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Ostprignitz-Ruppin Einen Ort zum Trauern gefunden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Einen Ort zum Trauern gefunden
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17:10 14.08.2017
Zehn Jahre hatte er nach seinen Onkeln gesucht – jetzt weiß Mykola Títov (Mitte), wo sie ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Quelle: Christian Bark
Wittstock/Wittenberge

Er hatte es seiner Mutter vor zehn Jahren auf dem Totenbett versprechen müssen. Mykola Titov wollte auf jeden Fall herausfinden, was mit den beiden Brüdern seiner Mutter passiert war. „Sie glaubte bis zuletzt, dass sie noch am Leben sein könnten“, erinnert sich der 64-jährige Ukrainer.

Auf dem Ehrenfriedhof in Wittenberge ruhen auch 156 sowjetische Zwangsarbeiter – einer davon ist Iwan Titov. Quelle: Stadt Wittenberge

Alles, was er wusste, war dass Iwan und Nikolai Titov 1942 aus ihrem Heimatdorf nach Deutschland verschleppt worden waren. Die Suche war langwierig, führte übers Internet, Datenbanken, Netzwerke und Organisationen. Dabei kam er auch in Kontakt mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg. Er fand heraus, dass Iwan über das KZ Buchenwald und das KZ Neuengamme nach Wittenberge gelangt war. „Dort befand sich ein Außenlager von Neuengamme“, erklärte Gedenkstättenmitarbeiterin Heidburg Behling. Bereits im Januar 1943 soll Iwan in Wittenberge im Alter von gerade mal 20 Jahren verstorben sein – an Herzschwäche, Hunger und den Lebensbedingungen, wie es hieß.

Letzte Ruhestätte hunderter Gefallener

143 Soldaten und Offiziere der Roten Armee ruhen auf dem Ehrenfriedhof vor dem Wittstocker Bahnhof. Er wurde im Jahr 1945 nach Kriegsende angelegt.


Rosa-Luxemburg-Straße sind weitere 98 Rotarmisten bestattet. 46 tote russische Soldaten haben in der Meyenburger Chaussee ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Im Ortsteil Groß Haßlow existiert ebenfalls eine Grabstätte für 35 gefallene Rotarmisten.

Auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Wittenberge in der August-Bebel-Straße ruhen 156 sowjetische Zwangsarbeiter und 49 im Kampf gefallene Rotarmisten. In Sammelgräbern für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter auf dem Friedhof in der Parkstraße werden ebenfalls Sowjetbürger vermutet.

Mehr Informationen hier.

Nikolai wurde 1942 in die Nähe von Pritzwalk deportiert. Dort musste er wahrscheinlich arbeiten. „Die Deutschen haben gezielt junge kräftige Männer für den Arbeitsdienst verschleppt“, erklärte Kerstin Zillmann. Sie gehört der Linken-Fraktion in der Wittstocker Stadtverordnetenversammlung an und beschäftigt sich seit Jahren mit sowjetischen Kriegsgräbern. Nikolais Name taucht in der Liste der gefallenen Rotarmisten auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof vor dem Wittstocker Bahnhof auf.

Mykola Titov und Tochter Iryna erwiesen ihren Verwandten die letzte Ehre. Quelle: Christian Bark

Nach jahrelanger Recherche hat sich Mykola Titov nun auf den Weg gemacht, die letzten Ruhestätten seiner Onkel aufzusuchen – den sowjetischen Ehrenfriedhof in Wittenberge und jenen vor dem Wittstocker Bahnhof. „Ich war noch nie im Ausland aber das war mir wichtig“, erklärte der Ukrainer. Zur Unterstützung war Tochter Iryna mitgekommen. Die Reise war nur möglich, weil der 64-Jährige finanzielle Unterstützung durch den Arbeitskreis, den kirchlichen Arbeitskreis sowie den Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte erhalten hatte, wie Heidburg Behling informierte.

Bemerkenswert ist, dass Nikolai Titov laut Liste im Alter von 17 Jahren 1945 bei Kämpfen für die Rote Armee gefallen sein soll. „Vielleicht ist er zufällig in den Soldatentross mit reingeraten“, mutmaßte Kerstin Zillmann. Überhaupt gibt es noch viele offene Fragen für Mykola Titov, von denen er einige über das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst zu klären hofft.

143 gefallene Rotarmisten ruhen auf dem Ehrenfriedhof vor dem Wittstocker Bahnhof. Quelle: Christian Bark

In Wittstock und Wittenberge zeigte sich Titov, der seine Onkel nie kennengelernt hatte, jedoch froh, über deren Verbleib Gewissheit und nun einen Ort zum Trauern gefunden zu haben. Er und seine Tochter erwiesen den beiden Verwandten die letzte Ehre, indem sie ukrainische Heimaterde verstreuten, eine Kerze anzündeten und ein Gebet sprachen – alles sichtlich bewegt und in Demut vor den tragischen Schicksalen von Iwan und Nikolai Titov. „Es tut gut zu wissen, dass sich Leute um die Gräber meiner Onkel kümmern“, lobte er den gepflegten Zustand des Ehrenfriedhofs in Wittstock.

Für dessen Erhalt und Pflege sowie für die anderen Ehrenfriedhöfe auf städtischem Territorium sorgt die Kommune, wie Ordnungsamtschef Holger Schönberg erklärte. Laut Stadtsprecher Jean Dibbert stehen Wittstock in diesem Jahr dafür 6852 Euro zur Verfügung. Auf Basis des Abkommens über die Kriegsgräberfürsorge hatte sich die Bundesrepublik 1992 dazu bereiterklärt, die Kosten für die Pflege zu übernehmen. In Wittenberge wurden nach Auskunft von Stadtsprecherin Christiane Schomaker im vergangenen Jahr neue Pflanzungen vorgenommen. Um die Pflege kümmere sich der städtische Betriebshof.

Von Christian Bark

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