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Experte gibt Pilzfreunden Tipps

Herzsprung Experte gibt Pilzfreunden Tipps

Sie können saftig und lecker, aber auch eklig und giftig sein. Einige Pilze sind bei Verzehr sogar lebensbedrohlich – obwohl sie ihren genießbaren Artgenossen manchmal sehr ähnlich sehen. Wie man Pilze unterscheiden kann, wo man sie findet und wann sie wachsen, darüber informierte am Mittwoch der Wittstocker Pilzexperte Reinhard Symandera in Herzsprung.

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Reinhard Symandera (hinten) informierte über Speisepilze und ihre giftigen Artgenossen..

Quelle: Christian Bark

Herzsprung. Einmal im Monat, jeden zweiten Mittwoch, gibt es im Dorfgemeinschaftshaus Herzsprung leckeren selbstgebackenen Kuchen und Kaffee. Dann lädt der Verein Dorfgemeinschaft Jung und Alt alle zu einem kleinen Nachmittagsprogramm ein, wie Vereinsmitglied Angela Gritke informierte. Am Mittwoch war es wieder soweit, diesmal hatte der Verein den Wittstocker Pilzexperten Reinhard Symandera nach Herzsprung eingeladen. Er informierte in seinem Vortrag über 35 essbare und zwölf giftige Pilzarten, von denen die meisten auch in der Prignitz wachsen.

„Das war mal mein Hobby und ist nun meine Berufung geworden“, berichtete der 61-Jährige am Mittwoch. Seit zwölf Jahren sei er offiziell geschulter Pilzsachverständiger. Seine Telefonnummer sei sogar bei der Giftnotzentrale hinterlegt – im Ernstfall würde er also die Symptome prüfen und feststellen, ob sich Patienten mit einem Pilz vergiftet haben.

Einmal im Monat lädt der Verein Dorfgemeinschaft Jung und Alt ins Dorfgemeinschaftshaus Herzsprung

Einmal im Monat lädt der Verein Dorfgemeinschaft Jung und Alt ins Dorfgemeinschaftshaus Herzsprung. Zur Kaffeetafel gibt es ein kleines Programm.

Quelle: Christian Bark

Damit es gar nicht erst zur Vergiftung kommt, klärte Reinhard Symandera die Herzsprunger über essbare Speisepilze, ungenießbare und giftige Pilze auf. „Bei vielen besteht eicht Verwechslungsgefahr“, erklärte er. Zum Beispiel zwischen dem echten, dem falschen Pfifferling und dem Ölbaumtrichterling. Ersterer sei ein hervorragender Speisepilz und zum Teil jetzt schon in der Region zu finden. Der falsche Pfifferling schmecke nach nichts, der Ölbaumtrichterling, der seinen Artgenossen in Form und Farbe recht ähnlich sehe, sei jedoch giftig. Das war besonders für Angela Gritke interessant. Sie sammelt bevorzugt Pfifferlinge, wie sie sagte. Sorgen darüber, dass sie eines Tages mal einen Ölbaumtrichterling im Korb haben könnte, muss sie sich laut Reinhard Symandera aber nicht machen. „Er kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, ist aber schon bis Süddeutschland vorgedrungen“, erklärte der Pilzexperte. Bis der Klimawandel diese Art auch in unserer Region begünstige, würden aber vermutlich noch Jahrzehnte vergehen.

Von genießbar bis eklig und tödlich

Rund 4500 Großpilzarten gibt es in Europa. Großpilze beginnen Reinhard Symandera zufolge ab Stecknadelgröße.

Essbar sind etwa 300 Pilzarten. 35 davon hat Reinhard Symandera in seinem Vortrag vorgestellt. Darunter auch Arten, die in der Region vorkommen, wie den Maipilz, den Sommersteinpilz, Pfifferlinge, Champignons und die Rotkappe. 50 Arten lassen sich bestenfalls als Speisepilze bezeichnen.

200 Pilzarten sind für den Menschen giftig. Zwölf davon haben in dem Vortrag Erwähnung gefunden. So zum Beispiel der Ölbaumtrichterling, der Kartoffelbovist oder der Gift-Häubling, der sogar tödlich sein kann.

Giftig heißt nicht immer lebensbedrohlich, betonte Reinhard Symandera. Zum Beispiel verursache der Karbol-Champignon, der dem Anis-Champignon sehr ähnlich sieht und bereits ab Juli wächst und gedeiht, nur starkes Bauweh. „Er stinkt beim Kochen aber schon aus dem Topf heraus“, informierte der Experte. Ebenfalls giftig ist der von Juni bis Oktober wachsende Pantherpilz. Dieser gleicht dem Perlpilz, seine Madengänge seien aber im Gegensatz zu diesem nicht rötlich. Während der Perlpilz nach ordentlichem Erwärmen ungiftig genießbar ist, verursacht der Pantherpilz hingegen Halluzinationen.Uneins seien sich die Pilzexperten bisher über die Wirkung des Grünlings. Häufiger Konsum bewirkt laut Reinhard Symandera Muskelschwund, weshalb er vom Verzehr abriet. Sofort tödlich wirke hingegen der Gift-Täubling. „Ich finde aber, dass Pilze, die auf Holz wachsen, ohnehin nicht so doll schmecken“, sagte der Pilzexperte.

Pilze wie der Gemeine Samtfußrübling wachsen sogar im Winter

Pilze wie der Gemeine Samtfußrübling wachsen sogar im Winter.

Quelle: Christian Bark

Bei Reinhard Symandera gibt es übrigens nicht jeden Tag Pilzpfanne oder Pilzsuppe, wie er sagte. Natürlich sei er den Gewächsen kulinarisch verfallen, sein Interesse an ihnen sei aber auch wissenschaftlich – insbesondere gegenüber den Rindenpilzen. Diese untersuche er mit dem Mikroskop und leite Erkenntnisse an den Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen weiter, dem er selbst auch angehöre. An Rinden zu finden sind übrigens auch Pilze wie der Austern-Seitling. „Der wächst sogar bis März, schmeckt aber etwas holzig“, erklärte der Pilzexperte. Überhaupt sei für Pilze das ganze Jahr über Saison. Selbst im Winter würden welche unter dem Schnee hervorlugen – so zum Beispiel der Gemeine Samtfußrübling, der von November bis März wachse. „Das ist ein schönes Farbspiel zwischen weißem Schnee und braunrötlichen Pilzen“, berichtete der 61-Jährige. Und ist die Zeit dieses Pilzes vorbei, folge im März schon die Speise-Morchel. „Der erste richtig gute Speisepilz ist aber im Mai der Maipilz“, empfahl Reinhard Symandera. Selbst erfahrenen Pilzfreunden wie Dieter Herm konnte der Experte noch einen Hinweis geben. Auf die Frage, wo in der Region denn Mousserons wachsen würden, empfahl er die Gegend um Scharfenberg.

Am Mittwoch, 12. Juli, findet der nächste Nachmittag der Dorfgemeinschaft Jung und Alt statt. Ab 14.30 Uhr berichtet ein Vertreter des Naturschutzbundes über Schmetterlinge.

Von Christian Bark

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