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Eine Amtsstube wie eine Wunderkammer

Wusterhausen Eine Amtsstube wie eine Wunderkammer

Im Dienstzimmer von Roman Blank, dem Bürgermeister von Wusterhausen, lassen sich so einige kuriose Dinge entdecken. Von vielen kennt selbst Blank deren Herkunft nicht. Dabei ist sein ganzer Raum alleine schon eine Geschichte wert, denn dessen Tage sind gezählt: Nach der Sanierung des Rathauses wird daraus der neue Trausaal. Blanks Dienstzimmer rückt woanders hin.

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Roman Blank mit der Pilgerfigur, die er von einem Schnitzer aus der polnischen Partnerstadt erwarb.

Quelle: Matthias Anke

Wusterhausen. Wer Roman Blank häufiger sieht, kennt ihn als Strahlemann. Der Bürgermeister von Wusterhausen ist schließlich jemand, der mehr gute als schlechte Laune zeigt. Dabei arbeitet er auf der dunklen Seite, der Schattenseite seines Rathauses. Denn die meisten Bürofenster des Bürgermeisterzimmers zeigen nach Norden, nur einige wenige lassen Licht von Westen herein. „Mit etwas Glück lässt sich die Sonne hier im Sommer abends mal blicken, das war’s aber auch schon“, sagt Blank, der im Grunde genommen allerdings täglich einen Platz direkt unter der Sonne hat. Sie hat sogar ein Gesicht, ist aus Keramik – und hängt über der Eingangstür.

Woher dieses Stück stammt, wisse Blank nicht. Ebenso unbekannt sei ihm die Herkunft vieler weiterer Dinge in seinem Büro. Etwa die vier auf Hochglanz polierten, orangefarbenen Vasen, in denen augenscheinlich noch nie Blumen steckten, oder zwei Zinnkannen, aus denen wohl noch nie ein guter Tropfen floss.

Der heutige Landrat hat in dem Zimmer so einiges vermacht

Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, könnte Blank seinen Vorgänger fragen: Ralf Reinhardt, der nunmehr der Landrat von Ostprignitz-Ruppin ist. Von ihm übernahm Blank das Zimmer 2010. Seither hat sich darin nicht viel verändert.

Reinhardt war es auch, der das Zimmer erst in dieses obere Stockwerk des Rathauses brachte. Dessen Vorgänger wiederum, Peter Wollert, saß schließlich noch „unten“. Reinhardt aber habe gewollt, dass die Abteilungen mit mehr Besucherverkehr wie etwa das Ordnungsamt und der Kitabereich zugänglicher sind. Einen Fahrstuhl gibt es schließlich nicht in diesem betagten Haus aus dem Baujahr 1854 mit den zu DDR-Zeiten mit Linoleum belegten Treppen – noch nicht. Denn ab Mitte kommenden Jahres wird das Rathaus grundlegend saniert für geschätzt bis zu drei Millionen Euro. Von da ab sind die 24 Verwaltungsbeschäftigten in der bisher noch leeerstehenden Alten Schule anzutreffen. Zwei Jahre werden die Arbeiten dauern.

Über allem strahlt die Sonne

Über allem strahlt die Sonne: Diese Keramik hängt über der Tür des Raumes, in den so gut wie nie ein echter Sonnenstrahl fällt.

Quelle: Matthias Anke

„Ich möchte auch einmal ein neues Dienstzimmer beziehen“, sagt Blank mit einem optimistischen Lächeln. Die nächste Bürgermeisterwahl ist schließlich schon 2018, und das neue Zimmer wird derweil auf der Südseite des Gebäudes entstehen, auf der Sonnenseite also und mit Blick auf den Marktplatz. Derzeit befindet sich dort noch das Sekretariat. Blanks jetziger Büroraum wird zum Trauungszimmer.

Wer weiß, wo er dort sitzt, kommt am Sekretariat leicht vorbei und kann direkt in die Amtsstube poltern. „Ich habe ja keine feste Bürgersprechstunde. Meine Tür steht jedem jederzeit offen, aber so viele Leute kommen trotzdem nicht“, sagt Blank mit Blick auf die Tür. Und auch die hat eine kuriose Seite: Sie ist von innen mit braunem Leder gepolstert. „Schalldicht bräuchte die gar nicht zu sein, da ich hier drinnen ja ohnehin über keine großen Geheimnisse spreche, außerdem schließt sie nicht mal richtig.“

Was ihm Vorgänger Reinhardt außerdem noch hinterließ, ist ein Traktor aus Granit, ein Geschenk vom Blankenberger Treckerverein zur Wusterhausener 775-Jahr-Feier von 2008. „Den habe ich aus dem Schrank geholt und ihn mir obendrauf gestellt. Ich bin ja schließlich Blankenberger“, sagt Blank augenzwinkernd.

Nur ein Privatfoto steht auf dem Tisch von Roman Blank

Mit seinem Heimatdorf an der Nordostgrenze des Gemeindegebiets verbindet ihn dabei nicht allein dieser namentliche Bezug, sondern auch eine familiäre Wurzel. Schon in der Kindheit habe der gebürtige Berliner Blank dort oft Sommerferien verbracht.

Der Blankenberger Traktor aus Granit und ein seltsames Bild

Der Blankenberger Traktor aus Granit und ein seltsames Bild.

Quelle: Matthias Anke

Heute nun Verwaltungschef, hat er wie alle anderen auch 30 Tage Urlaub und halte sich währenddessen am liebsten in Blankenberg auf. „Ich bin hier ja hergezogen, gerade weil es so schön ist“, sagt er. Zudem wollen drei Schafe versorgt werden – seine „Rasenmäher“. Und ist der Winter vorüber, widmet er sich auch wieder seinen Honigbienen und dem Obst- und Gemüseanbau. Dabei zeigt das einzige Privatfoto im Bürgermeisterzimmer Blank ganz woanders: in Indien vor einem Kamel und einem urigen Taxi. „Das ist noch aus meiner Zeit vor alledem hier.“ Vor seiner Zeit als Stadtoberhaupt von Wusterhausen also, das auch als Schusterhausen bekannt ist. An einem dekorativ auf einem Schrank im Dienstzimmer stehenden Filzstiefel gibt es einen Hinweis darauf. „775 Jahre Schusterhausen“ steht auf einem daran befestigten Hufeisen geschrieben. Herkunft dieses Objekts – für Blank ebenso unklar.

Das am Filzstiefel befestigte Hufeisen

Das am Filzstiefel befestigte Hufeisen.

Quelle: Matthias Anke

Anders ist es bei dem danebenstehenden Kelch. Es ist Rheinsberger Keramik, ein Geschenk vom Kulturverein zu Blanks 40. Geburtstag, der jetzt vier Jahre zurückliegt. Und ebenso klar ist ihm die Herkunft einer Holzfigur, die auch neben dem ominösen Stiefel steht. Es ist ein Pilger, den Blank einem Schnitzer aus der noch jungen Wusterhausener Partnerstadt Przytoczna in Polen abkaufte. Dass ihm diese Partnerschaft viel bedeutet, dafür spricht die Urkunde, die sich Blank an eine der Wände hängte. Diese schmücken ansonsten noch postkartengroße Zeichnungen des Wusterhauseners Klaus Hoferichter, ein Bild von der Stadtkirche von einer russischen Künstlerin, die einst in Wusterhausen ausstellte, und auch der aktuelle, von der „Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen“ herausgegebene Kalender. „Man muss ja im Blick behalten, was die Konkurrenz macht.“

Plötzlich surrt es leise und leuchtet blau auf Blanks Schreibtisch. Es ist der PC, der seit Kurzem nur noch aus einem kleinen, schwarzen Kästchen besteht. „Nicht mal ich kann da einen USB-Stick ranhängen. Sicherheit geht angeblich vor.“ Das wäre jetzt doch endlich mal ein Grund für schlechte Laune. Aber: keine Spur davon.

Von Matthias Anke

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