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Ostprignitz-Ruppin Berüchtigter XY-Mann wieder vor Gericht
Lokales Ostprignitz-Ruppin Berüchtigter XY-Mann wieder vor Gericht
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13:47 12.09.2015
Insgesamt drei Kilo Kokain wollte Frank G. laut Anklage „gewinnbringend“ verkaufen. Quelle: DPA
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Neuruppin

Der am Freitag begonnene Prozess gegen Frank G., einst einer der führenden Köpfe der Neuruppiner XY-Bande, und seinen mutmaßlichen Komplizen Torsten S. (34) wird wohl nicht so schnell enden, wie sich das die Verteidigung vorstellt. Beiden Männern, die mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurden, wird der Handel mit Kokain in nicht unerheblicher Menge vorgeworfen.

Angeklagte ist erst vor wenigen Monaten Vater geworden

Der 48-jährige Frank G., vor wenigen Monaten erst Vater geworden, soll mit einem Zeugen vereinbart haben, diesem drei Kilogramm Kokain im Gesamtwert von 123.000 Euro zu verkaufen. Einen ersten Teil des Kokains, knapp 500 Gramm, soll Torsten S., ein 34-jähriger Neuruppiner, bei unbekannten Drogenhändlern besorgt haben. Laut Anklage hat Frank G. das Kokain am 12. März in Berlin in den Kofferraum eines Autos gelegt, das dem vermeintlichen Käufer gehört, und die dort bereitliegenden 41.000 Euro entnommen. Was der Neuruppiner nicht wusste: Der Käufer kooperierte mit der Polizei. Diese fand bei der sofortigen Razzia im Berliner Hotelzimmer und in der Wohnung seines vermutlichen Komplizen Torsten S. in Neuruppin zudem noch kleinere Mengen Kokain, die bereits in Plastetüten verpackt waren und wohl verkauft werden sollten.

Verteidigerin beantragt einen Deal hinter verschlossenen Türen

Marlen Block, die Verteidigerin von Frank G., beantragte gleich nach dem Verlesen der Anklage ein Rechtsgespräch mit Gericht und Staatsanwalt, um hinter verschlossenen Türen einen Deal auszuhandeln. Sie wollte durch ein Geständnis ihres Mandanten den auf vier Tage angesetzten Prozess abkürzen und im Gegenzug eine möglichst geringe Strafe für Frank G. herausholen. Dem Antrag schloss sich Ronald Brandes, Rechtsanwalt von Torsten S., an. Doch nach eineinhalb Stunden erklärte Richter Udo Lechtermann, dass ein Deal „derzeit“ nicht beabsichtigt sei und die dritte Strafkammer deshalb auch keine Zusage zu einer möglichen Höchststrafe gemacht habe. Damit droht den beiden Männern eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr.

Trotz der Absage für einen Deal wollen sich die zwei Angeklagten am nächsten Verhandlungstag zu den Vorwürfen äußern und ebenfalls Fragen des Gerichts und des Staatsanwalts beantworten. Allerdings bezweifelt die Verteidigung, dass das Landgericht Neuruppin für das Verfahren überhaupt zuständig ist. Denn Frank G. wohnt nicht mehr in Neuruppin, sondern bei seiner Lebensgefährtin in Eberswalde. Zudem seien die zwei Männer in Berlin verhaftet worden. Anwältin Block beantragte deshalb, das Verfahren am Landgericht Neuruppin einzustellen.

Am 21. September sollen die ersten Zeugen gehört werden

Richter Lechtermann räumte ein, sich gewundert zu haben, dass der Prozess in der Fontanestadt landet. Immerhin hatte das Amtsgericht in Frankfurt (Oder) die Haftbefehle gegen Frank G. und Torsten S. ausgestellt. Frank G. sitzt seitdem in der JVA Wulkow, Torsten S. in Cottbus. Allerdings war das Gericht bis Freitag auch davon ausgegangen, dass Frank G. weiterhin in Neuruppin lebt. Das trifft aber nur für Torsten S. zu. Der Staatsanwalt sieht dennoch keinen Grund, den Prozess am Landgericht Neuruppin einzustellen. Immerhin sollen sich die zwei Angeklagten auch zweimal in Oranienburg getroffen haben, um das geplante Drogengeschäft vorzubereiten.

Das Gericht will den Antrag „in Ruhe“ prüfen – und am 21. September nicht allein die Angeklagten zu Wort kommen lassen, sondern ebenfalls den ersten Zeugen hören.

Frank G. kennt das Prozedere: Er war bereits 2006 vom Landgericht Neuruppin als Mitglied der XY-Bande zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Nach der gestrigen Verhandlung konnte er kurz Kraft tanken und sein Kind in den Arm nehmen.

Von Andreas Vogel

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