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Erfolgreich am Oberstufenzentrum

Neuruppin Erfolgreich am Oberstufenzentrum

Das Neuruppiner Oberstufenzentrum hatte als erste Schule in der Region einen Bildungsgang nur für Geflüchtete eingerichtet. Eine Herausforderung für die Lehrer, die sich auf sehr unterschiedliche Schüler einstellen mussten. Einige Schüler sind so erfolgreich, dass sie jetzt den Absprung in eine Ausbildung wagen.

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Ramatullah Yusefi ist besonders gut in Physik. In seiner Freizeit spielt er in einem Wusterhausener Verein Fußball. Er will am OSZ sein Abi machen.

Quelle: Frauke Herweg

Neuruppin. Er will nicht länger auf einen Deutschkurs warten. Ramin Gholami will in die Schule gehen – so wie alle anderen Jugendliche in seinem Alter auch. In Rheinsberg spricht er Menschen auf der Straße an und fragt nach einer passenden Schule für einen 16-Jährigen. Als man ihm das Neuruppiner Oberstufenzentrum (OSZ) empfiehlt, stellt er sich dort an einem Freitag vor. „Am Montag bin ich wiedergekommen“, sagt der heute 18-Jährige. „Ich hatte eine sehr klare Vorstellung davon, wo ich hinwill.“

Ramin Gholamis Geschichte ist eine der Erfolgsgeschichten, die nach dem großen Flüchtlingsansturm am OSZ geschrieben wurden. Im Sommer wird der junge Afghane die Schule verlassen und ein wenig später in Berlin eine Ausbildung zum Altenpfleger anfangen. Ein dreiwöchiges Praktikum in seinem künftigen Job hat der Rheinsberger bereits in Lindow absolviert. Auch das hatte er sich ganz allein organisiert. Schulleiterin Uta Jolk lässt nur wenig Zweifel daran, dass sie von so viel Zielstrebigkeit zutiefst beeindruckt ist.

Junge Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen

Nach der großen Flüchtlingswelle hatte das OSZ als erste Schule in der Region einen Bildungsgang Berufsfachschule ausschließlich für junge Geflüchtete eröffnet. Junge Leute aus ganz unterschiedlichen Kulturen sollen sich darin auf mögliche spätere Ausbildungen vorbereiten. Für die Lehrer, die damals vor die Schüler traten, eine Riesenherausforderung. Analphabeten saßen neben Schülern, die in ihrer Heimat neun Jahre eine Schule besucht hatten. Christen neben Muslimen. Insgesamt 95 Schüler, die heterogener kaum sein können, sagt Jolk.

In wenigen Wochen werden die Schüler dieses ersten Jahrgangs das OSZ verlassen. Nicht alle werden den Schulabschluss erreichen. Dennoch ist Jolk stolz auf das Erreichte und auf ihre Kollegen. Um allen Schülern ein Chance zu geben, hatte das OSZ die Stundentafel verändert. „Das Schwerpunkt lag sehr auf der deutschen Sprache“, sagt Jolk. Zugleich mussten sich die Lehrer mit den ganz unterschiedlichen Kulturen ihrer Schüler auseinandersetzen – auch mit Kriegserfahrungen und Feindschaften, die aus den Heimatländern mitgebracht wurden.

Kulturmittler halfen, Brücken zu bauen

„Es gab auch eine Menge Ausein­andersetzungen“, sagt Uta Jolk. Bisweilen fürchteten Jolk und ihre Kollegen, dass Streits in Gewalt enden. „Die Lehrkräfte mussten sich sehr genau und sehr eng abstimmen“. Kulturmittler halfen Brücken zwischen den einzelnen Gruppen zu bauen. „Wir haben eine Menge an Erfahrung gewonnen.“

Auch für Ramatullah Yusefi war das OSZ ein wichtiges Sprungbrett in die Integration. Im Januar 2016 war der heute 16-Jährige nach Deutschland gekommen. Ganz allein. Ohne seine Familie. Sechs Monate besuchte der junge Afghane eine Migrationsklasse. Heute sind seine Leistungen so gut, dass er am OSZ sein Abitur ablegen wird.

Auch den Text des „Faust“ musste er sich erarbeiten

„Deutsch und Geschichte waren wirklich schwierig“, sagt der junge Mann, der in einem Wohnverbund für unbegleitete Minderjährige in Wusterhausen lebt. Den Text des „Faust“ erarbeitete er sich mit seinem Betreuer. „Das war wirklich schwierig“, sagt er mit einem schüchternen Lächeln. Die Stärken des 16-Jährigen liegen woanders. In den Naturwissenschaften, speziell in Physik. „Da ist er der Leistungsstärkste in der Klasse“, sagt Jolk.

Ramin Gholami beginnt eine Ausbildung, Ramatullah Yusefi wird wohl eines Tages studieren. Ihnen wird die Integration in die deutsche Gesellschaft vermutlich schneller gelingen als manchem Geflüchteten im Erwachsenenalter. Im Jahr der Ankunft sind etwa acht Prozent der Geflüchteten in Arbeit integriert, fünf Jahre nach der Ankunft etwa 50 Prozent und 15 Jahre nach der Ankunft etwa 70 Prozent, sagt die Chefin der Neuruppiner Agentur für Arbeit Cornelie Schlegel mit Verweis auf entsprechende Studien. Unbedingte Voraussetzung für die Integration Arbeit: Sprache. „Sprache ist ein echter Türöffner“, sagt Schlegel.

1158 waren zuletzt arbeitslos gemeldet

1158 Geflüchtete waren im Mai in den vier Landkreisen der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet – in Ostprignitz-Ruppin, in Oberhavel, im Havelland und in der Prignitz. Weitere etwa 1200 Geflüchtete absolvieren derzeit Sprach- und Integrationskurse. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe erst Lehrkräfte finden müssen, die diesen Job auch gut bewältigen, so Schlegel.

Seit Jahresanfang haben 92 Geflüchtete einen Job angenommen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt. Zuletzt waren es 301 Beschäftige aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern. „Es tut sich was“, sagt Schlegel.

Nach sechs Wochen ein neues Angebot

Nach den Sprachkursen sollen besondere Angebote helfen, die speziellen Kompetenzen der Flüchtlinge festzustellen. Denn die mitgebrachten Zeugnisse lassen sich mitunter schwer in den deutschen Arbeitsmarkt übersetzen – wenn überhaupt Zeugnisse mitgebracht wurden. „Wer aus einem Kurs kommt, soll nach sechs Wochen ein neues Angebot haben.“

Von Frauke Herweg

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