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Erkenntnisse über eine starke Frau

Wustrau Erkenntnisse über eine starke Frau

Die Historikerin Anna Ogdowski referierte am Mittwoch im Brandenburg-Preußen-Museum Wustrau über eine der wichtigen Frauen der märkischen Geschichte: Anna von Preußen. Während ihr Mann kein allzu gutes Bild als Herrscher abgab, machte die Landesmutter Nägel mit Köpfen – und bot ihrem Gatten auch in Glaubensfragen Paroli.

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Anna von Preußen.

Quelle: Repro MAZ

Wustrau. Die preußische Geschichte ist reich an schillernden Persönlichkeiten. Statistisch gesehen müsste die Hälfte von ihnen Frauen sein – müsste. Denn tatsächlich haben patriarchale Strukturen den Männern in der Vergangenheit die Hauptaufmerksamkeit zukommen lassen. „Dabei waren Frauen seit jeher unabdingbar für das Fortbestehen einer Dynastie“, unterstrich die Historikerin Anna Ogdowski vom Brandenburg-Preußen-Museum bei einem Vortrag am Mittwoch. Nicht nur das Gebären von Thronfolgern gehörte zu ihren Aufgaben, auch bei der Vermählung spielten machtpolitisches Kalkül sowie die Mitgift eine zentrale Rolle.

Dass einige Frauen auch darüber hinaus über Einfluss verfügten, demonstrierte Ogdowski an Anna von Preußen (1576-1625), die zunächst als Prinzessin von Preußen und später als Kurfürstin von Brandenburg in die Historie einging. Erwartungsgemäß sei bei der gebürtigen Königsbergerin die Quellenlage wie bei vielen anderen Frauen schlecht – „obwohl sie eine wichtige Rolle spielte“, so Ogdowski. Was belegt ist: Zunächst kam Anna von Preußen ihren damaligen Pflichten als Ehefrau nach und gebar ihrem Mann, Johann Sigismund, dem Markgrafen von Brandenburg, acht Kinder. Durch die Ehe war 1594 zudem die Verbindung der Herzogtümer Preußen und Brandenburg unter der Krone der Hohenzollern etabliert worden.

Im Anschluss an ihre „unfreiwilligen“ Aufgaben gewann Anna von Preußen mehr und mehr Einfluss am Hofe. Möglich wurde dies vor allem durch die Lebensweise ihres Mannes. „Johann Sigismund galt als psychisch und physisch labil und als schwacher Herrscher“, erklärte Anna Ogdowski. Zeitweise habe er sich vorwiegend auf Jagdpartien vergnügt und zu tief ins Glas geschaut. Seiner Frau enthielt er zudem Informationen vor. „Anna baute sich durch ihre Korrespondenzen aber ein umfangreiches eigenes Netzwerk auf“, schilderte Ogdowski. „Sie ließ sich nicht entmutigen.“ Anna von Preußen nutzte demnach sogar ihre weibliche Rolle, um an Informationen zu gelangen. „Sie hat gerne mit dem Bild einer schwachen und unkundigen Frau kokettiert“, so Ogdowski.

Eine neue Qualität erreichte die ungleiche Ehe in der Folge, als Anna von Preußen bei den Verhandlungen um einen Erbrechtsstreit mitmischte, der durch den Vertrag von Xanten sein vorläufiges Ende fand. Selbst Friedrich Schiller zweifelte die diplomatischen Fähigkeiten von Johann Sigismund im Rückblick an. So wechselte Sigismund 1613 zum Calvinismus, obwohl die Mehrheit seiner Untertanen Protestanten waren. Während Sigismund von seinem Hofstaat erwartete, sich ebenfalls dem Calvinismus zuzuwenden, erließ er für das Volk die „Confessio Sigismundi“, wonach die Untertanen ihren Glauben beibehalten durften. Da Anna von Preußen sich ebenfalls weigerte zu konvertieren, erlangte sie bei den Menschen zunehmend Beliebtheit. Am Hof bekam sie dagegen den Spitznamen „Madame La Diablesse“ verpasst, übersetzt: „die teuflische Dame“.

Nach dem Tod ihres Mannes 1620 hielt sie sich auf den verschiedenen Fürstensitzen auf und wurde in der Folgezeit von ihrem Sohn Georg Wilhelm finanziell unterstützt. 1625 starb Anna von Preußen schließlich im Alter von 46 Jahren.

Von Mischa Karth

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