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Ostprignitz-Ruppin Experten raten zur Impfung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Experten raten zur Impfung
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00:17 23.01.2016
Vor allem Senioren und chronisch Kranken wird die Grippeschutzimpfung empfohlen. Quelle: dpa
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Neuruppin

Die Viren sind im Anmarsch. Noch hat die Grippewelle die Prignitz und das Ruppiner Land nicht erreicht, aber seit Jahresbeginn ist die Zahl der Fälle langsam gestiegen.

Im Januar schlägt die Influenza traditionell zu und im vergangenen Winter haben Brandenburger Ärzte mehr als zehnmal so viele Grippefälle wie in der vorherigen Saison festgestellt. Das geht aus aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts vor, die am Wochenende veröffentlicht wurden. Demnach gab es in der Saison 2014/15 landesweit 2932 registrierte Influenzafälle, im Winter 2013/14 waren es nur 212.

Echte Grippe ist eine ernste Erkrankung

Die echte Grippe, auch Influenza genannt, ist im Gegensatz zu anderen viralen Erkältungskrankheiten eine ernste Erkrankung, die lebensbedrohlich verlaufen kann.

Nach Angaben des Referenzzentrums für Influenza-Überwachung in Hannover sterben bei einer Grippewelle in Deutschland 5000 bis 20 000 Menschen an Komplikationen, die Influenza mit sich bringt.

Experten unterscheiden in drei Influenza-Typen. Typ A ist die am häufigsten auftretende Art. Sie verursacht die stärksten Beschwerden und tritt etwa alle zwei bis drei Jahre epidemisch auf. Typ B verursacht weniger starke Beschwerden und sucht mitteleuropäische Länder in Abständen von vier bis fünf Jahren heim. Typ C ist die „mildeste“ Variante und löst demnach Beschwerden aus, die einem grippalen Infekt sehr ähnlich sind.

Krankenkassen raten zu einer Schutzimpfung als beste Vorbeugung gegen die Influenza. Sie muss jährlich aufgefrischt werden, weil sich die kursierenden Grippeviren ständig verändern.

Zu Beginn der Grippesaison lässt sich nicht genau vorhersehen, welche Formen von Viren im Umlauf sein werden.

Ein Trend für diese Saison lässt sich noch nicht ablesen, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. „Es ist typisch für das Virus, dass Grippewellen sehr unterschiedlich verlaufen“, so die Pressesprecherin weiter. Der Höhepunkt, bei dem die meisten Fälle gezählt werden, beginnt im Januar und flacht oft erst Ende März wieder ab. Außerdem zählt das Institut nur die gemeldeten Fälle. Wie viele Menschen wirklich an Grippe erkrankt sind, bleibt daher ungewiss und hängt davon ab, ob sich die potenziell Erkrankten testen lassen oder der behandelnde Arzt einen Test empfiehlt.

Zahl der akuten Atemwegserkrankungen gestiegen

Laut Brandenburgischem Gesundheitsministerium gab es in diesem Jahr 19 Influenza-Fälle im Land. Parallel dazu ist die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen angestiegen. Insgesamt 46 Influenzanachweise zählten die Gesundheitsämter des Landes bisher in diesem Winter. Wie stark die Grippewelle wird, lässt sich voraussichtlich erst Ende Januar abschätzen, so Ministeriumssprecher Gabriel Hesse. „Aktuell gibt es keine Hinweise auf eine bevorstehende Grippewelle im Landkreis“, sagt Kreissprecherin von Ostprignitz-Ruppin, Britta Avantario. Im vergangenen Jahr registrierte das Gesundheitsamt drei Influenzafälle, in diesem Jahr bislang einen.

Erik Weidmann, Chefarzt an den Ruppiner Kliniken, hat bisher von einer Grippewelle noch nichts gemerkt – aber von einer anderen Infektionswelle Quelle: Peter Geisler

In den Ruppiner Kliniken ist die Grippewille bislang ebenfalls noch nicht angekommen. Das bestätigt Erik Weidmann, Chefarzt der Zentralen Aufnahmestation und verriet, dass eine andere Infektionswelle die Ärzte momentan auf Trapp hält. „Wir haben es mit einer Magen-Darm-Infektion zu tun, die noch keinen richtigen Namen hat“, sagt Weidmann. Ein Teil der Infektionen sei auf Noroviren zurückzuführen, aber nicht alle. Solche Infektionswellen seien typisch für die Zeit zwischen November und Januar, so der Chefarzt.

Die Influenza hat von Oktober bis Mitte April Saison. Grund dafür sind unter anderem die winterlichen Temperaturen. „Influenzaviren mögen es bekanntlich trocken und kalt. Gleichzeitig sind unter diesen Umständen die Schleimhäute angreifbarer“, sagt Glasmacher vom RKI. Auch Erik Weidmann bestätigt, dass auf kältere Temperaturen erfahrungsgemäß mehr Erkältungskrankheiten folgen. Doch das muss nicht zwangsläufig der Fall sein: „Wichtig ist im Winter, dass man darauf achtet, nicht auszufrieren, sich regelmäßig zu bewegen, vitaminreich zu essen, aber eben vor allem aktiv zu bleiben. Gut verpackt natürlich“, so Weidmann. Außerdem rät der Mediziner dringend dazu, sich mehrmals am Tag die Hände zu waschen. „Immer weniger Menschen waschen sich überhaupt vor dem Essen die Hände“, sagt der Fachmann. Dabei sei genau das essenziell, um Infektionen vorzubeugen.

Pritzwalker kaufen derzeit viele Erkältungsmittel

In der Hirsch-Apotheke in Pritz­walk gehen momentan einige Mittel gegen Erkältung über den Tisch. Grippe sei dort noch kein Thema, hieß es von einer Mitarbeiterin. Immer mehr Kunden greifen zu Kombinationspräparaten, die nicht immer zu empfehlen sind. „Das kommt auf die Symptome an und muss ganz individuell entschieden werden“, sagt die Apothekerin.

Beim Vorbeugen soll auch die Grippeschutzimpfung helfen. „Die ist noch bis in den März hinein sinnvoll“, so Erik Weidmann. Besonders Menschen, die unter die Risikogruppe fallen, sollten sich vor Beginn der Saison im September oder Oktober impfen lassen.

Auch Säuglingseltern gehören zur Risikogruppe

Zur Risikogruppe gehören Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen, Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, angeborenen Abwehrschwächen, Tumorerkrankungen, oder beruflichem Infektionsrisiko, zum Beispiel Ärzte und Schwestern. Auch Schwangere, Menschen über 60 Jahre und Eltern von Säuglingen zählen dazu. „Nach der Impfung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist“, sagt Gabriel Hesse.

Darüber, wie die Impfung bisher angenommen wurde, hat das Ministerium keine Daten. Allerdings zeigen Zahlen des RKI und der Kassenärztlichen Vereinigung für die Saison 2014/15, dass die Impfrate bei den über 60-Jährigen noch längst nicht der EU-Vorgabe für die Altersgruppe entspricht.

Nur 54,5 Prozent haben sich impfen lassen, 75 Prozent sollten es idealerweise sein. Im Ostprignitz-Ruppiner Gesundheitsamt wurde das Angebot, wie in den vergangenen Jahren auch, sehr gut angenommen, so Kreissprecherin Avantario.

Von Luise Fröhlich

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