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Elke Judith Wagner macht Plastiken aus Beton

Vichel Elke Judith Wagner macht Plastiken aus Beton

Sie wollte nie etwas anderes sein als Bildhauerin: Elke Judith Wagner lebt mit ihrem Mann, auch er ist Plastiker, in Vichel. Wagners 3D-Welten bestehen zumeist aus Beton. In ihren Objekten vereint sie Geometrie und Natur in einer ganz eigenen Sichtweise. Namen gibt sie ihren Werken selten. Sie lädt die Betrachter lieber auf eine Gedankenreise ein.

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Elke Judith Wagner in ihrem Atelier.

Quelle: Regine Buddeke

Vichel. Eine Frau und Betonplastiken? Das klingt erst einmal ungewöhnlich. Aber wer Elke Judith Wagner in ihrem Atelier besucht, wird schnell eines Besseren belehrt.

Schon der Garten ihres Hauses in Vichel – liebevoll Vichelarium genannt – offenbart ihre Liebe zum harten Stein. Wenn man im Wohnzimmer sitzt – das vor dem aufwändigen Umbau des Gebäudes einst eine riesige Toreinfahrt war – kann man im Garten überall ihre Arbeiten im Grün sehen. „Trister grauer Beton wird durch Farbe ein völlig anderes Material“, schwärmt sie. Schon in den 70ern habe es sie fasziniert, was man im Innenausbau mit farbigem Beton alles machen kann. „Das ist handwerklich sehr aufwändig“, sagt sie. Und sei dadurch oftmals teurer als Marmor.

Elke Judith Wagner wusste schon früh, was sie wollte. Mit 18 Jahren „flüchtete“ sie aus der tiefsten rheinland-pfälzischen Provinz nach Berlin, um zu studieren. Zuerst Kunstpädagogik bis zum ersten Staatsexamen, dann Bildhauerei an der Hochschule der Künste. „Danach habe ich dort auch acht Jahre unterrichtet“, erzählt sie. Nicht, dass sie nicht auch gerne zeichnen würde – „sehr malerisch, mit Pastellkreide“, erklärt sie. Aber schnell hat sie ihren eigenen Stil überm Experimentieren gefunden – das räumlich-geometrische liegt ihr noch näher.

Einblick in Wagners Atelier

Einblick in Wagners Atelier.

Quelle: Regine Buddeke

Obschon ihre Arbeiten letztendlich alles andere als reine Geometrie sind. „Ich habe immer versucht, Geometrie und Natur auf abstrakte Art zu verbinden“, beschreibt sie es. Natürlich habe sie während des Studiums auch die klassische Bildhauerei nach Modell praktiziert. Im Gegensatz zu Skulpturen, bei denen Material abgetragen wird, bis die endgültige Form entsteht, mache sie Plastiken: „Ich baue auf.“

Sie sei schon zum Ende des Studiums zunehmend abstrakter geworden. Aber immer mit der organischen Form im Hinterkopf. Etwa ein Würfel – der ist bei Elke Judith Wagner nicht symmetrisch-gerade, sondern wölbt sich in sanfter Rundung nach außen. „Es ist dann, als ob er atmet“, sagt sie und schwärmt von der Kirche Santo Spirito in Florenz, in deren Außenwand die Nischen wie kleine Kapellen wirken würden und ein eigenartiges Eigenleben zu entfalten scheinen. „So etwas interessiert mich“, sagt sie. „Ich will Lebendigkeit. Meine Formen sollen atmen.“ Natürlich liebe sie rechte Winkel als etwas Vollkommenes. „Er schafft Ordnung und Klarheit“, sagt die Künstlerin. Und ist gerade deshalb prädestiniert, ihn ins Verhältnis zur Natur zu stellen. Bestes Beispiel ist die Schachbrettblume, deren Muster tatsächlich so ist, wie der Name suggeriert. „Normalerweise gibt es in der Natur keine rechten Winkel, das ist ja eine kulturelle Erfindung des Menschen“, kommentiert die Künstlerin dieses seltene Pflanzenmuster, dem sie sich in einer ganzen Serie von Werken gewidmet hat.

Elke Judith Wagner hat mit ihrem Mann gemeinsam das „Vichelarium“ zur Heimstatt umgebaut

Elke Judith Wagner hat mit ihrem Mann gemeinsam das „Vichelarium“ zur Heimstatt umgebaut.

Quelle: Regine Buddeke

Elke Judith Wagner zeigt ihre Plastiken am liebsten in Innenräumen. „Manche könnte ich nie nach draußen stellen. Zuviel Konkurrenz – da gewinnt eigentlich immer die Natur.“ Dennoch hat sie sich im Garten kleine Räume geschaffen, in denen einige ihrer Werke jeweils einzeln arrangiert sind und in Bezug zum Umfeld treten: durch Durchblicke, sich fortsetzende Linien oder den Kontrast von Winkeln zu ungeraden Formen.

Dazwischen geben die wandelnden Pfauen einen exotischen Farbtupfer – Elke Judith Wagner hat die sehr anhänglichen Tiere damals im Brutapparat schlüpfen lassen und die zwei Küken zum Teil in ihrer Handtasche überall mit hingenommen, damit ihnen die Nestwärme nicht verloren geht. „Wir haben hier den Tierkoller bekommen“, sagt sie schmunzelnd und zählt auf: Ziegen, Hunde, Katzen, Enten und Hühner. „Wir wollten immer Tiere haben“, erzählt sie. Insofern sei es nur natürlich gewesen, dass sie und ihr Mann, der Bildhauer Frank Dornseif, im Jahr 2000 aufs Land gezogen sei. Zwischen Berlin und Vichel zu pendeln, sei auf Dauer anstrengend gewesen, insofern waren beide froh, nach sechsjähriger Umbauphase ganz nach Vichel zu ziehen. Wo Elke Judith Wagner auch einige Zeit kunsthandwerklich tätig war und riesige Pflanzkübel, Schalen und Tische aus Beton schuf. „Ein Nebenzweig“, sagt sie rückblickend. Die Arbeit mit Beton sei schwer. Und langwierig. Das Abbinden dauere Stunden, oft sehe man tagelang kein fertiges Ergebnis. „Ich schaffe nur bis zu einer Größe, die ich noch selbst bewegen kann“, sagt sie. Natürlich mit Hilfsmitteln und Hebeln. „Im Arbeitsprozess will ich unabhängig sein und nicht erst auf Hilfe warten müssen“, erklärt sie. Und erst nach dem Gießen sehe man, wie es geworden sei. „Man muss sich darauf verlassen, dass es was wird.“ Insofern sei das Zeichnen ein schöner Ausgleich. Auch wenn sie nicht beides gleichzeitig könne. Und über mancher Zeichnung auch drei Monate brüte. Im Moment malt sie kleine schnelle Aquarell-Miniaturen. „Das ist wie Süßigkeiten essen“, sagt sie. Sie lasse es passieren, Jeder Strich sei ja bei dieser Technik endgültig. Einer zu viel und alles sei verdorben.

Naturform kontra Geometrie

Naturform kontra Geometrie: eine dualistische Plastik.

Quelle: Regine Buddeke

Mitten in ihrem Atelier steht eine Plastik, bei der auf den ersten Blick zwei Gefäße übereinander stehen und praktisch eine Ehe eingehen. „Eine Marriage“, erklärt sie. Es sei ein Begriff der Antiquitätenbranche und steht für Fälschungen. Homogene antiquarische Stücke, die jedoch aus verschiedenen Teilen unterschiedlicher Herkunft, aber der gleichen Epoche zusammengesetzt wurden. Elke Judith Wagner hat sich einige Jahre mit diesem Thema beschäftigt – davon zeugt auch die Urnen-Marriage. Meist habe sie eine Grundidee von Form und Farbe – dann beginne die prozessorientierte Phase. „Vieles ergibt sich dann von selbst“, erklärt sie ihre Arbeitsweise. Sie verlasse sich auf ihre Intuition, die sie manchmal während des Schaffensprozesses auch in eine ganz andere Richtung führe.

Nur selten haben ihre Werke Namen. „Ich möchte nichts erklären“, sagt sie. „Manche fassen meine Objekte an, versuchen sie zu öffnen und quälen mich mit Fragen, was es sein soll“, sagt sie. „Es ist, was es ist“, antworte sie dann. Die Suche danach sei doch das eigentlich Spannende. „Wenn Sachen erst benannt sind, hört das Interesse auf“, weiß sie. Begrifflichkeit sei das Ende der Suche. Sie will ihre Sachen nicht abhaken, wenn sie fertig sind. „Ich will mich mit Blicken festnagen können. Es soll mich weiter gefangen nehmen, auch wenn es fertig ist“, lautet ihr eigener hoher Anspruch an ihre Kunst.

Elke Judith Wagner setzt ihre Kunst manchmal auch im Außenbereich in den Dialog zur Natur

Elke Judith Wagner setzt ihre Kunst manchmal auch im Außenbereich in den Dialog zur Natur.

Quelle: Regine Buddeke

Niemals Skizzen!, so ihre Devise. Sie habe nun mal eine gute räumliche Vorstellungskraft, sagt Elke Judith Wagner, die früher einmal Tänzerin werden wollte. „In meiner Bildhauerei spielen tänzerische Aspekte ein Rolle, auch wenn man es den Objekten nicht auf den ersten Blick ansieht. „Ich brauche dieses in den Raum greifen. Ich bin als Bildhauerin geboren.“

Von Regine Buddeke

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