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Der Bäcker kommt bald aus Italien

Neuruppin vermittelt arbeitslose Fachleute aus Certaldo nach Deutschland Der Bäcker kommt bald aus Italien

Im Norden Brandenburgs suchen immer mehr Firmen Fachleute. In Italien dagegen stehen Fachkräfte auf der Straße. Die beiden Städte Neuruppin und Certaldo wollen nun beide zusammenbringen: Arbeitgeber mit offenen Stellen und Arbeitnehmer auf Jobsuche. Bäcker Norbert Janke aus Flecken Zechlin hofft so auf zwei Bewerber für seinen Betrieb.

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Per Videokonferenz haben die Neuruppiner am Freitag eine offizielle Vereinbarung für die Zusammenarbeit beid er Fachkräftesuche mit Certaldo abgeschlossen.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Für Norbert Janke könnte es die entscheidende Chance sein. 40 Mitarbeiter beschäftigt er in seiner Bäckerei in Flecken Zechlin. Dringend sucht Janke einen weiteren Bäcker, bisher vergeblich. In der Region konnte er keinen geeigneten Bewerber finden. Jetzt könnte Hilfe kommen – aus Neuruppins italienischer Partnerstadt Certaldo. Wenn alles gut geht, könnten schon wenigen Woche zwei Praktikanten aus der Toskana im Familienbetrieb in Flecken Zechlin anfangen. Und wenn auch das Praktikum gut läuft, haben sie gut Chancen auf einen festen Job.

Norbert Janke beteiligt sich als erster Unternehmer an einem Experiment, das die beiden Städte Neuruppin und Certaldo jetzt gestartet haben. „In der Region um Certaldo ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch“, sagt Neuruppins Baudezernent Arne Krohn. Fast jeder zweite Jugendliche und junge Erwachsene steht ohne Stelle da. In Brandenburg dagegen fehlen zunehmend Fachkräfte. Im vergangenen Oktober ist bei einem Besuch der Neuruppiner in Italien die Idee zu einem Austauschprogramm aufgekommen. Warum sollten nicht Arbeitnehmer aus Italien nach Neuruppin kommen und hier Arbeit finden? Jetzt, acht Monate später, sind die Hürden soweit genommen, dass die erste Arbeitnehmer aus Italien nach Deutschland kommen könnten.

In einer Videokonferenz haben Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Gode und sein italienischer Amtskollege Giacomo Cucini am Freitag eine offizielle Vereinbarung über die weitere Zusammenarbeit in diesem Bereich unterzeichnet.

Damit das überhaupt klappt, hat Neuruppin die Agentur für Arbeit eingeschaltet, die Industrie- und Handelskammer, die Zukunftsagentur des Landes. Zusammen mit Mitarbeitern der städtische Wirtschaftsförderung von der Inkom haben sie nachgefragt, welche Firmen eigentliche welche Fachkräfte suchen. Sieben Berufsgruppen haben die Neuruppiner dann ihren Partnern in Certaldo übermittelt, damit die mit Unterstützung ihres Arbeitsamtes schauen können, ob sie Bewerber finden: Mitarbeiter für die Kakaofabrik in Fehrbellin, medizinisch-technische Assistenten, Mechatroniker, Kraftfahrer, Mitarbeiter in der Gastronomie, Bauarbeiter und Bäcker.

Auf die Stelle bei Bäckermeister Janke habe sich 34 Bewerber gemeldet. Stadtverwaltung und Arbeitsamt in Italien haben die Gruppe soweit eingegrenzt, dass Janke schließlich sieben Bewerbungen bekam. Aus denen will er am Montag drei Kandidaten auswählen, die er nach Flecken Zechlin einlädt.

Janke hat Erfahrung mit Praktikanten aus dem Ausland. Im vergangene Jahr hatte er zwei junge Frauen aus Schweden in deiner Firma, in diesem Jahr zwei junge Finninen. Ihm ist bewusst, das es nicht reicht, den Bewerbern einen Job zu geben. „Dazu gehört auch das soziale Umfeld“, sagt er: Kontakt zu Kollegen, zu Vereinen. Einen Bewerber allein aus Italien würde er deshalb auch nicht einstellen, zwei sollten es schon sein. Hinzu kommt die Sprachbarriere, auch wenn in Certaldo die meisten Jugendliche schon in der Schule Deutsch lernen.. Um vieles muss sich ein Arbeitgeber kümmern, wenn die Beschäftigung über ein Einstiegspraktikum hinaus gehen soll. „Und wir nehmen das sehr ernst“, versichert Norbert Janke.

„Es ist ein Experiment und wir können noch nicht sagen, ob es gelingt“, warnt Arne Krohn. Ronald Vieweg von der Agentur von Arbeit in Neuruppin hofft, dass es klappt: „Gerade am Anfang ist das wichtig. Wenn Arbeitgeber sehen, dass ein solchen Austausch funktioniert, melden sich vielleicht noch mehr von ihnen mit offenen Stellen. Mit offenen Stellen, für die in Deutschland keine Bewerber zu finden sind – darauf legen alle Beteiligten besonderen Wert.

Kontakt: Firmen, die Interesse an dem Austauschprogramm haben, können sich an die Inkom wenden.

Von Reyk Grunow

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