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„Es kommt immer etwas Gutes dabei heraus“

Wittstock „Es kommt immer etwas Gutes dabei heraus“

Anja Vietz-Hennig ist seit 20 Jahren Hebamme in Wittstock und könnte sich keinen besseren Beruf vorstellen. Denn sie erlebt die glücklichsten Momente frisch gebackener Eltern – und ist selbst glücklich dabei.

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Anja Vietz-Hennig aus Wittstock mit einigen Fotos von Babys, denen sie auf die Welt half.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Briefe voller Dankbarkeit flattern Anja Vietz-Hennig immer wieder ins Haus, oft verziert mit Fotos von Neugeborenen. Die Absender sind frisch gebackene Eltern. Den Kindern hat sie auf die Welt geholfen. Wie viele Babys es bisher waren? Sie weiß es nicht genau. „Ich wollte eigentlich das 1500. ganz besonders begrüßen, vielleicht mit Konfetti oder so, aber ich glaube, dass ich schon über diese Zahl hinaus bin“, sagt Anja Vietz-Hennig.

Krankenschwester wäre nichts für mich

Sie ist Hebamme – und das mit Leib und Seele. „Das war von Anfang an mein Traumberuf. Einen Plan B hatte ich nie“, sagt sie und weiß auch warum: „Was man auch tut, es kommt am Ende immer etwas Gutes dabei heraus – ein Kind. Deshalb wäre Krankenschwester nichts für mich. Ich will nicht dem Leiden zusehen. Das könnte ich nicht ertragen.“

Die 41-Jährige ist dabei, wenn Paare Momente des größten privaten Glücks erleben. Neue Eltern gingen ganz unterschiedlich damit um. „Viele haben Tränen in den Augen, andere sind total überwältigt und sprachlos oder wollen einfach nur den Körperkontakt zu ihrem Kind“, erzählt die Hebamme. Nur eine Reaktion habe sie noch nie erlebt: Gleichgültigkeit. Den großen Dank, der ihr nach der Kindsgeburt von den Eltern entgegengebracht wird, könne sie nur zurückgeben. „Ich bin sehr froh, wenn ich an diesen Augenblicken teilhaben darf.“

Hebamme des Jahres 2014

Die Frauen spüren Anja Vietz-Hennigs Leidenschaft für ihren Beruf und wissen sie zu schätzen. 2014 wurde sie von den Lesern der Elternzeitschrift „Leben & Erziehen“ zur Hebamme des Jahres gewählt. Rund 200 Mütter hatten sich an der Leseraktion beteiligt. Bereits 2005 kam sie in dem Wettbewerb unter die besten Fünf.

Die fünffache Mutter kommt eigentlich aus Sachsen-Anhalt, aus dem Raum Halle-Leipzig. Ein Stellenangebot verschlug vor 20 Jahren nach Wittstock. „Wenn ich heute nach Hause fahre, dann ist das natürlich meine Heimat, aber ich denke mir auch: Nee, hier willst du nicht mehr wohnen. Für mich ist Wittstock genauso Heimat, sogar fast noch ein bisschen mehr“, sagt sie. Im hohen Norden Brandenburgs fühle sie sich sehr wohl – in der Ruhe der Kleinstadtidylle, wo fast jeder jeden kennt und die Wege zum nächsten Einkaufsmarkt, ins Kino oder Restaurant kurz sind. Für ihren Arbeitsalltag gilt das allerdings nicht. Anja Vietz-Hennig fährt jährlich rund 40 000 Kilometer, holt Kinder in Wittstock oder Kyritz ebenso auf die Welt wie in Lindow, Herzberg oder Rheinsberg, jeden Monat etwa acht.

Konstante Geburtenzahlen

Deshalb kann sie die Diskussion um den angeblichen Geburtenrückgang nicht nachvollziehen. „Die Geburtenzahlen sind schon seit vielen Jahren konstant. Ich weiß das. Ich habe doch die Statistik hier.“ Es gebe sogar viele Paare, die ein zweites oder drittes Kind bekämen. Ein Knick könne allenfalls kommen, wenn die Mädchen und jungen Frauen, die in den 1990er Jahren geboren wurden, Mütter werden. Denn kurz nach der Wende kamen nur vergleichsweise wenige Kinder zur Welt.

Viele, die als Jugendliche in den Westen gingen, seien inzwischen wieder zurückgekehrt, hätten hier Familien gegründet, Kinder bekommen. Sie wüssten es zu schätzen, Eltern, Großeltern und Freunde in der Nähe zu wissen, Menschen, die ihnen Rückhalt und Geborgenheit geben. Sie selbst habe der deutsche Westen aber nie gelockt. „Ich hatte als Ossi-Kind immer irgendwie Angst davor.“ Das hat sich auf ihre Kinder übertragen. Auch sie wollen unbedingt der Heimat treu bleiben. Die älteste Tochter wird Kinderkrankenschwester, ein Sohn Physiotherapeut.

Von Björn Wagener

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