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Eine Heilpraktikerin auf dem Land

Schwanow Eine Heilpraktikerin auf dem Land

Wer leidet, der findet: Ihre Kuden kommen zu ihr, auch wenn die Praxis der Heilpraktikerin Ines Hertzke nicht gerade zentral, sondern in dem ruhigen Dörfchen Schwanow jenseits der Hauptstraßen liegt. Vor allem Menschen, die Probleme mit der Wirbelsäule haben, sind dort richtig beraten, denn darauf hat sich die 43-Jährige spezialisiert.

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Ines Hertzke vor ihrem Haus, in dem auch die Behandlungsräume sind.

Quelle: Celina Aniol

Schwanow. Rebecca hatte Schmerzen. Unerträgliche Schmerzen. Die vielen hinzugezogenen Ärzte waren am Ende mit ihrem Latein und meinten nur, sie müsse sich halt an den Schmerz gewöhnen. „Und das mit elf Jahren!“, sagt Ines Hertzke. Ihre Stimme klingt verärgert. Tatsächlich ist die Heilpraktikerin aus Schwanow, die sehr viel Ruhe ausstrahlt, ungehalten, dass man eine Patientin, zumal eine so junge, aufgeben kann. Rebecca kam zu ihr, und Ines Hertzke machte eine Atlasausrichtung. Dem Mädchen aus Sachsen-Anhalt ging es schon bald wieder besser. Wöchentlich kam darauf die verzweifelte Mutter mit ihrem Kind nach Schwanow. Jetzt, fünf Jahre später, machen sie ihren Sommerurlaub in der Region, um die Therapie fortzusetzen.

Muskeln werden zu Beton, wenn die Knochen verrenkt sind

Geschichten von Menschen, die nach Fahrradstürzen, nach Bandscheibenvorfällen oder einfach durch Stress nicht mehr laufen, nicht mehr sitzen und oft nicht mal mehr liegen können, kennt Ines Hertzke zur Genüge. „Ich sehe schon am Laufmuster, wo es hakt.“ Die 43-Jährige hat sich auf Wirbelsäulenausrichtung spezialisiert. Denn genau dort liege auch die Ursache vieler Beschwerden: Muskeln, die zu Beton werden, weil sie die Aufgabe des verrenkten Skeletts übernehmen und dadurch ständig angespannt sind. Dabei leidet oft nicht nur die Hülle: Auch die inneren Organe oder das Nervensystem, das durch die Wirbelsäule verläuft, können betroffen sein. Emotioneller Stau sei die Folge – oder die Ursache der Erkrankung. „Da, wo die Schmerzen herkommen, liegt oft nicht das Problem.“

Auch Stress kann zu Schmerzen führen

Deshalb behandelt sie nicht nur den Körper, sondern richtet auch seelisch ihre Patienten auf. Dabei ist sie oft eingefleischten Mustern auf der Spur, die krank machen. Viele Frauen kommen zum Beispiel zu ihr, die das Gefühl haben, die ganze Last der Familie auf ihren „schmalen Schultern“ zu tragen. „Kein Wunder, wenn sie sich dann nicht mehr richtig bewegen können“, sagt die gebürtige Magedeburgerin, die in Brunne bei Fehrbellin aufgewachsen und 1993 zu ihrem Mann nach Schwanow gezogen ist. „Sie sind die Helden der Nation – und holen sich dabei einen Buckel.“ Ihnen versucht sie zu zeigen, dass die sklavische Haltung nicht gesund ist. Oft dauere es aber Jahre, bis sie verinnerlichen, dass sie keine Rabenmütter sind, wenn die Kinder beim Aufräumen helfen. Sie könne aber nur die Probleme ansprechen und – im wahrsten Sinne des Wortes – den Rücken für Veränderungen stärken. „Aufräumen müssen die Patienten selbst.“

Heilpraktiker werden staatlich geprüft

Rund und einfühlsam hört es sich an, wie Ines Hertzke über ihre Arbeit erzählt. Dabei war der Beruf zuerst gar nicht ihr Wunsch. Nach der zehnten Klasse startete sie eine Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin. Obwohl sie eigentlich zu den Besten gehörte, scheiterte sie in praktischen Prüfungen. Die junge Frau, die gleichzeitig das Abitur nachholte, um Pharmazie zu studieren, war am Boden zerstört. Was sollte sie tun? Der Zufall, für den sie heute dankbar ist, brachte die Antwort: Ihr Vater brachte eine Zeitungsannonce für eine Heilpraktikerschule in Berlin mit. Ines Hertzke wusste nicht genau, was das ist, begann aber die Ausbildung. Sie paukte Anatomie, Physiologie, Pathologie. Wenig später stand fest: Es ist genau ihr Ding. 1999 machte sie die Abschlussprüfung vor dem Potsdamer Amtsarzt. „Und die ist nicht ohne. Das ist wie eine kleine Arztprüfung.“ Ines Hertzke findet diese staatliche Überprüfung gut. So werde gewährleistet, dass nur Menschen den Beruf ausüben, die auch wissen, was sie tun.

Der richtige Ort ist entscheidend – auch wenn er auf dem Lande liegt

Nach der Ausbildung standen die Kinder, der Hausumbau im Fokus. 2008 machte Hertzke ihre Praxis in ihrem Wohnhaus auf. „Das erste Jahr war eine Katastrophe. Damals hatte ich so viele Patienten, wie jetzt in zwei Monaten.“ Dass die Praxis nicht gerade zentral liegt, sei kein Nachteil. Die meisten stoßen ohnehin über Empfehlungen auf sie, und viele von ihnen wohnen weit weg. „Mein Ausbilder hat mal gesagt: ,Eure Patienten werden euch schon finden.’ So ist es tatsächlich.“ Zudem sei der Ort der richtige für sie – und somit auch für die Menschen, die sie so besser behandeln kann.

Die Seele wohne im Rücken, besagt ein chinesisches Sprichwort. Und Schwanow sei für sie wie das Rückgrat, sagt die Frau des Ortsvorstehers. „Es ist ein zauberhafter Ort.“ Das viele Grün, der Kalksee in der Nähe, die tolle Dorfgemeinschaft. „Wenn es nicht so abgedroschen wäre, würde ich sagen: Ich lebe und arbeite, wo andere Urlaub machen. Das empfinde ich als Privileg.“

Von Celina Aniol

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