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Ostprignitz-Ruppin Ex-Pfarrer imkert seit vier Jahrzehnten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Ex-Pfarrer imkert seit vier Jahrzehnten
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17:03 09.10.2018
Siegfried Erfurth aus Walsleben imkert seit 1976, früher neben seinem Hauptberuf als Pfarrer, heute als Rentner. Dabei konnte er anfangs keine Biene von einer Wespe unterscheiden. Quelle: Peter Geisler
Walsleben

Vorsichtig holt Siegfried Erfurth mit der Zange eine Wabe aus dem Bienenkasten. „Hm, die ist leer“, murmelt er. Doch bei der zweiten wird er fündig. „Etwa neun Waben sind in einem Kasten drin“, klärt der Rentner aus Walsleben auf und ist ganz in seinem Element. „Die Honigsaison ist jetzt vorbei und es sind nur noch Reste vorhanden.“ Heute schaut der Hobbyimker noch mal nach dem Rechten bei seinen Brummern.

Seine Völker stehen bereits im Winterquartier auf dem Firmengrundstück seines Sohnes. „Der Bienenwagen war mal ein Lkw-Anhänger. 1980 habe ich ihn umgebaut“, erzählt Erfurth, der 1971 aus Thüringen als Pfarrer nach Walsleben kam. Mittlerweile genießt er mit seiner Lebensgefährtin, die vor ein paar Jahren aus Amerika zu ihm zog, den Ruhestand und widmet sich voll und ganz seinem Hobby.

Über befreundeten Imker zum Hobby

Schon ein halbes Leben lang begleiten ihn die Bienen. Zu ihnen kam der ehemalige Pfarrer 1976 durch einen befreundeten Imker. „Dieser lag im Krankenhaus und bat mich, nach seinen Tieren zu sehen. Jedoch konnte ich bis dahin keine Biene von einer Wespe unterscheiden.“

Ein anderer Nachbar, der sich mit Bienen auskannte, körperlich aber sehr eingeschränkt war, bot ihm Hilfe an. „Ein Blinder und ein Lahmer zusammen werden das schon schaffen“, meint der heute 82-Jährige und lacht.

Von seinen Imkerfreunden hat Siegfried Erfurth viel gelernt. Ganz ohne Stechen ging es aber auch bei ihm nicht. Gleich zu Anfang wurde er von etwa 20 Bienen überfallen, dennoch hatte ihn die Leidenschaft gepackt.

Den Bienenwagen hat der Hobbyimker selber umgebaut aus einem LKW-Anhänger. Quelle: Peter Geisler

Alles Wissen um die Bienen habe ihn fasziniert, genauso wie die Landwirtschaft an sich, meint er: „Früher waren viel mehr Menschen Bauern, hatten Felder und Vieh. Auch Pfarrer. Viele von ihnen imkerten.“ Also widmete sich Erfurth ebenfalls dieser Beschäftigung.

„Mit drei Bienenvölkern habe ich angefangen. Eines davon überließ mir der befreundete Imker.“ Seine Bienen fährt der Hobbyimker im Wanderwagen jährlich zu Saisonbeginn an Ort und Stelle, wo es für sie etwas zu holen gibt. „Im April geht es los mit dem Raps, dann folgen Robinie, Linde. Später blühen die Gartenblumen und zum Abschluss, August bis Mitte September, die Heide.“

Während seines Arbeitslebens begann der Tag von Siegfried Erfurth oft schon vier Uhr früh. Erst kümmerte er sich um seine Bienen, ab acht Uhr war er als Pfarrer im Einsatz. Sein Hobby war ein guter Nebenerwerb.

Früher bis zu einer Tonne Honig im Jahr

„Bis zu einer Tonne Honig habe ich im Jahr produziert, als ich in meiner Hochphase 48 Völker hatte“, sagt der Pfarrer im Ruhestand, der zu DDR-Zeiten englischsprachige Delegationen betreut hat und dafür von Herlind Kasner, der Mutter von Angela Merkel, im Kirchenenglisch unterrichtet wurde. „Heute habe ich nur noch drei Völker mit je rund 50 000 Tieren und fülle pro Volk 30 bis 50 Kilo Honig ab, je nachdem wie die Saison läuft.“

2018 sei ein zufriedenstellendes Bienenjahr gewesen, 2017 schlecht, erzählt er und führt auf seinem Hof in den Produktionsraum. Gleich links steht das Herzstück der Imkerei, die Honigschleuder. „Hierein“, sagt Siegfried Erfurth und zeigt auf einen Korb, „kommen die Bienenwaben. Durch Zentrifugalkraft wird der Honig gewonnen. Er wird rausgeschleudert.“ Die kostbare Masse läuft über einen Auslaufhahn in ein Gefäß mit Sieb, aus dem es wiederum in Gläser gefüllt wird.

30 bis 50 Kilo Honig produzieren Erfurths Bienen pro Volk jährlich. Quelle: Peter Geisler

Sein reines Bienengold verkauft Hobbyimker Erfurth direkt an der Haustür. „Einfach vorher anrufen, ob wir zu Hause sind und dann kann man vorbeikommen. Vier Euro kostet ein Glas.“

Für Siegfried Erfurth wird es in den kommenden Monaten wieder etwas ruhiger, nachdem die Saison vorbei ist. Die Winternahrung hat er bereits an seine Bienen verteilt. „Im Herbst werden sie eingefüttert“, erklärt der Pfarrer im Ruhestand. „Sie bekommen eine Zuckerlösung, die bis zum Frühjahr reicht, als Ersatz für den Honig, der ihnen genommen wurde.“

Ohne Bienen keine Menschen

Siegfried Erfurth nutzt die kalte Jahreszeit, um beispielsweise für die nächste Saison Holzrähmchen für den Wabenbau als Starthilfe für die Bienen zu bauen. Auch seinem eigenen Nachwuchs greift er unter die Arme und versorgt ihn mit Bienenwissen. Zwei seiner vier Söhne sind selber in die Imkerei eingestiegen, ganz zur Freude des Vaters, der die nützlichen Tierchen nicht nur als Hobby sieht, sondern ihre Existenz auch wissenschaftlich betrachtet.

„Wenn wir keine Bienen mehr haben, dann gibt es nach vier bis fünf Jahren keine Menschen mehr“, zitiert Siegfried Erfurth Albert Einstein. „Ohne Bienen haben wir nicht nur keinen Honig, sondern auch keinen Raps, keine Äpfel.“ Bienen sind wichtig für die Befruchtung. Hierzulande bestäuben sie rund 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen, von der Tomate bis zum Klee.

Große Bedenken wegen Pflanzengift

Das große Bienensterben der letzten Jahre beunruhigt Siegfried Erfurth. Ein Dorn im Auge ist ihm das umstrittene Pflanzengift Glyphosat. „Verzehren Honigbienen dieses, verlieren sie die Orientierung“, sagt der Imker. „Sie finden nicht mehr zurück zu ihrem Volk.“

Doch es sei nicht leicht, dies vor Gericht zu beweisen, meint er und stopft noch Kälteschutzkissen mit Federn in so manche Bienenkästen in seinem Bienenwagen, bevor er ihn für diese Saison verschließt.

Der Honig von Siegfried Erfurth kann in der Dorfstraße 48 in Walsleben bezogen werden, Telefon 033920/6 77 13.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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