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Ostprignitz-Ruppin Engelskulpturen im Gymnasium
Lokales Ostprignitz-Ruppin Engelskulpturen im Gymnasium
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18:00 19.12.2017
Pia Nöhmke, Zoe Alisch, Fina Mende formten aus ihrem Modell Lisa Heidenreich (v.l.) den liegenden Engel. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Sie sitzen sprungbereit, lassen den Kopf und Oberkörper hängen oder liegen erschöpft da. Andere Figuren sitzen mit verschränkten Beinen oder strecken die Arme gen Himmel. Doch sie alle tragen Flügel auf dem Rücken.

Sieben transparente Engel sind derzeit im Wittstocker Gymnasium ausgestellt. Sie entstanden in den vergangenen zwei Wochen im Kunstkurs Klasse 10. Kunstlehrerin Ellen Thonack entwickelte die Idee für diese Skulpturen. „Im vergangenen Jahr haben wir Skulpturen schon einmal in einem Kurs angefertigt, doch damals waren sie auf Pappmache und trugen keine Flügel“, so Thonack. Allein das Licht-und-Schatten-Spiel auf den Schulfluren rückt die Engel immer wieder in eine andere Atmosphäre. Sie sind transparent und tragen ein Gewand aus Frischhaltefolie und Klebestreifen.

„Die Schüler haben gut reagiert und die Idee schnell umgesetzt“, sagt Thonack. Vier Unterrichtsstunden investierten alle sieben Gruppen in die Körperabformung. Die lebensechten Posen und Proportionen sind kein Geheimnis. In jeder Gruppe stand ein Schüler Modell für die Abformung. Zoe Alisch, Fina Mende, Pia Nöhmke und Leon Blum wählten Lisa Heidenreich zum Modell in ihrer Gruppe. „Das war eher unfreiwillig, denn ich bin die Kleinste und 1,6 Meter groß“, sagt Lisa. Allein diese praktischen Gründe sprachen dafür, dass Lisa nun in einem liegenden Engel verewigt ist. „Vergangene Woche saß der Engel noch, doch am Wochenende muss irgendjemand die Figur gedreht haben“, sagt Lisa. Auch das gehört zur Kunst. „Die Pose unseres Engels haben wir uns gemeinsam überlegt“, sagt Pia.

Die Engelplastiken am Wittstocker Gymnasium beeindrucken durch ihre transparente und schlichte Form. Quelle: Christamaria Ruch

In sechs Etappen umwickelte die Gruppe Lisa Heidenreich. Von den Beinen aus arbeiteten sich die Schüler langsam in Richtung Kopf. Mehrere Lagen Frischhaltefolie wickelten sie um ihr Modell und fixierten dann alles mit Klebeband. „Je nach Gefühl haben wir gemerkt, ob das Ganze fest wird und Stabilität bekommt“, sagt Fina. Dann wurde an einer günstigen Stelle die Schere angesetzt und der Körper wieder befreit. Anschließend sorgte weiteres Klebeband dafür, dass die Schnittstelle wieder wie bei einer guten OP-Naht verschlossen und kaum sichtbar wird. Die größte Herausforderung bestand darin, die Hüfte und den Kopf abzuformen. Während Lisa Hüfte umwickelt wurde, saß sie nicht etwa auf dem Stuhl, sondern auf Zoe. „Beim Kopf hatte ich erst etwas Angst, aber dann ging es“, erinnert sich Lisa. Gut zehn Minuten dauerte am Kopf die Prozedur; Lisa blieb ein Luftloch zum Atmen. Platzangst durfte die Zehntklässlerin nicht entwickeln. Für die Flügel schnitten die einzelnen Gruppen zunächst Pappe aus und umwickelten diese genauso mit Folie und Klebeband. „Engel haben etwas mit Weihnachten zu tun“, „sie sind keine reellen Figuren“ und „sie sind Glücksbringer“, zählen die Schüler dieser Gruppe beim MAZ-Besuch auf.

Ellen Thonack ist Kunstlehrerin am Gymnasium Wittstock. Quelle: Christamaria Ruch

Am Gymnasium lösen die Engel auch Diskussionen aus. „Das ist doch das Gute an der Kunst, dass sie Debatten in Gang setzen“, sagt Ellen Thonack. Auch das Material ist durchaus umstritten. „Frischhaltefolie und Klebeband gehören doch zu den Umweltsünden“, gibt Thonack Meinungen aus der Schule wieder. Für sie zählt jedoch in erster Linie das Ergebnis und dass die Schüler in kurzer Zeit die Skulpturen geschaffen haben. „Gerade auch Jungen, die sonst eher Desinteresse für Kunst zeigen und lieber praktisch etwas bauen wollen, konnten sich hierbei begeistern“, sagt Thonack. Vorbilder für diese Körperabformungen fand sie in der Kunstszene der USA. George Segal (1924 bis 2000) machte sich in der aufkommenden Pop Art vor allem durch seine plastischen Arbeiten mit Gipsfiguren einen Namen. Dabei verband er Figuren mit echten Gegenständen.

Die Engel standen beim Weihnachtssingen in der vergangenen Woche am Gymnasium (die MAZ berichtete) schon einmal im Rampenlicht. Eigens dafür rückten die Kunstgruppen ihre Modelle auf die Flure in den einzelnen Etagen. „Schön, dass wir unser Ziel geschafft haben und die Engel bis dahin fertig waren“, sagt Ellen Thonack. Geht es nach ihren Vorstellungen, dann werden die Engel auch beim traditionellen Tag der offenen Tür im Januar ausgestellt.

Von Christamaria Ruch

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