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Fachtag in Neuruppin zu Gewalt gegen Kinder

Neuruppin Fachtag in Neuruppin zu Gewalt gegen Kinder

Jedes Jahr betreut das Sozial-Therapeutische Institut Berlin-Brandenburg (Stibb) 350 bis 380 Fälle, in denen es um sexuelle Gewalt an und unter Kindern geht. Wie man mit diesem Thema umgehen sollte, darum ging es am Freitag bei einem Fachtag zum Kinderschutz in Neuruppin. Organisiert wurde dieser von künftigen Erziehern.

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Robert Müller vom Stibb (l.) und Chefarzt Michael Kölch von den Ruppiner Kliniken.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Das Fazit, das Robert Müller am Freitag nach viereinhalb Jahren Bundeskinderschutzgesetz zog, war ernüchternd. „Wir beraten Jahr für Jahr 350 bis 380 Fälle, in denen es um sexuelle Gewalt an und unter Kindern geht. Daran hat sich nichts geändert“, sagte der stellvertretende Leiter des Sozial-Therapeutischen Instituts Berlin-Brandenburg (Stibb) beim Fachtag Kinderschutz.

Sexuelle Gewalt sieht man nicht

Seit der Gründung des Stibb vor 22 Jahren hat sich demnach an der Menge der Fallzahlen nichts geändert. Für Müller ist das wenig überraschend. Gehen doch Experten davon aus, dass in Deutschland etwa eine Million Kinder von sexueller Gewalt betroffen sind. „Sexuelle Gewalt sieht man nicht“, sagte Müller. Hinzu komme, dass Kindern oft nicht geglaubt werde. Laut einer Untersuchung muss ein Kind acht oder neun Personen ansprechen, bevor ihm Gehör geschenkt wird. Müller riet deshalb den angehenden Erziehern der Berufsschule Agus/Gadat in Neuruppin, die den Fachtag organisiert hatten, stets genau hinzuhören und so eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, das diese ihnen vertrauen. Nur so könnten die Fälle von sexueller Gewalt überhaupt ans Licht kommen.

Mehr Verdachtsfälle in Ostprignitz-Ruppin gemeldet

In Ostprignitz-Ruppin sind dem Jugendamt in den vergangenen Jahren immer mehr Verdachtsfälle gemeldet worden, dass das Wohl eines Kindes gefährdet sein könnte: 2013 gab es 69 Meldungen, 2014 waren es 110, 2015 mehr als 120. Stefanie Kleine von der Stabsstelle Kinderschutz wertet den Anstieg als Indiz dafür, dass die Sensibilität für das Thema gestiegen ist. Das Jugendamt geht jeder Meldung nach, nicht immer lag eine Gefährdung des Kindes vor. Doch der Trend ist eindeutig: Während im Jahr 2011 bundesweit 38 500 Kinder aus den Familien genommen wurden, weil sie dort gefährdet waren oder zumindest nicht richtig geschützt wurden, waren es 2014 bereits 48 000 sogenannte Inobhutnahmen, sagte Michael Kölch, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Neuruppiner Krankenhaus. Kölch verwies zudem darauf, dass das Risiko für Kinder und Jugendliche, Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt zu werden, in Schulen, Heimen und Kirchen deutlich höher ist als in Familien. Deshalb müsse jede Institution ein Schutzkonzept samt Beschwerdemanagement schaffen, das Konzept regelmäßig überarbeiten und auch eine erfahrene Fachkraft beschäftigen. „Nicht jeder Verdacht bestätigt sich“, betonte Kölch. Die erfahrene Fachkraft soll herausfinden, was wahr ist.

Unterricht bei offenen Türen

„Gewalt gibt es in allen Schichten“, sagte Dirk Kilian von der Jugendhilfe Rabenhorst. Um Übergriffe auf Kinder zu verhindern, wird in den Einrichtungen von Rabenhorst stets bei offenen Türen unterrichtet. Außerdem sind selbst bei persönlichen Gesprächen mit einem betreuten Kind und Jugendlichen immer zwei Erzieher dabei. In den stationären Einrichtungen wird demnach zudem darauf geachtet, dass in den Nächten Mädchen von Frauen und Jungs von Männern betreut werden. Das setzt ausreichend Personal voraus.

Dirk Kilian von der Jugendhilfe Rabenhorst berichtete äußerst anschaulich aus seinem Alltag

Dirk Kilian von der Jugendhilfe Rabenhorst berichtete äußerst anschaulich aus seinem Alltag. „Erzieher muss man sein wollen.“

Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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