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Es schwelt noch immer in Gühlen-Glienicke

Waldbrand Es schwelt noch immer in Gühlen-Glienicke

Seit Jahren brennt es immer wieder rund um Gühlen-Glienicke. Förster, Feuerwehrleute und Dorfbewohner sind überzeugt, dass ein Brandstifter umgeht. Das jüngste Feuer vom Dienstag ist auch nach Tagen noch richtig gelöscht. Jederzeit kann es wieder aufflammen.

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 Forstarbeiter Fred Malchin und seine Kollegen versuchen seit Tagen zu verhindern, dass der Brand bei Gühlen-Glienicke wieder aufflammt. Sie bewachen den zerstörten Wald rund um die Uhr.
 

Quelle: Peter Geisler

Gühlen-Glienicke.  Mit dem Spaten schippt Fred Malchin Sand auf die Rauchfahne, die direkt vor ihm aus der verkohlten Erde quillt. Doch der Versuch, den Schwelbrand so zu löschen, ist aussichtslos. Selbst wenn Malchin es schafft, die Erde zu beruhigen, qualmt der Boden an drei anderen Stellen neu. Es ist eine Sisyphosarbeit, die die Waldarbeiter vor sich haben. Entsprechend gereizt ist die Stimmung.

Seit einer Woche sind die Arbeiter zwischen den verkohlte Bäumen westlich von Gühlen-Glienicke im Einsatz. Wenigstens zwei Mann müssen immer da sein, um zu kontrollieren, ob das Feuer irgendwo wieder richtig aufzuflammen droht.

Am Sonntag hatte es dort zum ersten Mal gebrannt. Am Dienstagmittag brannte es dann schon wieder. 110 Feuerwehrleute waren fast zwölf Stunden lang im Einsatz, bis die Flammen endlich aus waren. Gelöscht ist das Feuer noch immer nicht. „Das kriegt man auch nicht gelöscht, da kann man noch Hunderte Liter Wasser draufkippen“, sagt Revierförster Andrej Ruhnke. Das Feuer hat sich tief in die Erde gefressen. Vier Hektar Wald hat der Brand am Dienstag vernichtet. Ein Viertel davon waren relativ junge Bäume. Sie wurden vor 20 Jahren auf einem Berg alter Stubben gepflanzt. Die Reste der Bäume, die dort vorher standen. „Das ist altes Holz, sehr kienhaltig“, sagt Ruhnke; er betreut das Revier nur vertretungsweise. für seinen Kollegen, der im Urlaub ist. Der weiß noch gar nichts von dem Schaden.

Das Feuer glimmt unterirdisch weiter. Immer wieder facht der Wind es an. Die Waldarbeiter geben ihr Bestes, aber viel können sie nicht tun mit Schippen, Kettensäge und ein paar tausend Litern Wasser. Jetzt im Sommer sind die meisten Arbeiter im Urlaub. Die, die keinen Urlaub haben, wechseln sich bei der Wache in Gühlen-Glienicke ab: immer zwei, acht Stunden lang, rund um die Uhr.

Am Freitag rief Andrej Ruhnke erneut die Feuerwehr. An zu vielen Stellen stieg Rauch auf. Aber auch die Feuerwehrleute haben so langsam genug. Seit Jahren werden sie immer wieder zu Waldbränden irgendwo bei Gühlen-Glienicke gerufen. Sieben waren es in diesem Jahr schon. „Die Leute wollen einfach nicht mehr“, sagt Ortsvorsteher Michael Peter. Er ist selbst Feuerwehrmann und weiß, wie das ist. „Man kann sich nie etwas vornehmen. Immer muss man Angst haben, dass es wieder losgeht“, sagt er: „Man hat schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man sich abends mal ein Bier aufmacht.“

„Das geht seit Jahren hier so“, sagt Förster Clemens Schmitz. Er ist für das Revier Fristow zuständig, nicht weit entfernt. Allen machen die ständigen Waldbrände in der Gegend Sorgen. Und für alle ist klar, dass es sich um einen oder mehrere Brandstifter handeln muss. Die Polizei geht zwar auch in vielen Fällen von Brandstiftung aus. Festlegen wollen sich die Ermittler trotz der Menge der Feuer aber nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Ortsvorsteher Peter macht das sauer. Er glaubt, dass die Polizei die Brände nicht ernst genug nimmt.

Doch die Ermittlungen sind sehr schwierig, gerade bei Waldbränden, sagt Polizeisprecher Stefan Rannefeld. In gewisser Weise versteht Michael Peter das sogar: „Wenn die Feuerwehr erstmal gelöscht hat, sind ja viele Spuren vernichtet.“ Als am Sonntag ein 200 Quadratmeter großes Waldstück in Flammen stand, hielten sich die Feuerwehrleute zunächst mit dem Löschen zurück und passten nur auf, dass sich der Brand nicht ausbreitete, sagt Peter: Die Polizei sollte erst einmal Beweise sichern können. Doch die Ermittler konnte so schnell nicht kommen.

In Gühlen-Glienicke macht sich inzwischen Misstrauen breit. „Die Leute fragen sich natürlich, wer es ist“, sagt Peter. Kommt der Brandstifter etwa aus ihrem Dorf? „Jeder, der in Richtung Wald unterwegs ist, wird über den Gartenzaun beobachtet.“ Peter würde sich wünschen, dass die Ermittler endlich einen Verdächtigen schnappen. So wie gerade in Kyritz.

Revierförster Andrej Ruhnke wünscht sich vor allem eines: „Regen, viel Regen.“ Und ein paar Tage ohne Wind. Dann ließe sich das Feuer in der Erde vielleicht endlich ersticken. Alles andere bringt wenig, fürchtet er. Die Feuerwehr kann nur verhindern, dass der Brand wieder größer wird.

Von Reyk Grunow

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