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Ostprignitz-Ruppin Einen wahren Schatz gehoben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Einen wahren Schatz gehoben
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13:17 30.08.2016
Christiane und Peter Möbius haben mit viel Fleißarbeit Holzschnitte und Texte zusammengeführt. Quelle: Renate Zunke
Stüdenitz

Eigentlich hatte Christiane Möbius aus Stüdenitz keine Lust, alte Schriften zu sichten. Darum hatte sie Pfarrer Henning Utpatel gebeten, es zu tun. Er war im Breddiner Pfarrhaus im Frühjahr beim Aussortieren überfälliger Unterlagen auf eine Mappe aus den 1950er Jahren gestoßen. „In einer Nacht kam mir dann aber plötzlich der Gedanke: „Du musst die Mappe holen, ehe sie vielleicht weggeworfen wird“, erzählt Christiane Möbius. Bevor sie dann jedoch überhaupt einen Blick reinwarf, lag die Mappe noch tagelang auf ihrem Schreibtisch. Als sie dann doch begann darin zu blättern, konnte sie nicht mehr aufhören zu lesen.

Drei Ausstellungen im Jahr

Holzschnitte von Käte Döring mit den dazugehörigen Texten von Eva Hoffmann-Aleith sind zurzeit in der Stüdenitzer Kirche zu sehen.

Eine zweite Ausstellung der Holzschnitte mit Texten soll es immer zur Weihnachtszeit zum Thema Christi Geburt geben.

In der Osterzeit werden Holzschnitte mit Texten von Eva Hoffmann-Aleith gezeigt, die Kreuzigung und Auferstehung beinhalten.

Dass sie einen wahren Schatz entdeckt hatte, wurde der ehemaligen Lehrerin erst nach und nach klar: In der Mappe befanden sich auf hauchdünnem Papier 19 originale Holzschnitte, nach mittelalterlichen Plastiken, geschaffen von der Künstlerin Käte Döring. Dazu gibt es erklärende Texte von Eva Hoffmann-Aleith (1910–2002), der Pastorin und Schriftstellerin, die einst in Stüdenitz lebte und wirkte. Die Texte sind mit der Schreibmaschine geschrieben, enthalten jedoch viele handschriftliche Vermerke, in Sütterlin verfasst. Alle Blätter waren unsortiert. „Es war eine Fleißarbeit, die Texte von Eva Hoffmann-Aleith den Holzschnitten von Käte Döring zuzuordnen“, erinnert sich Christiane Möbius. Ihr Ehemann Peter hat dann mit großem Zeitaufwand die Texte in den Computer eingegeben.

Lautespielender Engel. Quelle: Renate Zunke

Sehr wahrscheinlich sollten die durch Holzschnitt erzeugten Grafiken mit einem erklärenden Text der Stüdenitzer Pastorin und Schriftstellerin veröffentlicht werden. Dieser Plan der beiden Frauen geht aus einem Schriftverkehr hervor, der sich ebenfalls in der Mappe befand. Doch das Vorhaben konnte nicht verwirklicht werden. In einem Brief an Käte Döring teilte Eva Hoffmann-Aleith am 13. Februar 1958 mit, dass der Direktor der Hauptbibelgesellschaft sich zu ihrem Bedauern „für den Gedanken einer Veröffentlichung in der Bibelgesellschaft nicht erwärmen“ konnte.

Auch das Vorwort für die geplante Veröffentlichung, verfasst von Eva Hoffmann-Aleith, befand sich unter den Schriften. Darin heißt es zum Beispiel: „Mit den Blättern dieser Mappe kommen gute, zuverlässige Freunde zu Besuch. Manch einer sah in früheren Jahren die Originale im Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin und feiert nun in wehmütiger Freude ein Wiedersehen. Und wo die Bekanntschaft noch nicht geschlossen wurde oder nur oberflächlich blieb, da wollen diese Holzschnitte sie schaffen und vertiefen.“ Eva Hoffmann-Aleith setzt sich in dem Vorwort vehement für die grafische Kunstform Holzschnitt ein. Nichts wäre ihrer Meinung nach angemessener, um der Seele der mittelalterlichen Kunst nahe zu kommen.

Käte Döring gibt Rätsel auf

Vorlagen für die Holzschnitte waren, um nur einige zu nennen, „Gnadenstuhl“ von Tilman Riemenschneider, Würzburg um 1516; Johannes der Evangelist, Bayerischer Meister unter Einfluss des Veit Stoss, Anfang des 16. Jahrhunderts; Lautenspielender Engel, Holzplastik, Hans Brüggemann, Husum um 1520; Maria mit dem Schutzmantel auf der Mondsichel, Holz bemalt, Kloster Kaisheim.

Maria mit dem Schutzmantel auf der Mondsichel. Quelle: Renate Zunke

Wer aber war die Künstlerin Käte Döring? Zu ihr gibt es leider keinerlei Hinweise in der besagten Mappe. Und auch Christiane und Peter Möbius sind bisher nicht fündig geworden. Im Internet findet sich ein Hinweis: Auf der 118. Sonderauktion in Meerbusch, einer Stadt in der Nähe von Düsseldorf, kam im Januar 2014 das Ölbild „In den Bach­auen“ zur Versteigerung und wurde für 45 Euro verkauft. Es stammt von einer Käte Döring, die als Berliner Landschaftsmalerin der 1950er Jahre bezeichnet wird. Zeitlich könnte das passen, denn der Schriftverkehr hinsichtlich der Veröffentlichung der Holzschnitte stammt aus dem Jahr 1958. Ein weiterer, allerdings sehr vager Hinweis, findet sich im Archiv der „Großherzoglichen Sächsischen Hochschule für bildende Kunst Weimar“. Hier taucht gleich viermal der Name Käte Döring auf.

Alle Linien streben zum Mittelpunkt

Christiane Möbius jedenfalls ist begeistert von den Holzschnitten und deren Beschreibungen durch Eva Hoffmann-Aleith. Besonders angetan hat es ihr die Grafik „Anna selbdritt“, Holz, Anfang des 16. Jahrhunderts, dazu die einfühlsamen Worte der ehemaligen Stüdenitzer Pastorin. Die ersten Sätze lauten: „Ein reizendes Familienidyll! Man ist bei Großmutter zu Besuch, und da versteht es sich von selbst, dass die Hauptsache das Kind ist. Alle Linien streben zu diesem Mittelpunkt, es zieht alle Blicke auf sich, nicht nur die von Mutter und Großmutter.“

Rechtzeitig zur Preisverleihung des diesjährigen Eva-Hoffmann-Aleith-Wettbewerbs für junge Literatur im Juli wurden die Holzschnitte von Käte Döring mit den dazugehörigen Erläuterungen von Eva Hoffmann-Aleith in der Stüdenitzer Kirche ausgestellt. Geplant sind drei wechselnde Expositionen im Jahr. Pfarrer Henning Utpatel: „Sicher ist es schwer, alle Texte nacheinander zu lesen und sich ebenso viel Zeit für die Betrachtung der Bilder zu nehmen. Aber auch das Befassen mit nur ein oder zwei der ausgestellten Tafeln lohnt.“

Von Renate Zunke

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