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Ostprignitz-Ruppin Es bröckelt weiter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Es bröckelt weiter
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00:18 26.10.2013
Ein Blick auf das Herrenhaus sorgte am Mittwoch für Ernüchterung. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Wer ein konkretes Ergebnis erwartet hatte, wurde aber enttäuscht. Eines konnte Mustafa Kösebay vom Büro Drees & Sommer aus Stuttgart immerhin zeigen: In den vergangenen Jahren hat es sehr umfangreiche Untersuchungen und Analysen gegeben. Sie sollen bei der Entscheidung helfen, welche Möglichkeiten es überhaupt noch gibt, die halb verfallene Anlage vor dem Aus zu bewahren.

Kösebay arbeitet im Auftrag einiger Investoren aus der Türkei, die das historische Gut 2010 gekauft hatten. Was sie damit machen wollten, war den Unternehmern damals selbst nicht klar. Die Eigentümer hatten sich in das beeindruckende Baudenkmal verguckt, und die vorherigen Eigentümer wollten es loswerden.

  • Gentzrode liegt sechs Kilometer nördlich von Neuruppin im Wald.
  • Kaufmannsfamilie Gentz hat sich dort ab 1857 eine imposante Anlage mit Herrenhaus im maurischen Stil errichten lassen. Während des Baus ging das Geld aus.
  • Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Eigentümer immer wieder. 1934 zog die Wehrmacht ein, nach 1945 die Sowjetarmee. Zuletzt war das Gut Schulungszentrum des Geheimdienstes KGB.
  • Seit den 90er Jahren steht es leer. Pläne verschiedener Eigentümer haben sich zerschlagen.

Seit rund 20 Jahren stehen die Gebäude leer. Der Zustand ist erschreckend und er wird immer schlechter. Immerhin haben die neuen Eigentümer versucht, die Gebäude zu sichern, so dass wenigstens nicht noch mehr Regen in die Mauer eindringt. Bei der Suche nach einem Konzept geht es aber nicht nur um die Sicherung der Gebäude, sondern um das gesamte Areal - zusammen sind das gut 500 Hektar.

Die Hürden für eine Entwicklung sind riesig: Es gibt keinen Strom in Gentzrode, kein Wasser, kein Abwasser. Dafür ist das Areal rund um das Gut vermutlich mit Munition belastet, immerhin gehörte die Anlage erst der Wehrmacht, später der Roten Armee und dem sowjetischen Geheimdienst KGB. "Man weiß nicht so genau, was die Russen dort gemacht haben. Man kann es nur ahnen", sagt Kösebay. Natur- und Landschaftsschutz haben strenge Auflagen. Und dann gibt es kein Baurecht: Selbst wenn die Eigentümer bauen wollten - sie dürften zurzeit gar nicht. 2009 hatten die Neuruppiner Stadtverordneten zwar beschlossen, einen Bebauungsplan zu entwerfen. Doch damals wusste niemand so recht, was dort entstehen könnte. Und so gibt es den Plan bis heute nicht.

Die Eigentümer wollen in den nächste Wochen mit der Stadtverwaltung beraten, wie ein konkretes Konzept für Gentzrode entstehen könnte. Von den ausführlichen Analysen, die Mustafa Kösebay gestern vorstellte, was Stadtplaner Traugott Messow schon mal beeindruckt: "Genau so muss man an das Thema herangehen." Die aufwändigen Planungen und Verfahren könnten sich aber noch Jahre hinziehen, sagt er auch.

Die Gebäude verfallen derweil immer weiter. Von außen sieht die reich geschmückte Fassade des Herrenhauses zwar noch ganz ansehnlich aus. "Aber das täuscht über den Zustand innen hinweg", sagt Kösebay. Selbst Torsten Nölting von der Denkmalbehörde des Kreises glaubt nicht, dass im Inneren noch etwas zu retten ist: "Das muss alles neu gemacht werden." Und auch außen beginnen die Wände zu bröckeln. Wie lange sie noch stehen, wagte Mustafa Kösebay nicht zu prophezeien: "Ob zwei Jahre oder zwei Monate kann niemand sagen."

Von Reyk Grunow

Kommentar: Trauerspiel

Es ist ein Trauerspiel: Seit 20 Jahren wird über das Gut Gentzrode geredet. Mitte der 90er-Jahre fuhr die MAZ ihre Leser in Bussen an den lange verbotenen Ort. Viele waren beeindruckt von dem Kleinod mitten im Wald, vielleicht einem der schönsten und unbekanntesten Gutshäuser in Brandenburg. Die Sowjetarmee hatte das Gelände damals gerade erst verlassen. Doch die Hoffnung, das damals noch recht gut erhaltene Schlösschen könne bald wieder in altem Glanz erstrahlen, wurde nicht erfüllt. Damals konnte man es noch betreten, ohne Angst, durch die morschen Fußböden zu brechen. Vorbei!
Ideen gab es genug: von der Jagdschule bis zum Edelhotel. Verwirklicht wurde keine. Auch die jetzigen Eigentümer besitzen das Gut schon einige Zeit, sie befassen sich zumindest ernsthaft mit dem, was möglich ist. Doch die Zeit läuft ihnen davon. Wenn sich nun auch noch Behörden querlegen, vom Natur- bis zum Denkmalschutz, dann gibt es in Gentzrode bald nichts mehr zu schützen – so wie beim inzwischen abgerissenen Gutshaus in Wulkow. Christian Kranz

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