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Einblicke ins Stasi-Ferienlager Klausheide

Sonderausstellung in Neuruppin eröffnet Einblicke ins Stasi-Ferienlager Klausheide

Im Pionierferienlager „Feliks E. Dzierzynski“ des Ministeriums für Staatssicherheit verbrachten jeden Sommer 1500 Kinder ihren Urlaub. Das Areal am Möllensee liegt seit Mitte der 90er Jahre brach, noch immer ranken sich zahlreiche Mythen darum. Eine Ausstellung im Museum Neuruppin versucht seit Sonntag, einige von ihnen zu klären.

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Seit Mitte der 90er Jahre liegt das Gelände des einstigen Ferienlagers brach.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Um das ehemalige Ferienlager des Ministeriums für Staatssicherheit in Klausheide ranken sich zahlreiche Mythen. Obwohl die letzten Kinder „verdienter Mitarbeiter“ des MfS – dem Geheimdienst der DDR – vor mehr als 25 Jahren in der Anlage am Möllensee untergebracht waren, ist das Pionierferienlager „Feliks E. Dzierzynski“ in den Augen von Neuruppins Museumsleiter Hansjörg Albrecht heute „ein verlorener Ort.“ „Gehört haben alle davon, gesehen haben ihn letztlich nur wenige“, sagt Albrecht. Um nun ein wenig Licht ins Dunkel um die Geschichte des Ferienlagers zu bringen, zeigen Albrecht und sein Team seit Sonntag die Ausstellung „Ferien mit Feliks“ im Museum Neuruppin.

Elke Kimmel, Mitarbeiterin des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, hat sich auf Spurensuche begeben und sich vor allem durch die Archive der Gauck-Behörde gewühlt, aber auch mit Zeitzeugen gesprochen. Ihr Eindruck: „Vieles war so wie in einem ganz normalen DDR-Kinderlager.“ Bis zu 1500 Kinder je Sommer sollten dort eine unbeschwerte Zeit verbringen.

Anhand von Fotos und Papieren wird das Leben im Ferienlager dokumentiert

Anhand von Fotos und Papieren wird das Leben im Ferienlager dokumentiert.

Quelle: Mischa Karth

Doch ganz frei vom Einfluss des MfS war das Lagerleben nicht, so Kimmel. So habe sich die Anreise gegenüber gewöhnlichen Ferienlagern unterschieden. Die Kinder der MfS-Mitarbeiter sammelten sich demnach in Berlin an der Zentrale in der Normannenstraße und wurden von dort per Bus nach Klausheide gefahren. Das Motto des Lagers „Leben dem Genossen Feliks nach“ – bezogen auf Feliks E. Dzierzynski, den ersten Leiter der sowjetischen Geheimpolizei „Tscheka“ – habe sich auch im Selbstverständnis des Lager­lebens widergespiegelt. „Es hat durchaus eine ideologische Ausprägung gegeben, immerhin war es das zentrale Pionierferienlager der Stasi“, so Kimmel. „’Kühler Kopf, heißes Herz, saubere Hände’ – das Credo des Geheimdienstes schwebte immer mit.“ Bei einem obligatorischen Tag der „Tscheka“ während der Lagerzeit seien die Kinder zumindest mit dem Militär in Kontakt gekommen.

Auch militärische Übungen standen im Ferienlager auf dem Programm

Auch militärische Übungen standen im Ferienlager auf dem Programm.

Quelle: Stasiunterlagenbehörde

Ausschweifenden Luxus, militärischen Drill oder sogar Technik zum Abhören der nahegelegenden Stadt Neuruppin, wie immer wieder spekuliert wurde, habe es in Klausheide aber nicht gegeben, so Kimmel. Am auffälligsten sei eine Sauna gewesen, die in den offiziellen Plänen fehlte. Sie sei allerdings von Erwachsenen wie beispielsweise Sportlern des SC Dynamo Berlin genutzt worden, die sich in Klausheide auf die Saison vorbereiteten.

Dass so wenig über das Areal am Möllensee bekannt ist, liegt an der Entwicklung nach dem Mauerfall. Nach der Übergabe an den Rat der Stadt Alt-Ruppin am 1. April 1990 wurde das mehrere Hektar große Gelände zunächst als Hotelareal, schließlich als Seniorenresidenz genutzt. Doch da es seit Mitte der 90er Jahre brachliegt und nicht mehr zu betreten ist, sei es erneut zu einem „verlorenen Ort“ geworden, so Albrecht.

Ein Lageplan verdeutlicht die Größe der Anlage im Wald bei Klausheide

Ein Lageplan verdeutlicht die Größe der Anlage im Wald bei Klausheide.

Quelle: privat

Entsprechend soll ein Film mit Drohnenaufnahmen aus dem vergangenen Jahr den Ausstellungsbesuchern zunächst ein Bild von der jetzigen Situation vermitteln. Aus der DDR-Zeit sind in der Schau viele Fotos zu sehen, die den Alltag der sechs bis 14 Jahre alten Kinder im Lager abbilden. Die Heranwachsenden spielten, trieben viel Sport und feierten ein „Neptunfest“.

Inwieweit die Fotografen Einfluss auf die Bilder nahmen, ist unklar. Als Stasi-Unterlagen hätten sie einen „gefärbten Blick“, sagt Kimmel. Um klassische Propaganda-Bilder aber handele es sich nicht, so die Historikerin. „Dazu sind sie nicht perfekt genug. Aber natürlich sollte dokumentiert werden, dass die Kinder Spaß haben und sich gut erholen.“ Aus den Aufnahmen ist das nur teilweise ersichtlich, denn auf vielen Bildern sind die Gesichter aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht worden.

Um noch mehr über das Leben im Ferienlager zu erfahren, sollen sich auch die Besucher der Ausstellung beteiligen. Ob Anwohner oder Ferienkinder: Auf Postkarten können sie ihre Erinnerungen hinterlassen.

Von Mischa Karth

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