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Eines der letzten Ferienlager feiert Geburtstag

Bork Eines der letzten Ferienlager feiert Geburtstag

Einst waren es Tausende auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, heute ist ihre Zahl überschaubar: Kinderferienlager. Eines der wenigen, die die Wende überlebten und bis heute noch funktionieren, ist das Kinderferienlager in Bork unweit des Kyritzer Obersees. Der 40. Geburtstag steht nun kurz bevor. Und der wird in dem Dorf entsprechend groß gefeiert.

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Bis heute ist das Borker Kinderferienlager gerade auch wegen der Nähe zum See beliebt wie eh und je. Quelle: Privat

Bork. Die gute Nachricht vorweg: Es gibt sie noch – die Ferienlager. Viele sind es allerdings nicht mehr. Umso größer ist die Freude in Bork, dort am bevorstehenden Sonnabend, 9. Juli, den 40. Geburtstag des Lagers mit einem ganzen Festtag feiern zu können.

Was die Kinder in Bork heute noch erleben, erinnert an eigene Sommerferienabenteuer, an ein bisschen Freiheit ohne Eltern. Aber wie war das denn damals? In der Regel durfte man als Kind ab der zweiten Klasse in ein Ferienlager, das dem Betrieb oder Kombinat der Eltern zugehörig war. Über 3,2 Millionen Kinder nutzten diese Möglichkeit in einem der damals rund 7550 Ferienlager der Republik. Und trotz aller politischer Ideologie war es für viele der Jahreshöhepunkt samt Ausflügen, Neptunfest und Disco. Morgenappell und Frühsport gehörten zu DDR-Zeiten freilich dazu.

Kinder aus ganz Deutschland verbringen heute ihre Ferien in Bork

Eines von den damals 7550 Ferienlagern ist das kleine Ferienlager in Bork, das einst zur Molkerei Kyritz gehörte. Heute gehört es zu den 20 letzten Ferienlagern, die die Wende überlebten. Es ist das letzte in der Region und wird heute von Kindern aus ganz Deutschland besucht, ob Brandenburg, Hamburg, Bayern, Sachsen, Mecklenburg oder Rostock.

Die Kinder kommen und freuen sich auf Bork genauso wie die Betreuer. „Das waren und sind für uns immer sehr schöne Erinnerungen, sagt etwa Michael Baum, der 1988 damals in Bork im Ferienlager „Blauer Anker“, das zur „Stärkebude“ Kyritz gehörte, als Betreuer anfing. Damals gab es in der Region rund zehn Ferienlager, davon vier allein in Bork. Etwa 700 Kinder eroberten jedes Jahr aufs Neue dieses kleine Dorf mit seinem kleinen Konsum und dem Strand.

Bei einigen flossen Tränen zu Beginn, bei anderen erst am Ende der Zeit

Für die Familien in der DDR war die Möglichkeit, die Kinder ins Ferienlager reisen zu lassen, eine willkommene Entlastung. Drei Wochen Ferienlager kosteten damals zwischen 15 und 20 Mark. „Daran ist heute leider nicht mehr zu denken“, erinnert sich Kathrin Krüger, die mit Michael Baum und Christian Krüger ab 1990 das Lager durchführten. „Das Spannende war immer, sich in völlig fremde Gruppen einzuordnen. Zudem waren die zwei, drei Wochen abseits von Schule und Eltern ein schöner Blick über den Tellerrand. Und was für einer!“, erinnert sich Silvio Bülau. Der heute 30-jährige Heilerziehungspfleger aus Papenbruch und Lagerleiter des dritten Durchgangs fuhr Mitte der 1990er Jahre als Kind erstmals nach Bork: „Ein Winken der Eltern, schon flossen bei vielen die Tränen. Bei mir nicht. Ich war neugierig auf das, was da kam. Ich liebte dieses kleine Lager von Anfang an, diese familiäre Atmosphäre, die Gemütlichkeit, die dieser Ort noch heute ausstrahlt. Der Borker Strand befand sich in Reichweite und in unseren Bungalows wurden die schärfsten Nachtgeschichten erzählt und coolsten Mutproben veranstaltet. Tränen gab es bei mir nur in den letzten Ferientagen. Denn da hieß es, Abschied zu nehmen von liebgewonnenen Freunden und Betreuern.“

In einer Ausstellung wird es am Sonnabend alte Bilder zu bestaunen geben

In einer Ausstellung wird es am Sonnabend alte Bilder zu bestaunen geben.

Quelle: Privat

Die schwerste Zeit hatte das Kinderferienlager im Wende-Sommer 1990. „Wir standen vor einer großen Herausforderung“, erinnert sich Michael Baum: „Die Bundesrepublik zahlte noch Überbrückungsgeld, ab 1991 aber waren alle Lager auf sich gestellt.“ Meist zu groß und von Betrieben abhängig, die es dann nicht mehr gab, und auch nur während der warmen Jahreszeit nutzbar, ließen sich die meisten nicht gewinnbringend betreiben. Viele Grundstücke wurden verkauft. So erging es damals auch den drei anderen Ferienlagern in Bork. Oder in Bantikow: Statt des Ferienlagers stehen heute an gleicher Stelle ein 3-Sterne-Hotel und Restaurants. In Bork indes setzte sich ein Betreuerstab, unter ihnen Michael Baum und der Kreisbauernverband, für den Erhalt zusammen. „Es wurde ein neues Konzept entwickelt und eine neue Lagerleitung zusammengestellt“, erinnert sich Christian Krüger.

So wurde das „Fela Bork“ für viele zum Teil ihrer Kindheit, ermöglicht auch durch Menschen wie Heidrun Herder vom Kreisbauernverband. Sie war bis 2010 die gute Seele des Lagers. Aber auch die Küchenfee und Borkerin Lieselotte Rohrberg gehörte dazu.

2012 wurde das Ferienlager von Familie Tiemeyer übernommen. Sie führt das Lager heute fort – in dem sich seit der Eröffnung 1976 nahezu 8500 Kinder erholten.

Aus dem Festprogramm

Um 14 Uhr beginnt die Feier in der Kirche. Ein Ferienlager-Film wird gezeigt.

Ab 15.30 Uhr ist bei Kaffee und Kuchen eine Ausstellung zu sehen. Es gibt Bootstouren, sportliche Wettkämpfe und ein Grillfest. Um 17 Uhr beginnt eine Zaubershow. Es folgen Lagerfeuer und um 22 Uhr ein Feuerwerk.

*Der Autor gehört seit 13 Jahren zum Betreuerteam.

Von Ronny Leßmann*

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