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Einfach nur die Ruhe genießen

Schweinrich Einfach nur die Ruhe genießen

Während im Süden der Heidetourismus zur Heideblüte vor dem Saisonstart steht, darf das ehemalige Bombodrom im Nordwesten noch nicht betreten werden. Anwohner wie Marianne Arndt aus Schweinrich stört das nur wenig. Das gebe Gelegenheit, einfach mal die Ruhe im Dorf zu genießen.

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Warntafel hinterm Schweinricher Ortseingang: Im Nordwesten gilt noch das Betretungsverbot für das ehemalige Bombodrom.

Quelle: Claudia Bihler

Schweinrich. Vor allem in den Orten, die südlich des ehemaligen Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide liegen, bereiten sich die Reiseveranstalter schon lange auf die Heideblüte vor: Das nämlich ist die beliebteste Zeit für einen Besuch des ehemaligen Übungsplatzes, dann wenn die Heidelandschaft in leuchtenden Farben ein intensives Naturerlebnis verspricht. In der Nordwestecke des Platzes dagegen, nahe Schweinrich gelegen, ist der Zutritt nach wie vor nicht gestattet. In dem Ort, in dem einmal der Widerstand der Bürgerinitiative Freie Heide gegen eine Wiedernutzung des Schießplatzes begonnen hatte, sieht das zumindest Marianne Arndt nicht als Nachteil: „Ganz am Anfang nach der Wende, da habe ich viele Besucher aus dem Freundes- und Verwandtenkreis gehabt, die viel Interesse zeigten. Die interessierten sich vor allem auch dafür, wie wir im Osten gelebt haben, etwa ohne Abwasserkanal im Dorf.“ Die Familie hat bisher auch noch keine Ausflüge auf den Platz unternommen: „Einerseits ist es ja hier oben nach wie vor verboten. Und andererseits haben wir hier rund um den Dranser See auch so viel Natur.“ Wie auf ein Signal betritt ein Storch die Bühne und schreitet die Wiese hinterm Haus der Arndts zur Futtersuche ab – vier Junge sind zur Welt gekommen, sie werden über dem Garten der Arndts auf ihren langen Flug nach Afrika vorbereitet.

Marianna Arndt

Marianna Arndt: „Die Bundeswehrjets flogen so tief, dass ich aus meinem Küchenfenster die Piloten in ihrem Cockpit erkennen konnte.“

Quelle: Claudia Bihler

In der Nachschau meint Marianne Arndt, dass der ehemalige Schießplatz der Sowjetarmee vielleicht auch Vorteile gehabt habe: „Sonst wäre hier am Dranser See vielleicht auch alles zugebaut worden, aber das durfte hier ja damals nicht sein.“ An die Zeit, als die sowjetischen Soldaten noch da waren, erinnert sie sich gut. An die tannenbaumförmige Gefechtsfeldbeleuchtung beispielsweise, die regelmäßig über dem Schießplatz am Himmel zu sehen war: „Wir hatten einmal Verwandtschaft mit Kindern zu Besuch. Die Leute reisten mitten in der Nacht ab, weil die Kinder dachten, dass sie im Krieg seien.“ Kartoffeln und Äpfel habe man zu dieser Zeit öfter einmal nicht erst ernten müssen: „Sie waren schon vorher einfach weg.“

Sie denkt auch an die Einbrüche zurück, bei denen häufig Lebensmittel, Schnaps oder Geld wegkamen und die damals in Schweinrich nicht selten waren: „Einmal dachte ich, dass meine Mutter nach dem Schichtdienst nach Hause gekommen ist, dabei stand plötzlich ein russischer Soldat in unserer Küche auf der Suche nach etwas Essbarem.“ Das Schicksal jener, die bei den Diebstählen ertappt wurden, blieb ungewiss: „Es ging das Gerücht, dass sie bis zu 24 Stunden knietief im Wasser eines Tümpels stehen mussten.“ Rüde behandelt wurden offenbar auch jene Soldaten, die mit Geld von Zuhause im Dorfkonsum einkaufen gingen: „Wurden sie erwischt, konnte es passieren, dass sie zusammengeschlagen, auf einen Anhänger geworfen und abtransportiert wurden.“ Am Campingplatz Blanschen, am Dranser See gelegen, waren mitunter Panzer gewaschen worden, die Öllachen hinterließen: „Aber das waren wohl nicht die russischen Soldaten, ich glaube, das waren die Deutschen, wohl von der NVA.“

Eine Infotafel im Dorf erinnert an die Zeit der Proteste gegen das Bombodrom

Eine Infotafel im Dorf erinnert an die Zeit der Proteste gegen das Bombodrom.

Quelle: Claudia Bihler

Was den Krach betrifft, nimmt in Arndts Erinnerung jedoch die Bundeswehr den ersten Platz in der Negativ-Hitliste ein: „Die Jets haben Loopings über dem See gedreht. Manchmal sind sie so tief über Schweinrich geflogen, dass ich aus dem Küchenfenster heraus den Piloten in seinem Cockpit sehen konnte.“ Auch, wenn die Abschussvorrichtungen der sowjetischen Armee im Norden gestanden hatte: „Wir haben hier oben ruhiger gelebt, das sah im Süden des Platzes bei Gadow anders aus.“

Auch aus einem anderen Grund habe es nach dem Abzug der Sowjetarmee eher mehr Lärm gegeben: „Früher konnte ja niemand durch den Truppenübungsplatz hindurchfahren. Autos mussten spätestens am Schlagbaum wieder umkehren.“ Doch als die Straße geöffnet wurde, kamen nicht nur Pkws, sondern vor allem auch der Schwerlastverkehr. „Seither haben alle Häuser Risse bekommen. Die Straße war einfach nicht für den Schwerlastverkehr gebaut.“

Insofern stört es die Schweinricherin nur wenig, dass sie den Schießplatz im Nordwesten noch nicht betreten können: „Wir genießen hier einfach nur endlich mal unsere Ruhe.“

Von Claudia Bihler

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