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Eine Brücke mitten in der Natur

Neustadt Eine Brücke mitten in der Natur

Über die Dosse zwischen Neustadt und Wusterhausen führt eine Brücke, um deren Entstehung sich eine Geschichte rankt. Die Bundeswehr half 1998 maßgeblich mit beim Bau der Überführung. In Richtung Plänitz dehnt sich hinter der Brücke bis heute ein weites Feld. Wegebau ist bisher nicht geplant.

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Ein weites Feld dehnt sich hinter der Brücke in Richtung Plänitz und Wus­terhausen. Wegebau ist bisher nicht geplant.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Wusterhausen und Neustadt haben etwas gemeinsam. Es sind Städte an demselben Flüsschen – der Dosse. Bis zu ihren Ufern streckt sich Landschaft pur mit Bäumen, Sträuchern und Tieren auf der Weide.

Über die Dosse zwischen Neustadt und Wusterhausen führt eine Brücke, um deren Entstehung sich eine Geschichte rankt. Stellen wir uns einen Eintopf vor. Was da reingehört, kommt von vielen Köchen. Einer würzt, ein anderer rührt um, ein anderer schmeckt ab. Wenn es reichlich dampft, muss das Ganze vom Feuer. Dann wird aufgetischt.

Im Oktober 1998 lagen die Zutaten bereit. An der Gemarkungsgrenze zwischen Neustadt und Wusterhausen befand sich einst die nun nicht mehr existente Schinderbrücke. Hüben – also auf Neustädter Seite – sah man gute Chancen, bald die Wanderkarte für Touristen bunter machen zu können. Anders drüben. Wusterhausen hielt sich bedeckt, man begab sich in eine stille Beobachterrolle. Neustadts damaliger Amtsdirektor Edmund Bublitz zeigte sich unaufhörlich aktiv, um nichts anbrennen zu lassen. An seiner Seite hatte er Emil Kort aus Kampehl, Freizeitreiter und Pferdewagenfahrer mit Fantasie. Aus dem Schinderwald kommend, könnte man eine neue Brücke gut gebrauchen. Der Weg drüber – dann schon in Wusterhausener Gemarkung – ließe sich bis zur ­befestigten Straße nach Plänitz führen.

Stolpe fuhr als Erster drüber – in einer Kutsche

An sich war das kein schlechtes Rezept, zumal beide Männer noch ein wichtiges Pfund in die Waagschale zu legen hatten. Die Rede ist von der Bundeswehr. Schon seit zwei Jahren bestanden freundschaftliche Kontakte zwischen dem Neustädter Rathaus und dem Pionierbataillon 803 in Havelberg. Die sollten nun in einem Partnerschaftsvertrag schwarz auf weiß festgeschrieben werden. Da machte es sich gut, dass die Uniformierten etwas Handfestes als Geschenk daließen. Brücken sind ihre Spezialität. Warum also nicht über die Dosse?

An einem Donnerstag legten sie los. Drei Tage später sollte kein Geringerer als Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) in einer Kutsche als Erster über die Brücke fahren. Weil dem Militär nichts zu schwer sein darf, ließen sich die Soldaten auch nicht davon abschrecken, dass die vorher gegossenen Fundamente 80 Zentimeter zu kurz ausgefallen waren. Kommt eben Betonpudding drauf. Angerührt, eingeschalt, nachgegossen – das ging ruck, zuck. Damit fing es an. Zwei Tage zum Aushärten mussten sein. Der Termin wackelte wie einst das brüchige Geländer der Vorgängerbrücke. „Kriegen wir trotzdem hin“, sagte ein Hauptfeldwebel. Optimismus ist immer gut, vor allem dann, wenn 30 000 D-Mark als Fördermittel vom Amt für Flurneuordnung verbaut werden dürfen. Der Amtsdirektor nannte das einen „Friedenspreis“.

Hinter der Brücke war Schluss

Das Ergebnis, um das sich nun letztlich viele Köche gekümmert hatten, sah köstlich aus. Bekanntlich isst das Auge mit. Die Voraussetzungen, zwischen Neustadt, Rheinsberg und Fürstenberg den alten Postweg wieder einzurichten, machten Appetit auf neue Tourismusprospekte. Die Zweispänner-Kutsche, leider nicht mit Manfred Stolpe, dafür mit Agrarminister Gunter Fritsch, Amtsdirektor Edmund Bublitz und Emil Kort, rumpelte über die nagelneuen Bohlen. Leider wusste der Mann auf dem Bock nicht, wie es hinter der Brücke weitergehen würde. Denn da war ja – nach wie vor – kein Weg, nichts. Kaum in Bewegung, wendete das Gespann auf der Wiese. Alles retour. Für ein Foto reichte die Zeit gerade so. Bei den Zuschauern wurde indes ein bisschen über den Ableger eines Potemkinschen Dorfes gewitzelt.

An der Situation hat sich heute nichts geändert. Nur dass mittlerweile der Zahn der Zeit an der Brücke nagte und sie zudem Opfer von Vandalismus wurde. An Wegebau denkt offenbar keiner mehr. Dabei könnte die Bundeswehr auch das. Der Vertrag von 1998 gilt immer noch.

Von Wolfgang Hörmann

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