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Eine „Carmen“ ohne Zigeuner-Kitsch

Premiere der Kammeroper Schloss Rheinsberg Eine „Carmen“ ohne Zigeuner-Kitsch

Bizets „Carmen“ ist eine der beliebtesten Opern aller Zeiten. Im Rheinsberger Heckentheater kommt die Geschichte um den pflichtvergessenen Offizier José, der Carmens erotischer Ausstrahlung verfällt, angenehm kitschfrei daher. Wegen des Wetters musste bis zuletzt gezittert werden, doch die Premiere am Freitagabend konnte störungsfrei über die Bühne gehen.

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Farrah El Dibany als Carmen und Dmitry Kalyaka als Don José. Das Foto entstand bei der Hauptprobe am 3. August.

Quelle: Bernd Settnik

Rheinsberg. Angesichts der unbeständigen Wetterlage wurde bis zuletzt gezittert. Doch dann konnte die „Carmen“-Premiere der Kammeroper Schloss Rheinsberg am Freitag regenfrei über die Bühne gehen.

Georges Bizets 1875 entstandenes Stück landet regelmäßig ganz oben in den Hitlisten der beliebtesten Opern aller Zeiten. Im Rheinsberger Heckentheater kommt die Geschichte um den pflichtvergessenen Offizier José, der Carmens erotischer Ausstrahlung verfällt, angenehm kitschfrei daher. Regisseur Giorgio Madia verzichtet auf buntes Zigeunerkolorit.

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„Sinnlichkeit, Leidenschaft, Schicksal und Tod – das besondere von George Bizets Oper Carmen entfaltet sich in der Verbindung von höchst dramatischen Momenten mit atemberaubend schöner Musik“, schreibt Regisseur Giorgio Maida in den Gedanken zu seiner Inszenierung für die Kammeroper Schloss Rheinsberg. Am Freitag hat „Carmen“ Premiere.

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Schwarz sind die Kostüme; Carmens knappes Mieder ebenso wie die Uniformen der Soldaten. Schwarz ist aber auch das Bühnenbild, ein karger Hügel mit Terrassenstufen auf der einen, einer Rampe auf der anderen Seite.

Als Carmen zog die russische Mezzosopranistin Daria Rositskaya die Hauptfigur jedoch ins Obszöne; mit derbem Brustregister, von unten angejaulten Tönen und beständig gespreizten Beinen. Das wirkte eher vulgär als erotisch.

Highlight der Aufführung ist indessen der Ecuadorianer David Esteban Fruci Gomez, der mit strahlend kraftvollem Tenor und eindringlichem Spiel die moralische Zerrüttung des Offiziers zeigte.

Während die erotische Verstrickung zwischen Carmen und José blass bleibt, gewinnt die Aufführung in den größeren Ensembles. Man merkt, dass der italienische Regisseur von Hause aus Choreograph ist, und als solcher gewohnt, ganze Gruppen spannungsreich zu formieren.

Lob gebührt der präzise spielenden Jungen Kammerphilharmonie Berlin, die aus Studenten musikfremder Fachrichtungen besteht. Nur in den turbulenten Chorszenen „klappert“ es zuweilen.

Am Pult hält Aurélien Bello mit deutlichem, umsichtigem Dirigat die Fäden zusammen. Er betonte vor allem die zarten, lyrischen Momente der Partitur. Dem Premierenpublikum gefiel es. Ein Besuch sei ans Herz gelegt, wobei die Vorstellungen am 5. und 6. August bereits ausverkauft sind.

Weitere Aufführungen:

5. August, 20.00 Uhr
6. August, 18.00 Uhr
8., 9., 11., 12 August, 20.00 Uhr
13. August, 18.00 Uhr

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Von Antje Rößler

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