prozent der angemeldeten Gläubigerschulden zu diesem Zeitpunkt beglichen sind.

Landesweit geht die Zahl der Schuldner zurück

Während in Ostprignitz-Ruppin die Zahl der Schuldner steigt, ist sie landesweit zuletzt deutlich zurückgegangen. In Brandenburg wurden 2015 etwa 3120 neue Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet – das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Waren es doch 2007 noch landesweit 4500 Fälle.

Der Trend hat sich laut den Zahlen des Statistikamtes Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr fortgesetzt. Demnach wurden im ersten Quartal 2016 etwa 670 Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet, das sind rund 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Anträge auf eine Verbraucherinsolvenz gab es demnach mit 61 Fällen im Landkreis Märkisch-Oderland und Potsdam. In der Landeshauptstadt wurden 52 Verbraucherinsolvenzen angezeigt. Lediglich 24 Fälle und damit die wenigsten wurden im ersten Quartal 2016 in der Prignitz gestellt. Nach Angaben einer Wirtschaftsauskunftdatei warten derzeit rund 25 700 Brandenburger in einem Insolvenzverfahren auf einen Schuldenerlass.

Von Andreas Vogel

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