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Zu wenig Jobs für Menschen mit Handicap

Neue Studie bei Fachkonferenz in Rheinsberg vorgestellt Zu wenig Jobs für Menschen mit Handicap

In den vergangenen sieben Jahren haben in ganz Brandenburg lediglich 127 Menschen mit Behinderungen, die zuvor in einer speziellen Werkstatt gearbeitet haben, außerhalb dieser einen Job gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Mittwoch bei einer Fachtagung in Rheinsberg vorgestellt wurde.

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Ministerin Diana Golze bei der Konferenz in Rheinsberg.

Quelle: Andreas Vogel

Rheinsberg. Zwischen 2007 und 2013 haben in Brandenburg lediglich 127 Menschen mit Behinderungen, die zuvor in einer speziellen Werkstatt gearbeitet haben, einen Job auf dem normalen Arbeitsmarkt gefunden. Dabei wollten mindestens fünf mal so viele Frauen und Männer, die in einer von 28 Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in der Mark beschäftigt sind, außerhalb dieser arbeiten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die am Mittwoch bei einer Fachkonferenz in Rheinsberg vorgestellt wurde.

„Die Menschen sollen aber wählen können, was das geeignete Angebot für die Teilhabe am Berufsleben ist“, sagte Jörn Sommer, der Leiter der Studie. Das wird ebenfalls in der bereits 2006 beschlossenen UN-Behindertenrechtskonvention gefordert. Dennoch finden nur die wenigsten Menschen mit Handicap in Deutschland außerhalb der speziellen Werkstätten eine Arbeit. Die Gründe sind verschieden: Viele der brandenburgweit 11 400 Frauen und Männer, die in den Werkstätten arbeiten, fühlen sich dort wohl und glauben nicht, dass sie in der freien Wirtschaft bestehen könnten. „Unsere Beschäftigten können zwar viel“, betonte Martin Jeutner von der Stephanus-Stiftung, die in Ostprignitz-Ruppin vier Werkstätten mit mehr als 700 Beschäftigten betreibt. Allerdings sei die Arbeit in den Werkstätten meist in Teilschritte unterteilt, die jeweils von Einzelnen übernommen werden. Darauf sei die freie Wirtschaft kaum eingestellt. „Da werden meist komplexe Aufgaben abverlangt“, so Jeutner. Die Stephanus-Stiftung sucht deshalb verstärkt nach Arbeitsplätzen, die von Betrieben ausgelagert wurden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Sozialministerin Diana Golze (Linke) forderte deshalb am Mittwoch, dass mehr Firmen und Dienststellen Menschen mit Behinderungen einstellen. Golze räumte ein, dass dazu Gesetzesänderungen sowie zusätzliche finanzielle Hilfen notwendig sind. Gleichwohl seien schon 20 Prozent weniger Menschen mit Behinderungen arbeitslos als noch vor ein paar Jahren. Demnach galten im Juni 2011 gut 7400 Menschen mit Handicap als erwerbslos, im Mai 2015 waren es laut Golze noch 6000 Menschen.

Marcel ist einer der wenigen, der den Einstieg in eine Arbeit außerhalb einer Werkstatt geschafft hat: Er arbeitet in einem Bistro am Bahnhof in Zehdenick (Oberhavel), bäckt Kuchen, brät Schnitzel sowie Bratkartoffeln. „Ich bin selbstständiger geworden“, sagt er in einem Kurzfilm, der in Rheinsberg Premiere feierte. Jürgen Dusel, der Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Handicaps, ist überzeugt, dass es weit mehr Jobs außerhalb der Werkstätten gibt. Dazu müssten jedoch vorgefasste Meinungen aufgebrochen werden und die Werkstätten offensiver danach suchen.

Von Andreas Vogel

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