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Eine Kabarett-Bühne für Rheinsberg

Mit dem Finger in der Wunde Eine Kabarett-Bühne für Rheinsberg

Jane Zahn ist Kabarettistin mit Leib und Seele. Ob freches Lied oder scharfzüngiger Text – beides schreibt sie selbst. Sie weiß, wo der Schuh drückt und die Gesellschaft krankt. Seit einem Jahr wohnt sie in Rheinsberg und baut derzeit eine eigene Kabarettbühne auf – nicht zuletzt für ihr aktuelles Programm „Angriff der Killerdrohnen“.

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Die Kabarettistin Jane Zahn – inmitten der Bauarbeiten.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Man muss die Welt nicht so hinnehmen, wie sie ist“, sagt Jane Zahn entschlossen. „Ich will sie verändern. Und anderen mit meiner Arbeit Mut machen, dass das geht.“ Jane Zahn ist politische Kabarettistin, bis zu drei Auftritte pro Woche hatte sie in ihrer Heidelberger Zeit: bei Friedensaktivitäten, Gewerkschaftsveranstaltungen oder Kundgebungen. „Da habe ich bundesweit Kontakte geknüpft“, erzählt sie. Diese Kontakte wird sie nun von Rheinsberg aus weiter pflegen, wohin sie vor einem Jahr mit ihrem Lebenspartner gezogen ist – und wo sie sich eine eigene Bühne aufbauen will.

Die Brettl-Bühnen sind ihr die liebsten, bekennt Jane Zahn. Von daher liegt der Traum nahe, sich eine eigene zu schaffen. „Eine Opernstimme habe ich nun mal nicht“, sagt die Kabarettistin. Wohl aber eine intime, die die Leute inspiriert. Insofern plant sie, ab Herbst 2016 auf dem Dachboden ihres Wohnhauses in der Königstraße politisches Kabarett in der Prinzenstadt zu veranstalten. Nicht nur mit ihr selbst als Akteurin, auch andere Kabarettisten sollen eingeladen werden. „Ein großes Projekt“, sagt sie – noch laufen die Bauarbeiten. Bis ihre eigene Bühne fertig ist, gibt es in der umgebauten Schnapsbrennerei auf dem Grundstück eine weitere Auftrittsstätte, die sie sich mit ihrem Freund, einem Musiker, teilt.

Eine Unterschriftensammlung brachte ihr ein Berufsverbot ein

Ein großes Projekt war auch der Werdegang der Künstlerin. „Ich habe das ja nicht von Jugend an studiert“, sagt die gebürtige Berlinerin, die ihre Kindheit in Frankfurt am Main verlebte und Mathematik und Erdkunde auf Lehramt studierte. Diesen Beruf durfte sie indes nicht ausüben – eine Unterschriftensammlung für den Spartakusbund brachte ihr ein Berufsverbot ein.

Denn politisch war sie immer – seit ihrer Studentenzeit wirkte sie im Amateurkabarett mit und arbeitete sich an den Themen der Zeit ab – schlagfertig, bissig, und nicht immer im Sinne der Regierenden. Nach dem Berufsverbot schlug sie sich als Sekretärin durch und zog drei Söhne groß. Ihre künstlerischen Ambitionen verwirklichte sie – mit Begeisterung – in einer Musikschule, wo sie musikalische Früherziehung anbot. „Ein bisschen Lebenserfahrung ist gut für den Beruf“, sagt die 64-Jährige, die erst mit Anfang 40 ihre „Solo-Karriere“ startete: mit Chansons und selbst geschriebenen Texten. Das will sie auch in Rheinsberg wieder ausbauen. Etwa mit den aktuellen Programmen, die im Laufe der Zeit immer mehr werden.

„Ich bearbeite natürlich auch Frauen-Themen“, sagt Jane Zahn, wie beim Programm „Sag beim Abwasch leise Servus“. Auch ein satirischer Jahresrückblick gehört fest ins Repertoire der Neu-Rheinsbergerin.

Beim Radeln beschloss sie, nach Rheinsberg zu ziehen

Wie sie auf die Prinzenstadt kam? „Ich war seit 2003 regelmäßig in der Seeklinik in Dorf Zechlin“, sagt Jane Zahn. Von da sei sie regelmäßig den „wunderschönen Weg nach Rheinsberg“ geradelt. Schnell kam der Wunsch: „Hier will ich mal leben und Kabarett machen“, erinnert sich die Frau mit dem warmherzig-verschmitzten Lächeln. Vor zwei Jahren hat sie ihren neuen Lebenspartner und künstlerischen Wegbegleiter kennengelernt, der ebenfalls aus seinem bisherigen Umfeld wegstrebte. „Da stieß mein Wunsch schon auf Interesse“, sagt Jane Zahn. Schnell seien sie im Internet auf das Rheinsberger Objekt gestoßen, das groß genug ist, dass beide sich hier ihr Künstler-Reich schaffen können. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie, schmunzelt und lässt dabei offen, ob sich das auf den Mann oder das Anwesen bezieht.

Für ihre Eröffnungsveranstaltung am 31. Oktober hat Jane Zahn die Kabarettistin Gisela Oechel­haeuser einladen. Die ehemalige Distel-Chefin, die Programme wie „Freie Radikale“ oder „Demokratie ist scheiße – und das mein ich ernst“ auf die Bretter knallte, sieht sie als Geistesverwandte. Jane Zahns eigenes neues Programm heißt „Angriff der Killerdrohnen“ und ist eine kabarettistische Kriegserklärung, wie sie sagt. Da kann sich Rheinsberg wohl schon mal frischmachen.

Von Regine Buddeke

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