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Ostprignitz-Ruppin Eine Bewährungsstrafe, drei Freisprüche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Eine Bewährungsstrafe, drei Freisprüche
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00:17 20.11.2016
Vier Männer standen wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Neuruppiner Amtsgericht Quelle: dpa
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Wittstock

Das Urteil kam wohl für alle überraschend. Das Schöffengericht des Neuruppiner Amtsgerichts sprach am Donnerstag drei Angeklagte frei, für den vierten, Andy S., verhängte es wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss Andy S. eine Geldbuße von 500 Euro zahlen.

Staatsanwältin beantragte Freisprüche für alle

Selbst die Staatsanwältin hatte für alle vier Freisprüche gefordert, weil sie die Tat, die ihnen vorgeworfen war, nicht sicher nachweisen konnte.

Es ging um einen Vorfall in Wittstock am 21. Mai 2014 kurz nach Mitternacht. Andy S., sein Bruder Robert K., Patrick D. und Andy T. trafen sich in der Tatnacht und sprachen, bis auf den Chauffeur Robert K., ordentlich dem Alkohol zu. Darauf lassen jedenfalls die Promillewerte schließen, die zwischen 1,1 und 3,0 lagen. Bei einer Tankstelle trafen sie auf David W. Es kam, aus welchem Grund auch immer, zu einer verbalen Auseinandersetzung. Man trennte sich. Die vier fuhren mit dem Auto herum und entdeckten später W. auf dem Marktplatz auf einer Bank sitzen.

Gericht glaubte einer Augenzeugin

„Sie kamen überein, ihm nochmals die Meinung zu sagen, mit schlagenden Argumenten“, sagte Richter Sebastian Klinge. Die Angeklagten stiegen aus, W. flüchtete und wurde an der Kreuzung Burg-/Poststraße eingeholt. Was sich dann im Einzelnen abgespielt hat, konnte nicht rekonstruiert werden. Nach Überzeugung des Gerichts kam W. zu Fall und wurde am Boden liegend getreten. Glaubt man der Zeugin Christina L. stieg Andy S. aus dem Auto aus, lief zu dem am Boden liegenden Mann – und trat zu. Die Zeugin hatte noch andere dort stehen sehen, die sie aber nicht erkennen konnte, weil es zu dunkel war.

Christina L. und ihr Mann waren in zwei Autos auf dem Weg nach Hause, als sie den Streit bemerkten und ausstiegen. „Andy S. sagte, ich solle mich verpissen, sonst bekäme ich auch eine rein“, so die Zeugin. Ihr Mann machte sofort kehrt und fuhr nach Hause. Von dort aus rief er die Polizei. Er habe keinen erkannt und auch keinen am Boden liegen gesehen, sagte er vor Gericht.

Opfer war nicht interessiert an einer Aufklärung

Die Angeklagten schwiegen. Nur Andy T. redete. Er sei hinter David W. hergerannt. „Wir wollten ihn nur zur Rede stellen, nicht körperlich angreifen.“ Jedenfalls habe ihn plötzlich ein körperliches Bedürfnis überkommen und er sei ausgetreten. Als er zur Kreuzung gekommen sei, wäre von David W. nichts zu sehen gewesen, nur die anderen hätten herum gestanden. Zwei Minuten später sei die Polizei gekommen.

Als die Beamten bei David W. auftauchten, war dieser völlig überrascht. Er hatte ein blaues Auge und eine geschwollene Gesichtshälfte, zeigte aber kein Interesse an einer Aufklärung und wollte auch keine Anzeige erstatten.

Diesen Eindruck vermittelte der 36-Jährige auch vor Gericht. Er sei verletzt gewesen, wisse aber nicht wie. „Es ist alles weg.“ Schuld daran sei der Alkohol, den er damals im Übermaß getrunken habe. Auf bis zu einen Kasten Bier pro Tag habe er es gebracht. „Ich bin am 21. Mai mittags aufgewacht und wusste nichts.“ Er habe eine Entgiftung und eine Entwöhnung hinter sich und wolle nur in Ruhe seiner Arbeit nachgehen. Außerdem gelte in Wittstock ein Ehrenkodex. Das heiße, man regelt Angelegenheiten unter sich und verpfeift keinen.

„Ein unbrauchbarer Zeuge. Die einzige, die sich fantastisch erinnern konnte, war Christina L.“, sagte die Staatsanwältin. Sie glaubte der Zeugin, hatte aber ihre Zweifel, ob das ausreiche, den Angeklagten die gefährliche Körperverletzung nachweisen zu können.

Nur Mutmaßungen

Alles Vermutungen von Christina L., meinte der Verteidiger von Andy S. Sie habe einen Fuß gesehen und daraus geschlussfolgert, dass jemand am Boden liegt. Für die Verteidigung vermischten sich Tatsachen und Schlussfolgerungen. Das sah das Gericht anders und verhängte eine Strafe für Andy S.

Von Dagmar Simons

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