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Eisbader tauchen in die 40. Saison ein

Wusterhausen Eisbader tauchen in die 40. Saison ein

Die Winterbader sind in Wusterhausen in ihre 40. Saison eingetaucht. Ein Schwimmmeister und ein Mitglied der Wasserwacht haben das Winterbaden in der Dossestadt eingeführt. Vor dem Gang ins Nass haben die Schwimmer ein Ritual. Zuerst „badet“ das Thermometer.

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Nach dem Bade: Gruppenbild mit heißem Tee.

Quelle: Frauke Borchard

Wusterhausen. Angefangen hat alles ganz unspektakulär. Als der Sommer ging, stürmischer Herbstwind die Blätter von den Bäumen riss, das Strandbad-Getümmel in Wusterhausen langweiliger Leere gewichen war, da beschlossen zwei Männer – wir baden in diesem Jahr weiter. Schwimmmeister Hans Berg und der damalige Chef der DRK-Wasserwacht Wolfgang Kamphausen wollten einfach mal austesten, wie lange sie es aushalten fast nackt in unwirtlicher Umgebung.

Irgendwann machten sie sich einen Spaß daraus, in Gummilatschen durch Schnee zu stapfen, die gefrorene Eisschicht aufzuhacken und einzutauchen in den Klempowsee. Es war die Geburtsstunde der Wusterhausener „Klempowrobben“, deren Zahl sich schnell vergrößerte. Denn, was Berg und Kamphausen nicht wussten: Mit Gerhard Linde hatten sie schon längst einen Gleichgesinnten. Ehefrau Ingrid stieß später dazu. Weil in Gesellschaft alles mehr Spaß macht, wurde aus dem Duo bald ein Quartett.

Von links

Von links: Wolfgang Kamphausen, Gerhard Linde, Hans Berg, Job-Günter Heinze. Das Bild entstand in den Siebzigern.

Quelle: Privat

Nun sprach es sich herum, dass es an kalten Wintertagen immer sonntags im Strandbad außer Enten noch mehr zu sehen gab. Dabei musste es nicht beim Zugucken mit launigen Bemerkungen bleiben. Jeder konnte mitmachen. Was zunächst locker vom Steg mit Leiter oder vom Ufer ins Wasser ging – die Zahl der „Robben“ vergrößerte sich stetig – bekam langsam Struktur. Irgendwann berichtete die Zeitung über das kalte Hobby. Schlittschuhläufer erzählten weiter, was sie vom gezackten Rand eines stubentürgroßen Eislochs gesehen hatten. Einige kamen erst mal gucken, um dann im wahrsten Sinne des Wortes einzusteigen und sich schließlich sonntags um halb elf nichts anderes vorzunehmen.

Die Winterbader befinden sich mittlerweile in ihrer 40. Saison. Die „Küken“ sind mittlerweile ausgeflogen zum Studium, Lernen oder Arbeiten in der Fremde. Dadurch sind die jüngsten Bader so um die 30, Manfred Kuball aus Bantikow mit 81 Jahren der älteste. Er lässt es sich übrigens meistens nicht nehmen, sonntags die drei Kilometer zum Bad zu radeln. Für andere, zum Beispiel aus Wittstock, Segeletz oder Berlitt, wäre das zu weit.

Manfred Kuball, 81

Manfred Kuball, 81.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Die „Klempowrobben“ haben ihre kleinen Rituale. Vor dem Gang ins Nass darf erst einmal das Thermometer baden. Nach der Abkühlung der Zweibeiner versammeln sich alle am sonnigsten Flecken, um das mitgebrachte Heißgetränk zu schlürfen. Da hat jeder dann schon 50 Cent in ein Sparschwein geworfen. Das Geld wird verfeiert, wenn im April des nächsten Jahres Saisonschluss ist. Die Flüssigkeiten sind dann kalt, dafür ist der Grill heiß.

Einreihen bei den „Robben“ kann sich immer noch jeder. Er trifft dann übrigens außer den zu früh verstorbenen Hans Berg auch den Rest der allerersten Generation. Wolfgang Kamphausen und die Lindes haben noch immer zumeist nichts anderes vor. Treffpunkt der „Klempowrobben“ ist an jedem Sonntag um 10.30 Uhr das Strandbad in Wusterhausen.

Von Wolfgang Hörmann

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