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Einblicke in die Welt des Vergoldens

Rheinsberg Einblicke in die Welt des Vergoldens

Die Restauratorin Sandra Bothe hat bei der Restaurierung des Muschelsaals in Rheinsberg mitgewirkt und gab nun in einem Vortrag Einblicke in die Welt des Vergoldens. Die Zuhörer lernten: Eine Vergoldung braucht Zeit, Sorgfalt und viel Fingerspitzengefühl.

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Restauratorin Sandra Bothe (r.) zeigt den Vortragsbesuchern Materialien und Werkzeuge aus der Vergolder-Praxis.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Wer den frisch restaurierten Muschelsaal des Rheinsberger Schlosses betritt, ist nahezu geblendet von all der Pracht. Nicht zuletzt wegen der üppigen Vergoldungen, die dem Raum Glanz und königliche Glorie verleihen. Was da indes so glänzt, ist das Resultat langwieriger akribischer Arbeit der Restauratoren: eine Vergoldung braucht Zeit, Sorgfalt und viel Fingerspitzengefühl. Die Rheinsberger Restauratorin Sandra Bothe kann ein Lied davon singen – sie hat am Saal mitgearbeitet. In einem Vortrag am Sonnabend gibt sie vor einem Dutzend Interessierter Einblicke in die Welt des Vergoldens in der restauratorischen Praxis.

Ein Hammer namens „Fertigmacher“

„Ohne die Goldschläger hätten wir nichts zum Arbeiten“, eröffnet sie ihren Vortrag mit einem Abriss über das uralte Handwerk des Goldschlagens, dem sich die Inder und Ägypter schon vor mehr als 5000 Jahren bedient haben, um ihren Kunstwerken goldene Akzente zu setzen. Natürlich aus echtem Gold – das korrodiere nicht wie etwa Schlagmetall. Die feinen Platten würden in einem aufwendigen Prozess immer wieder gehämmert, mit Trennblättern gebündelt und weiter mit teils schweren Hämmern so lange gehämmert, bis es hauchdünn geworden sei. „Eine körperliche Herausforderung“, so Bothe, immerhin wiege der Hammer namens „Fertigmacher“ 12,5 Kilo. Der mache auch den Goldschläger fertig. Es sei schier unbegreiflich, dass am Ende 8000 Goldblättchen übereinandergestapelt nur eine Dicke von einem Millimeter hätten. Auch heute noch werde ein Drittel der Prozesse in Handarbeit bewältigt, etwa das Schneiden auf Blockgröße. „Unser bevorzugtes Blattgold-Format ist acht mal acht Zentimeter“, so Bothe.

Ein Heft Blattgold mit 25 Blatt kostet stolze 42 Euro. Ein Zwei-Gramm-Döschen Pudergold gar 150 Euro. Deshalb werden auch die Überstände nicht weggeworfen. „Wir kehren am Ende alles auf – das kann man immer noch verwenden“, erklärt Sandra Bothe das so genannte Kehrgold“ – erklärt aber auch preiswerte Surrogate wie Schlagmetall, Flittergold oder Bronzierpigmente. Gibt aber zu bedenken: „Die Freude über die Preisersparnis dauert kürzer als der Ärger über die Korrosion, die unweigerlich folgt.“

Vergolderpinsel aus Eichhörnchenhaar

Dass man so hauchfeine Gold-Blättchen nicht mit der Hand anfassen kann, versteht sich von selbst. Sandra Bothe erläutert den Prozess des Vergoldens an zwei Beispielen: dem Ölvergolden, das zumeist draußen zum Einsatz kommt sowie die Polimentvergoldung, die innen angewendet wird. Wie im Muschelsaal auf Stuck. Beide Techniken benötigen vorab diverse Vorbehandlungen, um das Material aufnahmefähig für das Blattgold zu machen. Und immer sei es wichtig, den richtigen Moment abzupassen, wann das Gold auf die Öl- oder Kleberschicht muss. „Sonst säuft es ab, oder haftet nicht“, weiß Bothe. Zum Auftragen braucht man den sogenannten Anschießer. „Der Name ist charmant und beschreibt genau, was passiert.“ Der Vergolderpinsel aus Eichhörnchenhaar wird statisch aufgeladen – oft am Haar des Restaurators. Damit haftet das Gold daran – schießt aber später wie von Zauberhand auf die vorbereitete Fläche, wenn man sich ihr nähert“, erklärt die Restauratorin. Abschließend könne poliert oder patiniert werden – je nachdem, wie das Gold am Ende aussehen soll.

Die Zuhörer stellen viele Fragen. Sandra Bothe beantwortet, schenkt eine Runde Goldwasser aus und zeigt einen Karton mit Goldblättchenschnipseln, mit dem die Tochter des Chefrestaurators einst Goldmarie spielte. „Die Mutter erlitt fast einen Schock. Er aber sah es gelassen – es war nur Schlagmetall“, beendet Sandra Bothe die Anekdote.

Von Regine Buddeke

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