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Eingeschlagene Schädel und Tote als Dünger

Wittstock Eingeschlagene Schädel und Tote als Dünger

Der Krieg begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Archäologe Michael Schefzik sprach am Mittwochabend in den Museen Alte Bischofsburg über die Anfänge kriegerischer Auseinandersetzungen. Es wurde ein Rückblick auf Zeiten unglaublicher Gewalt.

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Blick in die Besucherreihen im Museum.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Wann wurde der erste Mensch von einem anderen Menschen getötet? Wer war der erste Mörder der Menschheitsgeschichte? Das lässt sich heute nicht mehr feststellen. Sicher ist jedoch: Als in der Jungsteinzeit aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern wurden, hielt der Krieg Einzug. Zuvor hatte es zwar auch schon Gewalt zwischen einzelnen Individuen gegeben, aber keine Gruppenkonflikte. Nun aber waren die Bauern auch Krieger, die aufeinander los gingen, wenn Macht, Ressourcen, Grenzen oder auch Religionen und Politik im Spiel waren.

Große Umbrüche in der Jungsteinzeit

„In der Jungsteinzeit kam es zu den größten Umbrüchen in der Menschheitsgeschichte. Die Menschen wurden sesshaft. Es entwickelten sich Besitz, Grenzen, Hierarchien, Waffen. Verglichen damit, sind alle späteren Veränderungen nur Kleinkram“, sagte Michael Schefzik vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt. Er tauchte am Mittwochabend in die hässlichsten Züge des menschlichen Daseins ein.

Im Museum Alte Bischofsburg in Wittstock, in dem sich auch das Museum des Dreißigjährigen Krieges befindet, versuchte er, die Ursprünge kriegerischer Auseinandersetzungen zu ergründen. Der Vortrag war Bestandteil der Festwoche anlässlich des 380. Jahrestages der Schlacht am Scharfenberg, die die Stadt Wittstock derzeit begeht.

Mit der sachlich-analytischen Distanz eines Wissenschaftlers beschrieb Schefzik unvorstellbare Gräueltaten, berichtete von eingeschlagenen Schädeln und großer Brutalität, gleichzeitig aber auch vom Pragmatismus, mit dem die Bevölkerung dem Krieg begegnete. Davon künden die vielen Massengräber, die nach den Schlachten ausgehoben wurden – etwa bei Lützen (Sachsen-Anhalt); im Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern; in Alerheim in Bayern, in Talheim bei Heilbronn oder eben auch bei Wittstock. „Die Äcker mussten ja wieder bestellt werden.

Man konnte ja nicht um die Toten herumpflügen

Und man konnte schließlich nicht um die vielen Toten herumpflügen“, sagte Schefzig. So seien diese Gruben die einfachste Methode gewesen, sich der Leichen zu entledigen. Meist wurden sie einfach hineingeworfen, manchmal – wie in Wittstock – mit militärischer Sorgfalt aufgereiht. Dass man nicht noch viel mehr Massengräber finde, liege laut Schefzig auch daran, dass sie einige Jahre nach den Schlachten wieder ausgehoben und der Inhalt als Dünger auf den Äckern verwendet worden sei.

Doch der Krieg hat auch noch eine andere Seite: Seit in der Jungsteinzeit Steinkeulen entstanden, die ausschließlich dazu dienten, andere Menschen zu töten, hätten Waffen stets auch dem Prestige des Trägers gedient. Dolche, Schwerter und andere „Menschentöter“ seien gern zur Schau und Abschreckung getragen worden.

Gepflegt in die Schlacht

Und: Krieger hätten laut Schefzik oft großen Wert auf ihr Äußeres gelegt, seien gut rasiert und gepflegt in den Kampf gezogen, worauf entsprechende Funde von Toilettenartikeln in Massengräbern schließen ließen.

Schefziks Streifzug durch die Geschichte des Krieges habe nicht nur eine archäologische, sondern auch eine hochaktuelle Komponente, sagte Museumsleiterin Antje Zeiger mit Blick auf die von Krieg und Flucht geprägte derzeitige Situation in der Welt. Bereits als sie die Besucher im Museum begrüßte, stimmte sie sie darauf ein, dass Schefziks Spurensuche „ein finsteres Bild“ zeichne. Nach dem etwa anderthalbstündigen Vortrag überreichte sie dem Archäologen ein Wein-Präsent als Dankeschön.

Von Björn Wagener

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