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Eine besondere Liebe zu Certaldo

Neuruppin begrüßt Schüler aus der Partnerstadt Eine besondere Liebe zu Certaldo

Vier Städtepartnerschaften unterhält Neuruppin, doch kaum eine Beziehung ist so innig wie die nach Certaldo. Dabei liegt diese 1300 Kilometer von der Fontanestadt entfernt. Am Dienstag begrüßte Neuruppins Bürgermeister 18 Mädchen und Jungen aus der Partnerstadt – eine Lehrerin gab nebenbei noch ein kleines Geheimnis preis.

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Achtklässler von der Evangelischen Schule begrüßten ihre Gäste aus Certaldo am Dienstag im Neuruppiner Rathaus.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. So mucksmäuschenstill ist es nur selten im Neuruppiner Ratssaal, wenn dort mehr als 40 Menschen versammelt sind. Selbst Bürgermeister Jens-Peter Golde war am Dienstagfrüh neidisch: „So still müsste es mal bei den Sitzungen der Stadtverordneten sein.“ Doch vor Golde saßen auch keine Politiker, sondern Mädchen und Jungen der 8c der Evangelischen Schule sowie ihre Gäste – 18 Schüler aus Certaldo, der italienischen Partnerstadt von Neuruppin, und ihre Begleiter. Sie weilen zum Gegenbesuch in der Fontanestadt. Waren doch vor zwei Wochen Neuruppiner Schüler für fünf Tage in Certaldo gewesen (die MAZ berichtete).

Ein Geheimnis des Bürgermeisters

„Wir haben vier Partnerstädte, aber zu Certaldo bestehen die engsten Kontakte“, sagte Golde. Möglicherweise liege das neben den vielen persönlichen Beziehungen daran, dass sowohl Neuruppin als auch Certaldo einen berühmten literarischen Sohn hat – zum einen Theodor Fontane, zum anderen Giovanni Boccaccio, der mit seinem „Decamerone“ im 14. Jahrhundert die prosaische Erzähltradition in Europa begründete. Golde zieht es aber auch so gern nach Italien. Zum einen lebt einer seiner Söhne inzwischen im Nachbarland. Zum anderen hat er „eine besondere Liebe zu Certaldo“, verriet Sandra Priesemuth, Lehrerin der Evi-Schüler. Bei der Liebe handelt es sich um ein Schuhgeschäft namens Luisa. Dort holt sich Golde regelmäßig neue Treter.

Keine Mauer in den Köpfen, keine Zäune an den Grenzen

Die Mädchen und Jungen aus Certaldo waren am Dienstag indes bereits mit ihren Gastgebern dabei, die Fontanestadt für sich zu entdecken – die Klosterkirche, das Geburtshaus von Fontane, die Stolpersteine. Gesprochen wurde dabei vor allem auf Englisch und Deutsch. Am Mittwoch fahren die Neuruppiner Schüler und ihre Gäste gemeinsam nach Berlin und besuchen dank Vermittlung des Neuruppiner CDU-Mannes Sebastian Steineke den Bundestag. Am Donnerstag sind eine Spurensuche und eine Bootsfahrt in Rheinsberg sowie ein gemeinsames Abendessen in Neuruppin geplant.

Bevor es am Sonnabend zurück in die Heimat geht, steht am Freitag im Sportcenter ein kleines Volleyballturnier auf dem Programm. Zudem wollen die Schüler ein Kunstprojekt fortführen. Während es in der Toskana um die Farbe Rot ging, soll diesmal ein gemeinsames Foto kreiert werden. Thema: Keine Mauer in den Köpfen, keine Zäune an den Grenzen. Susanne Presting, im Rathaus für die Städtepartnerschaften zuständig, ist optimistisch. „Ich hoffe auf super Erfahrungen für alle Seiten.“

Die Partnerschaft, die Neuruppin mit Certaldo unterhält, besteht schon am längsten. Sie wurde bereits 1968 geschlossen. Weitere Städtepartner von Neuruppin sind Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz (seit 1990), Nymburk in Tschechien (seit 1994) und Babimost in Polen (seit 2005). Darüber hinaus unterhält die Fontanestadt seit 2003 eine Freundschaftsvereinbarung mit der japanischen Stadt Niiza.

Von Andreas Vogel

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