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Energierebellen zufrieden mit Filmtournee

Dokumentarfilm über Energiewende Energierebellen zufrieden mit Filmtournee

Volkszorn gegen Windräder, Ausbremsen der Energiewende durch die Politik und Raffgier der großen Stromkonzerne – Nach Ansicht der Windkraftbefürworter Beate Corbach und Andreas Bergmann sind all das Gründe dafür, dass die Umstellung auf Öko-Strom nicht voran kommt. Um die positiven Aspekte der Energiewende hervorzuheben, touren sie mit einem Film durch die Prignitz.

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Beate Corbach (l.) und Andreas Bergmann haben Filmvorführungen und Diskussionsrunden mitorganisiert.

Quelle: Christian Bark

Berlinchen. „Wir brauchen mehr statt weniger Energiewende“, ist das Credo von Andreas Bergmann aus Zempow. Argumente von Windkraftgegnern, dass nicht genügend Netzkapazität für die Weiterleitung des durch regenerative Energiequellen erzeugten Stroms vorhanden sei, will er nicht gelten lassen. „Würden wir die großen Kohle- und Atomkraftwerke vom Netz nehmen, hätten wir schon einen Teil des Problems gelöst“, erklärt er. Die aktuelle Kritik am Ausbau der erneuerbaren Energien kann Bergmann nur bedingt nachvollziehen. Zu kurz komme ihm dabei die Darstellung der Windkraftbefürworter in der Öffentlichkeit, wie er sagt. Und gerade das wollten er und seine Mitstreiterin Beate Corbach aus Berlinchen ändern.

Von Ende Mai bis Anfang Juni gehörten die beiden zu den Organisatoren einer Filmvorführung mit anschließender Diskussion. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Power to Change – Die Energierebellion“. Der gut zweistündige Streifen von Erfolgsregisseur Carl Fechner setzt sich mit den Potenzialen und Fortschritten beim Ausbau regenerativer Energiequellen wie durch Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen weltweit auseinander. „Er zeigt auch, dass der Weg hin zu alternativen Energien seinen Ursprung in Volksbewegungen hat“, sagt Corbach. In Blumenthal, Wittstock sowie vier Ortsteilen der Dossestadt war der Film aufgeführt worden, zuletzt am vergangenen Samstag in Berlinchen.

Angeregte Diskussion nach dem Film

„Es hätten gerne mehr Leute sein können“, bedauert der Berlinchener Ortsbeirat Dieter Welchering, der den Film ebenfalls verfolgt hat, im MAZ-Gespräch. Aber das schöne Wetter habe wohl viele Leute in ihren Gärten gehalten. Doch die, die bei der Veranstaltung dabeigewesen wären, hätten danach angeregt diskutiert. „Es ist schon was anderes, ob ich die Doku im Fernsehen wegzappen kann oder den Film in einem Saal mit anderen Interessierten schaue, um danach ins Gespräch kommen zu können“, lobt Welchering die Idee, mit dem Film nicht nur mehr Akzeptanz für die Energiewende, sondern auch mehr Kultur im Dorfleben schaffen zu wollen. Es fließt viel Geld auf dem Strommarkt und Nutznießer sind wie immer die großen Konzerne, denen der Bezug zur Region fehlt, habe der Film Welchering wieder einmal bewiesen.

Dass zumindest kleinen und mittelständischen Betrieben aus der Region, die Windkraftanlagen bauen, die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten nicht egal ist, bekräftigt Beate Corbach, die für den märkischen Windprojektentwickler Teut arbeitet. „Energiewende bedeutet auch Demokratisierung“, erklärt sie und spricht sich für mehr Bürgerbeteiligung bei der Planung von Windparks aus. „In einigen Regionen Deutschlands gibt es schon Bürgerwindparks, an denen die ganze Bevölkerung finanziell beteiligt ist“, berichtet Bergmann.

Anbieterwechsel bei hohen Strompreisen

Doch auch gegen derzeit noch hohe Strompreise der großen Versorger können Kunden Corbach zufolge vorgehen: indem sie den Anbieter wechseln. „Es gibt eine Reihe zertifizierter Ökostromanbieter“, empfiehlt sie. Bei diesen Ökostromanbietern würden die hohen Netzausbaukosten nicht auf die Kunden der Region, sondern bundesweit umgelegt, was schon heute mehr Gerechtigkeit beim Ausbau erneuerbarer Energien schaffe.

Auf der anderen Seite gibt Bergmann aber auch zu, dass bei der Förderung der Erneuerbaren durchaus Änderungspotenzial bestehe, um die Stromkunden und den Steuerzahler zu entlasten. Einer Drosselung der Ökostromproduktion durch die von der Bundesregierung angestrebte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes steht er hingegen skeptisch gegenüber. „Die Kehrtwende ist auf Druck der großen Energiekonzerne vollzogen worden“, so seine Vermutung. Diese wollten ihre Kohle- und Atomsparte nicht einfach so aufgeben. Regenerative Energien machten nur einen geringen Teil ihres Geschäftsfelds aus. Trotzdem würden sie aufgrund ihrer Monopolstellung kleineren Unternehmen das Wasser beziehungsweise den Wind abgraben, wenn noch weniger Flächen für Windparks zur Verfügung stünden.

Um genau über solche Dinge zu reden, Fragen der Leute zu klären, aber auch kritische Stimmen zur Energiewende zu hören, habe sich die Vorführung auf den Dörfern gelohnt, finden Bergmann und Corbach. Darum soll es bereits im kommenden Monat mit den Vorführungen weitergehen – und zwar in der Prignitz. „Pritzwalk und Perleberg werden unsere nächsten Stationen sein“, kündigt Bergmann an. Genaue Termine erfährt er in der kommenden Woche.

Von Christian Bark

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