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Fahrlehrer befürworten Führerschein mit 15

Pritzwalk Fahrlehrer befürworten Führerschein mit 15

Mit dem Moped oder Motorroller zur Schule dürfen nun auch Jugendliche ab einem Alter von 15 Jahren. Brandenburg nimmt seit Mai an einem entsprechenden Modellprojekt teil. Dass die Senkung des Mindestalters eine sinnvolle Sache ist, davon ist Jan Scholz vom Fahrlehrerverband überzeugt. Im MAZ-Interview erklärt er die Vorteile, die das Projekt Jugendlichen verschafft.

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Mit dem Motorroller zur Schule können Jugendliche in Brandenburg nun mit 15 Jahren. Gleiches könnte ab 2018 auch bundesweit gelten.

Quelle: dpa

Pritzwalk. Seit 1. Mai können Jugendliche in Brandenburg nun schon ab einem Alter von 15 Jahren den Mopedführerschein (Klasse AM) in Angriff nehmen. Zuvor war das erst ab einem Alter von 16 Jahren möglich. Möglich wurde die Neuerung, weil sich Brandenburg vor mehreren Wochen für ein Modellprojekt, das seit vier Jahren bereits erfolgreich in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen läuft, beworben hatte. Nun nimmt auch die Mark am Projekt, das noch bis April 2018 laufen soll, teil. Die MAZ sprach mit Jan Scholz über das Modellprojekt und seine Vorteile für Jugendliche in der Prignitz und im Ruppiner Land. Jan Scholz ist Vorsitzender der Kreisgruppe Prignitz-Ruppin im Landesfahrlehrerverband und Fahrlehrer in Pritzwalk.

MAZ: Ist der Führerschein ab 15 Jahren für Fahrzeuge bis zu 45 Stundenkilometern grundsätzlich eine gute Sache für Jugendliche in Brandenburg?

Jan Scholz : Ja, absolut. Die heutige Jugend definiert Mobilität deutlich anders, als wir es vor zwanzig oder gar zehn Jahren gesehen haben. Mobil im herkömmlichen Sinne zu sein, ist nicht mehr unbedingt ein vorrangiges Ziel. Die Generation der 15-Jährigen will aber mehr und mehr unabhängig von den Eltern werden. Gerade in unserem Flächenbundesland ist dieses der erste Schritt. Diejenigen, die AM15 machen, haben es sicherlich danach auch leichter, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden, wenn sie den B-Führerschein machen. Angerechnet wird lediglich eine verkürzte Theorieausbildung. Probezeitverkürzung gibt es nicht. Für uns als Fahrschule wird dadurch AM wieder interessanter als Ausbildungsklasse. Derzeit machen diese Klasse nämlich sehr wenige, da AM ja im B Schein mit enthalten ist.

Ein solches Modellprojekt läuft ja seit vier Jahren ziemlich erfolgreich in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Ermutigen solche Beispiele auch für einen Erfolg in Brandenburg?

Dass AM15 in Brandenburg ein Erfolg wird, da bin ich mir sicher. Soweit ich die Erkenntnisse habe, gibt es keine Auffälligkeiten oder erhöhte Unfallzahlen.

Warum wäre der Führerschein mit 15 gerade in der Prignitz und im Ruppiner Land von Vorteil?

Wie ich eingangs schon erwähnt hatte, definieren Jugendliche „ihre Mobilität“ anders. Facebook, WhatsApp und andere Social Media machen sie jetzt schon früh unabhängig. Ich persönlich glaube aber, wenn Fünfzehnjährige die Möglichkeit bekommen, ein Moped fahren zu dürfen, wird sich das langfristig durchsetzen.

Gibt es denn Bedarf Seitens der Jugendlichen?

Wir hatten schon erste Anfragen am Anfang des Jahres. Gerade als es durchsickerte, dass AM15 in Brandenburg kommt. Erste Anmeldungen können wir aktuell schon verzeichnen.

Wie ist die Nachfrage beim Führerschein mit 16? Ist sie gesunken, weil dieser auch mit 17 für die B-Klasse möglich ist?

AM in der herkömmlichen Form war tatsächlich recht gering gefragt. Aus meiner langjährigen Arbeit könnte ich einen kontinuierlichen Rückgang verzeichnen. Seit BF17 (Begleitetes Fahren mit 17) lohnte es sich finanziell auch nicht mehr, diese Klasse noch zu machen. Es wurde dann gewartet und gleich BF17 gemacht.

Seit 2013 erfolgreich in Mitteldeutschland

Schon Zu DDR-Zeiten war es möglich, den Mopedführerschein mit 15 zu absolvieren. In der Bundesrepublik galt hingegen das Mindestalter von 16 Jahren.

Mit dem Führerschein der Klasse AM dürfen Fahrzeuge mit einem Hubraum von bis zu 50 Kubikzentimetern und einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 Stundenkilometern gefahren werden. Ausnahme ist laut Jan Scholz die klassische Schwalbe aus DDR Zulassung. Diese darf noch mit 60 Stundenkilometern bewegt werden.

Seit 2013 läuft das Modellprojekt AM15 bereits in den mitteldeutschen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Projekt ist auf fünf Jahre begrenzt und wird wissenschaftlich begleitet. Nach seinem Auslaufen soll darüber entschieden werden, ob der Führerschein mit 15 künftig auch bundesweit möglich sein wird.

Weit über 5000 Jugendliche haben in Sachsen-Anhalt seit 2013 schon den Mopedführerschein mit 15 gemacht. Das dortige Landesverkehrsministerium zog jüngst eine positive Bilanz der vergangenen vier Jahre.

Neben Brandenburg will auch Mecklenburg-Vorpommern am Modellprojekt teilnehmen. Der Schweriner Landtag hatte im April für eine Herabsenkung der Altersgrenze des Mopedführerscheins gestimmt und die Landesregierung mit den Verhandlungen betraut.

Welche Risiken sieht der Verband hingegen auch in dem Vorhaben?

Derzeit würde ich sagen, dass keine erhöhte Unfallgefahr bestehen wird. Langfristig wird das sogar sehr förderlich sein, junge Menschen so frühzeitig an den komplexen Straßenverkehr heranzuführen. Wie hingegen Schulen oder Berufsbildungsstätten auf ein eventuelles erhöhtes Mopedaufkommen reagieren werden, vermag ich nicht zu beantworten.

Das Modellprojekt ist bis April 2018 begrenzt. Danach soll entschieden werden, ob der Führerschein mit 15 bundesweit und dauerhaft eingeführt wird. Plädieren die Fahrlehrer in der Region dafür?

Sollte sich in der Evaluation zeigen, dass der Modellversuch ein Erfolg war, hoffe ich auf eine schnelle Bundesweite Einführung des AM15. Ich persönlich stehe diesem Modellversuch positiv gegenüber. Und aus der Kollegenschaft ist mir bis dato auch noch nichts Negatives zu Ohren gekommen.

In der DDR konnten Jugendliche den Mopedführerschein ebenfalls schon mit 15 machen. Haben Sie damals die Gelegenheit genutzt?

Ich habe meinen Führerschein erst mit 16 gemacht. Das war damals 1989 im Westen nicht anders möglich. Da haben wir schon etwas neidisch in den Osten geschaut.

Von Christian Bark

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