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„Einmal Handwerker, immer Handwerker“

Neuruppin „Einmal Handwerker, immer Handwerker“

Mit 15 Jahren ging Günter Plagemann in die Lehre und erlernte im väterlichen Betrieb den Beruf des Karosseriebauers. In diesem Jahr wird er 75 Jahre alt. Am Donnerstag jährt sich der Tag seiner Meisterprüfung zum 50. Mal; aber das bedeutet für den Neuruppiner noch lange nicht, dass er die Füße hochlegen will.

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50 Jahre Meister: Günter Plagemann möchte am liebsten in seinem Betrieb arbeiten, bis er 100 Jahre alt ist. Seine Frau Sigrid sagt: „Man hängt dran am Familienbetrieb, und solange man kann, soll man sich beschäftigen.“

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Günter Plagemanns Meisterstück war ein Kofferaufbau für einen LKW. Für die Fertigung hat er etwa drei Monate gebraucht. Am 4. Mai 1967 war seine Meisterprüfung in Magdeburg, die der Karosseriebauer wie seine sechs Jahrgangskollegen beim ersten Versuch bestand. „Wer sagt, dass er nicht nervös war, der schwindelt“, sagt der Neuruppiner und lacht.

Genau 50 Jahre ist die Prüfung jetzt her, und Günter Plagemann schaut zurück auf ein langes, intensives Arbeitsleben. Der Meisterbrief hängt gut sichtbar im Büroraum seines Betriebs. Den 1873 von seinem Urgroßvater als Neuruppiner Familienbetrieb gegründeten Karosserie- und Fahrzeugbau in der Fischbänkenstraße 23 führt der 74-Jährige in vierter Generation; mittlerweile mit einem seiner zwei Söhne, Jörg.

„Wer rastet, der rostet“

Aufhören, das kommt für ihn nach mehr als einem halben Jahrhundert noch lange nicht infrage: „Wer rastet, der rostet“, sagt der Mann, der sein ganzes Leben hart gearbeitet hat.

Im Alter von 15 Jahren begann Plagemann 1957 die Lehre im väterlichen Betrieb, der damals noch eine Stellmacherei war. „Mein Vater und mein Großvater arbeiteten viel mit Holz; ich habe auch erst Stellmacher gelernt, aber im Laufe der Ausbildung kamen Metallarbeiten dazu, und ich wurde zum Karosseriebauer geschult.“

Als einziger Brandenburger zur Meisterprüfung

Als einer von zwei Brüdern übernahm er das Erbe des Vaters. Nach drei Jahren Lehre arbeitete der damals 18-jährige mit ihm zusammen. 1962 heiratete er seine Frau Sigrid, die in den Betrieb mit einstieg und auch heute noch aktiv ist. „Da bin ich so reingewachsen“, sagt sie, und ihr Mann ergänzt: „Ohne meine Frau wäre ich nicht so weit gekommen.“

Nach einem Dreivierteljahr bei der Volksarmee begann Plagemann im September 1964 mit der Meisterausbildung in Neuruppin und Magdeburg. Allgemein-theoretisches Wissen, Berufspraxis und die Fertigung des Meisterstückes erstreckten sich über drei Jahre. „Montags bis freitags war ich zum Arbeiten im Betrieb, am Wochenende wurde in Magdeburg unterrichtet“, sagt der Handwerksmeister. „Ich kam als einziger aus Brandenburg.“ Für die Prüfung meldeten sich die sieben jungen Männer in der Handwerkskammer Potsdam an.

„Der Umgang mit den Kunden ist das Wichtigste“

Nach dem Tod seines Vaters wurde er Chef des Meisterbetriebs. „Ich habe diesen Schritt nicht bereut“, sagt Plagemann. Seine Frau Sigrid ist, wie früher seine Mutter, für die Büroarbeiten zuständig, kümmert sich um Buchungen, Ablagen und das Steuerbüro. Die Werkstatt ist jetzt Jörg Plagemanns Bereich.

Der Seniorchef selbst ist mittlerweile in erster Linie Kundenberater. „Der Umgang mit den Kunden ist das Wichtigste, wir haben etliche Stammkunden und den Anspruch, richtig zu beraten, offen und ehrlich mit ihnen umzugehen und ihre Wünsche zu erfüllen.“ Das kann die Umrüstung von Fahrzeugen sein, Innen-und Ausbauten, die Erneuerung von Anhängern oder Reparaturarbeiten.

Hier ist Günter Plagemann mit dem von seinem Urgroßvater gegründeten Betrieb in vierter Generation als Meister für Karosseriebau tätig

Hier ist Günter Plagemann mit dem von seinem Urgroßvater gegründeten Betrieb in vierter Generation als Meister für Karosseriebau tätig.

Quelle: Peter Geisler

Plagemann Senior und Plagemann Junior arbeiten zusammen

In der alten Werkstatt werden Fahrzeuge wieder fit gemacht, im Vorbereitungsraum Teile angepasst und hergerichtet. Nach der Wende bauten die Plagemanns noch eine Halle auf das Grundstück. „Um das alte Handwerk zu erhalten und um bessere Lagermöglichkeiten zu schaffen.“

Die Wendezeit war für den Betrieb nicht leicht. „Viele sind damals weggegangen, das war eine große Umstellung“, sagt der Meister. Auch die Rohstoffbeschaffung war zeitweise schwierig, zusätzlich gab es immer mehr neue Technik. „Es hat sich viel geändert, Werkzeug, Technik, die ganze Entwicklung – wir mussten uns anpassen.“ Juniorchef Jörg Plagemann, der 1991 seine Meisterprüfung bestand, konnte seine Eltern mit Computerfachwissen und Innovationen tatkräftig unterstützen.

Im Rückblick sagt Plagemann senior: „Wenn man es einmal gelernt hat, ist man Handwerker ein Leben lang.“ So lange es körperlich und gesundheitlich geht, möchte er im Betrieb seinen Sohn unterstützen. „So lange man kann, soll man sich beschäftigen. Und zwischendurch den eigenen Akku aufladen.“

Von Christina Koormann

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