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Ostprignitz-Ruppin Eine Partei aus dem Nichts
Lokales Ostprignitz-Ruppin Eine Partei aus dem Nichts
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02:15 05.07.2015
Schwelgten in Erinnerungen (v.l.): Andreas Schön, Dietmar Thurmann und Jörg Schilling, heutiger Pritzwalker SPD-Vize. Quelle: Bernd Atzenroth
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Pritzwalk

Sie haben quasi aus dem Nichts heraus angefangen, die Gründer der SDP in Pritzwalk. Die Flugblätter wurden noch auf Matritzen und geheim gedruckt – schließlich lauerte die Stasi noch an allen Ecken und Enden. Besserung trat erst ein, als der SPD-Ortsverein aus der Partnerstadt Winsen/Luhe eine Schreibmaschine und einen Kopierer bereitstellte. Die SDP, das war die erste Parteineugründung der Wendezeit, und sie mündete schließlich in die SPD. 25 Jahre ist die Gründungsversammlung im damaligen Pritz-walker Mitropa jetzt her, einige der Mitstreiter der ersten Stunde leben nicht mehr, zum Beispiel der gerade erst verstorbene Reinhard Götze, der 1990 bis 1993 Landrat des Altkreises Pritzwalk war. Doch viele der damals handelnden Personen können sich noch lebhaft an die wilden Anfangszeiten nach der Wende erinnern und viel erzählen.

Andreas Schön zum Beispiel. Der frühere Lehrer war erster SDP-Kreisvorsitzender in Pritzwalk. Quasi auf Zuruf kam er, der zunächst im Neuen Forum aktiv war, an diesen Job. „Noch vor der Wende haben sich viele Ortsvereine gebildet“, erzählt dazu Dietmar Thurmann, Sozialdemokrat der ersten Stunde und später lange Jahre Pritzwalker Ortsvereinsvorsitzender. In Pritzwalk hatte sich Jürgen Hinke noch vor dem Mauerfall um die Gründung des Ortsvereins verdient gemacht. Götze, der dessen Vorsitzender wurde, sah den Bedarf für einen Kreisverband und rief Schön an.

Der SPD trat Schön bei, nachdem er als Bewerber um das Pritz-walker Bürgermeisteramt 1990 gescheitert war. Im Stadtparlament entschied sich damals eine Mehrheit für Wolfgang Brockmann (FDP). Für Schön auch heute noch eine Erinnerung, die ihn aufwühlt. „SPD und Bündnisgrüne hatten damals klar die Kommunalwahl gewonnen, und ich hatte die meisten Stimmen“, sagt er und kritisiert vor allem CDU und FDP: „Die Parteien der Nationalen Front standen damals Gewehr bei Fuß.“ Seitdem sei Pritzwalk „wie zugemauert“. Schön: „Die Wende fand im Pritz-walker Rathaus nicht statt.“ Der Stachel sitzt offenbar noch tief. Trotzdem trägt Schön Brockmann nichts nach, zumal die Rolle der SPD damals eine andere gewesen sei. Schön fand es erfreulich, dass das Stadtoberhaupt an der SPD-Feierstunde zum Parteijubiläum teilgenommen hatte, genauso wie Vertreter der anderen Fraktionen.

Schöns Kritik am damaligen Verhalten von CDU und FDP bleibt aber. Er sieht im mangelnden Veränderungswillen eine Ursache dafür, dass Pritzwalk vier Jahre später seinen Kreisstadtstatus verlor. Er selbst scheiterte bei der Landratswahl für den neuen Landkreis Prignitz Ende 1993 nicht nur an Hans Lange, sondern vor allem an den eigenen Genossen. „Pritzwalk ist damals verschaukelt worden“, sagt er, „die Westprignitzer waren sich über Parteigrenzen hinweg einig, wir aber nicht.“ Mit seiner Partei hatte Schön dann in seiner Wittenberger Zeit gebrochen, den „Parteiensumpf“ vermisst er nicht.

Begeisterung empfinden Schön und Thurmann immer noch darüber, wie nach 1990 aus dem Stand heraus eine neue Verwaltungsstruktur aufgebaut wurde. Götze als Landrat und Schön als Beigeordneter hatten ohne politische Vorkenntnisse die Verwaltung umzukrempeln. Hilfe gab es von der Kreisverwaltung in Winsen und aus Mönchengladbach. Für die damit verbundenen Erfahrungen sind Schön und Thurmann, der damals in der Kreisverwaltung als Sachgebietsleiter mit Fragen des Straßenverkehrs zu tun hatte, dankbar.

Irgendwann wird all dies in einer historischen Abhandlung über die Pritzwalker SPD zu lesen sein, die jetzt verfasst werden soll.

Von Bernd Atzenroth

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