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Eine leidenschaftliche Knipserin

Neuruppin Eine leidenschaftliche Knipserin

Die Kreisverwaltung in Neuruppin sucht einen Nachfolger für Sozialamtsleiterin Sabine Schmidt. Grund: Die 62-Jährige, die aus Weimar stammt, hat vorzeitig ihren Abschied eingereicht. Sie war mehr als 25 Jahre im Amt und will sich ab November mehr um ihre Familie kümmern. Dazu gehören auch zwei Pferde und ein Schäferhund.

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Sabine Schmidt (li.) mit ihrer Dezernentin Waltraud Kuhne.

Neuruppin. Seit mehr als 25 Jahren ist Sabine Schmidt Sozialamtsleiterin in der Kreisverwaltung. Die Arbeit gefällt ihr, sagt sie. Dennoch hat Schmidt jetzt ihren Abschied eingereicht. Ab November will sie auf ihrem kleinen Bauernhof in Friesack (Havelland) mehr Zeit für ihre Patchwork-Familie haben. Ihr Mann hat zwei Kinder in die Ehe gebracht, sie auch zwei. Hinzu kommen mittlerweile zwölf Enkel, die zwischen acht Monate und 14 Jahre alt sind, sowie zwei Pferde und ein Schäferhund. „Ich muss nicht jeden Tag einen Job im Büro machen“, sagt Schmidt.

Die 62-Jährige stammt aus Weimar und ist in Güstrow groß geworden. Schmidt hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Weil ihr Vater Lehrer war und sie deshalb kein Lehrerstudium aufnehmen durfte, weil sie nicht aus einer Arbeiterfamilie kam, ließ sie sich zunächst als Erzieherin ausbilden, wurde über diesen Umweg dann aber doch Unterstufenlehrerin, Diplom-Pädagogin und Sozialarbeiterin, bevor sie nach der Wende in die Verwaltung wechselte.

Erst in Kyritz Amtsleiterin gewesen

In Kyritz war sie zunächst Sozialamtsleiterin und anschließend ein knappes Jahr Gleichstellungsbeauftragte, bevor sie ins Sozialamt nach Neuruppin wechselte. In der Fontanestadt erlebte sie viele turbulente Zeiten. Das Einführen der Hartz IV-Gesetze mit ihren sich ständig ändernden Regelungen gehörte ebenso dazu wie das Installieren eines Pflegestützpunktes in Neuruppin, das Einrichten einer kombinierter Sozialberatung unter einem Dach (erst IBIZ, jetzt IBZ) oder die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen sie wegen des Verdachts der Untreue. Der Grund: Schmidt hatte 2001 eine Zahlung von umgerechnet rund 88 000 Euro an eine Arbeitsfördergesellschaft bei Kyritz veranlasst, die drei Wochen später Insolvenz anmeldete. Im Gegensatz zu anderen Zahlungen war der Betrag auf einen Schlag und nicht in monatlichen Raten geflossen. Auf Anraten des damaligen Landrates Christian Gilde (SPD) hatte Schmidt einen Strafbefehl über 6300 Euro akzeptiert und damit einen Prozess vermieden. Gleichwohl stand ihr Amt immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Mal fehlte Geld vom Landkreis für die Suppenküche, mal Geld vom Land für die vielen pflegebedürftige Frauen und Männer in Ostprignitz-Ruppin, mal Personal, um die Elterngeldbescheide innerhalb von vier Wochen bearbeiten zu können.

Sie ist „eine leidenschaftliche Knipserin“

In den vergangenen Wochen und Monaten war das Sozialamt zudem stark beansprucht, damit die mehr als 1500 aus ihrer Heimat geflüchteten Menschen, die in Ostprignitz-Ruppin aufgenommen und untergebracht wurden, auch den ihnen zustehenden Obolus erhalten. Dieser liegt leicht unter dem Betrag, den ein Hartz IV-Betroffener erhält. Gerade diese Aufgabe hat von Schmidt und ihrem Team viel Kraft und Zeit gekostet.

Gleichwohl bedauert Schmidt ihren bevorstehenden Abschied auch etwas. Schließlich steht vor dem Amt schon wieder ein neue Aufgabe. Die Behörde muss dafür sorgen, dass das Gesetz in der Region umgesetzt wird, wonach die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben gestärkt wird. Allerdings freut sich Schmidt auch schon auf die „dritte Lebenshälfte“. „Ich male sehr gern und bin eine leidenschaftliche Knipserin.“ Nur fehlte ihr bisher die Zeit, um sich mit der Fotografie intensiver beschäftigen zu können.

Von Andreas Vogel

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