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Ein rollendes Opernhaus auf dem Schulplatz

Neuruppin Ein rollendes Opernhaus auf dem Schulplatz

Die Festspieloper Prag reist mit einem mobilen Freilufttheater durch halb Deutschland. Im Juli bringen die Musiker Verdis „Nabucco“ in die Fontanestadt. Morgens kommen die Techniker, bauen das Freilufttheater samt Bühne auf, abends zieht das Opernhaus weiter.

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Die Sänger singen italienisch, die Inszenierung ist eher klassisch..

Quelle: Promo

Neuruppin. Es klingt nach einer logistischen Meisterleistung: In nicht einmal 24 Stunden soll auf dem Neuruppiner Schulplatz eine komplette Oper mit 600 bis 800 Sitzplätzen, Bühne und Orchesterzelt entstehen, es wird eine der bekanntesten Opern der Welt gespielt, und kaum dass sich das Publikum von seinen Sitzen erhoben hat, packt der Tross schon wieder zusammen und macht sich auf zum nächsten Ziel, auf dass am Abend darauf 400 Kilometer von Neuruppin entfernt die nächste Vorstellung beginnt. Wenn Silvia Giesler vom Veranstaltungsbüro Paulis davon erzählt, klingt das Ganze, als wäre es ein Kinderspiel. Und tatsächlich: für die Opernmacher aus Braunschweig schient es das auch ein bisschen zu sein.

Das rollende Opernhaus ist für die Frauen und Männer Alltag. „Das machen wir schon seit 20 Jahren“, sagt Silvia Giesler. 30 bis 40 Opernaufführungen organisiert ihre Agentur jedes Jahr und reist dazu durch ganz Deutschland – in diese, Sommer auch nach Neuruppin. Am 21. Juli bringen die Opernmacher auf dem Schulplatz mitten in der Stadt Verdis „Nabucco“ auf die Bühne.

„Wir spielen ganz bewusst in kleineren Orten“, sagt Silvia Giesler. In Orten, die in aller Regel kein Theater haben – geschweige denn eine Bühne die groß genug ist, um eines der berühmten Opernwerke aufzuführen. Also bleibt den Veranstaltern nichts weiter übrig, als alles mitzubringen, was sie brauchen: Stühle, Technik, eine Bühne, Instrumente, Musiker und Sänger.

Hemmschwellen beim Publikum abbauen

Die rollende Oper ist natürlich ein Geschäft – aber nicht nur. „Wir wollen Hemmschwellen abbauen“, sagt Silvia Giesler. „Viele Menschen würden gern mal eine Oper sehen und trauen sich nicht.“ Vielleicht, wegen der vermeintlichen Kleiderordnung, weil sie fürchten, als Laien entlarvt zu werden oder schlicht, weil der Weg zur nächsten Oper zu weit ist.

Auch wenn letzteres für Neuruppin – mit der Kammeroper in Rheinsberg vor der Tür – kaum gelten dürfte, sind die Veranstalter sicher, in Neuruppin richtig zu sein. Giesler: „Wenn wir die Oper zu den Menschen bringen, erreichen wir ein breiteres Publikum, als wenn die Menschen dorthin fahren müssen.“

Mit drei Sattelschleppern voller Technik, drei Reisebussen und ein paar kleineren Fahrzeugen rollen die Veranstalter am Morgen des 21. Juli in Neuruppin an. Ab 7 Uhr werden die Techniker beginnen, Bühne, Orchesterzelt und das Gestühl für das Publikum aufzubauen. Spätestens neun Stunden später muss alles fertig sein – dann kommen die Künstler.

Jeden Tag eine Aufführung an einem anderen Ort

Die 100 Sänger und Darsteller sind bei der Festspieloper Prag engagiert. Im jedem Sommer, wenn viele andern Theater Pause haben, reisen sie für mehrere Monate zusammen mit 28 Musikern aus Tschechien und 32 Chorsängern durch die Bundesrepublik. Fast jeden Tag steht eine Aufführung auf dem Programm, von Quedlinburg geht es nach Neuruppin, von Neuruppin weiter nach Mühlhausen.

Text und Musik kennen die Künstler, trotzdem ist für sie jeder Abend eine Herausforderung. „Wir versuchen immer, die Umgebung unseres Aufführungsortes einzubeziehen“, sagt Silvia Giesler. Keine vier Stunde blieben für die Proben. Jeden Abend müssen sich die Künstler auf neue Gegebenheiten einstellen, auf einen anderen Ort, andere Akustik, anderes Wetter.

Die Aufführung beginnt um 20 Uhr – so können die Opernmacher den Sonnenuntergang in ihre Inszenierung einbeziehen. Die Sonne sinkt, wenn nach der Pause der berühmte Gefangenenchor erklingt.

Gespielt wird unter freiem Himmel – bei jedem Wetter

Wer sich wegen des Wetters sorgt: Gespielt wird immer, bei Sonne wie bei Regen, sagt Giesler. Wenn es von oben zu feucht wird, können die Besucher an der Kasse ein einfaches Regencape kaufen; Schirme sind in der Open-Air-Oper nicht gern gesehen, weil sie anderen Gästen die Sicht versperren.

Eine so große Aufführung hat es auf dem Schulplatz schon lange nicht mehr gegeben. Der damalige Kultur- und Sportbetrieb der Stadt hatte vor Jahren einmal die „Carmina Burana“ ins Neuruppiner Zentrum geholt.

Karten für die Aufführung von Verdis „Nabucco“ mit der Festspieloper Prag am Freitag, 21. Juli, auf dem Neuruppiner Schulplatz gibt es ab 44 Euro unter anderem im Kundencenter der MAZ, Karl-Marx-Straße 64 in Neuruppin. An der Abendkasse sind sie fünf Euro teurer.

Von Reyk Grunow

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