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Ein neuer Anstrich fürs Schloss

Wustrau Ein neuer Anstrich fürs Schloss

Die Fassade des Wustrauer Schlosses war in die Jahre gekommen. Seit Mai sind Handwerker damit beschäftigt, dem herrschaftlichen Gebäude zu neuem Glanz zu verhelfen. Bis November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bei der Deutschen Richterakademie plant man schon die nächsten Schritte zur Aufwertung des Schlosses.

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Die rechte Hälfte der neobarocken Fassade an der Vorderseite des Schlosses ist bereits fast fertig.

Quelle: Mischa Karth

Wustrau. Gebrochenes Weiß, heller Ocker und warmes Grau – so lauten die wohlklingenden Bezeichnungen, in denen die Fassade des Schlosses Wustrau ab Mitte November in Gänze erstrahlen wird. Schon jetzt ist zu erahnen, wie das Gebäude schlussendlich aussehen wird. 150 000 Euro hat die Deutsche Richterakademie in die Hand genommen, um die Sanierung der Außenhülle zu stemmen. Im Mai wurde mit der Rückfront begonnen, Stück für Stück folgten die anderen Seiten. In Teilen ist das Gerüst bereits verschwunden, an der linken Gebäudehälfte wird derzeit noch gearbeitet. Als Letztes sollen der Anstrich des Sockels sowie einige Ausbesserungsarbeiten erfolgen.

Während Ocker den neuen Grundton bildet, sind die Gliederungselemente in Weiß gehalten. Der Berliner Architekt Rainer Kokert hat die Arbeiten geplant und begleitet. Kokert freut sich, dass durch die neue Farbgebung die Akzente an der Außenhülle des Barockschlosses besser als vorher zum Tragen kommen, als die Fassade monochrom gestrichen war. Die Entscheidung für die Farbkombination sei gefallen, nachdem man frühere Farbreste untersucht, aber auch historisches, koloriertes Bildmaterial gesichtet habe. Ein Mitspracherecht kam dabei der Denkmalschutzbehörde zu. Auf eine grundlegende Putzsanierung habe beim Schloss Wustrau verzichtet werden können, sagt Ines Landeck vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB). „Der Putz ist nur repariert und ausgebessert worden“, so Landeck.

Sanierung im laufenden Betrieb

Unerwartete Widrigkeiten gab es hingegen bei den Verblechungen, die die Mauern auf insgesamt rund 700 Metern umlaufen. „Die Verblechungen sind in der Vergangenheit nicht immer korrekt angebaut worden“, sagt Landeck. Entdeckt worden sind die Mängel erst, als Gerüst schon stand. Die zeitlichen Verzögerungen fielen jedoch nicht so sehr ins Gewicht, da die Arbeiten insgesamt in Etappen erfolgen mussten. Um den Tagungsbetrieb der Akademie nicht zu beeinträchtigen, war ein Großteil der Arbeiten im Juli und August erfolgt und somit in der Sommerpause. „Wir haben 25 000 Richterinnen und Richter in Deutschland, aber nur zwei Fortbildungsstätten, hier in Wustrau und in Trier“, sagt Direktor Stefan Tratz. Deshalb könne der laufende Betrieb nicht längerfristig unterbrochen werden. „Wir können hier nicht zwei Jahre dicht machen und alles schick sanieren“, sagt Tratz. So erfolgen die Ausbesserungen in Etappen. Offenbar hat die Abstimmung zwischen Baumaßnahmen und Tagungsbetrieb im vergangenen halben Jahr gut geklappt. „Kein einziger Besucher hat sich wegen der Bauarbeiten bei uns beschwert“, sagt Stefan Tratz.

Stefan Tratz, Direktor der Deutschen Richterakademie

Stefan Tratz, Direktor der Deutschen Richterakademie.

Quelle: Peter Geisler

Während das Schloss von außen somit in Kürze wieder in neuem altem Glanz erstrahlt, herrscht hinter den Mauern weiterer Handlungsbedarf, da sind sich Direktor Tratz und der BLB einig. Zwar sei das Dach in den 90er Jahren komplett gesichert worden, sagt Ines Landeck, doch aus Brandschutzgründen müsse sich hier dringend etwas tun. „Das Dachgeschoss ist das ’Stiefkind’“ des Schlosses, sagt Landeck. „Es ist noch zu DDR-Zeiten ausgebaut worden.“ Es werde bereits geprüft, wie viel Geld notwendig sei, um das Geschoss modernen Standards anzupassen. Die Investitionen seien auch in puncto Energiebilanz sinnvoll, sagt Stefan Tratz. „Unter dem Dach ist überhaupt keine Wärmedämmung“, so Tratz.

Nächste Projekte: Zweiter Stock und Dachgeschoss

Ein anderes Projekt im Schloss, dem ehemaligen Sitz der Familie von Ziethen, ist die zweite Etage. Hier finden sich etliche Seminarräume, die allerdings arg in die Jahre gekommen sind. Teilweise löst sich die Decke ab, Beleuchtung und Heizung sprechen die Sprache vergangener Jahrzehnte. Auf die Räume im zweiten Stock könne man nicht verzichten, so Tratz. Im Gegenteil: „Das Schloss ist relativ klein und wir haben einen erhöhten Raumbedarf.“ Frontalvorträge in großen Sälen seien mittlerweile weit weniger gefragt als interaktive Workshops in kleinen Gruppen.

Um für die Richterinnen und Richter ein vernünftiges Lern- und Arbeitsumfeld zu schaffen, müsse daher unter anderem in die Beleuchtung und die Technik investiert werden. Auch die Heizungsanlage sei langfristig zu erneuern. Ob das Geld tatsächlich bewilligt wird, entscheidet die Haushaltskommission der Akademie jeweils für zwei Jahre. Die finanziellen Mittel kommen zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von den Ländern.

Barrierefreier Zugang möglich

Architekt Rainer Kokert ist froh, dass das Schloss in Händen der Richterakademie ist. „Dies ist eine Nutzung, die es überhaupt erst ermöglicht, solch ein Gebäude zu erhalten“, sagt Kokert. Das „monolithische Bauwerk aus Ziegeln“ verfüge über keine Dehnfugen, da sei es völlig normal, dass das Mauerwerk jahreszeitbedingt „arbeite“ – und entsprechende Risse entstünden, die fortlaufend repariert werden müssten.

Die Sanierung eines alten Gebäudes ist auch im Fall des Wustrauer Schlosses ein Spagat zwischen modernen Anforderungen und Vorgaben, die dem Denkmalschutz dienen. So ist es auch mit dem barrierefreien Zugang, über den das Schloss inzwischen verfügt. Im Sommer 2013 wurde mit dem Einbau eines Aufzuges begonnen, der künftig dank eines Durchbruchs in der Fassade von außen genutzt werden kann.

Von Mischa Karth

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