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Fair-Trade ist auf dem Vormarsch

Handel in Prignitz und Ruppin Fair-Trade ist auf dem Vormarsch

Transparenz und gerechte Löhne sind mit die Grundpfeiler des fairen Handels. Immer mehr solcher fair gehandelten Produkte erreichen die Verbraucher in der Prignitz und im Ruppiner Land. Nicht zuletzt durch die Weltläden in der Region sowie das wachsende Warenangebot der Discounter. Doch trotz beachtlicher Umsätze bleibt die Branche bundesweit nur eine Nische.

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Bärbel Kleber hilft ehrenamtlich im Welt-Laden Wittstock aus. Privat kauft sie auch fair gehandelte Produkte.

Quelle: Christian Bark

Wittstock/Pritzwalk. Dutzende Zwischenhändler, die den Gewinn für die ursprünglichen Erzeuger in den Schwellenländern minimieren, werden so weit wie möglich ausgespart – Transparenz im Produktionsprozess und Erlöse, von denen die Erzeuger leben sowie ihre Kinder zur Schule schicken können, ist das Grundprinzip des gerechten Handels „Fair-Trade“. Und das Bewusstsein der Verbraucher beim Wareneinkauf scheint immer mehr in diese Richtung zu tendieren. Im vergangenen Jahr konnte die Branche mit einem bundesweiten Gesamtumsatz von 978 Millionen Euro einen Zuwachs von 18 Prozent im Vergleich zu 2014 erzeilen, wie die Entwicklungshilfeorganisation Transfair aus Köln mitteilt.

Auch in der Prignitz und im Ruppiner Land dringen die Fair-Trade-Produkte unaufhaltsam in die Verbraucherhaushalte. Dafür sorgen nicht zuletzt die vier Eine-Welt-Läden in der Region. „Wir haben uns mittlerweile in der Innenstadt etabliert“, berichtet Hadmut Stier vom Weltladen in Pritzwalk. In den vergangenen 14 Jahren seit seiner Gründung habe der Laden ständig Kunden dazu gewonnen und sei zu einem beliebten Anlaufpunkt zum Stöbern geworden.

Auch aus Guatemala gibt es Traumfresser im Weltladen, zeigt Marion Duppel

Auch aus Guatemala gibt es Traumfresser im Weltladen, zeigt Marion Duppel.

Quelle: Christian Bark

Ende April hat ein weiterer Weltladen seine Pforten für Kunden geöffnet – der in Wittstock. „Anfangs war das Interesse der Leute sehr groß“, erinnert sich Bärbel Kleber, die ehrenamtlich in dem Laden aushilft. Mittlerweile sei dieses zwar wieder etwas abgeflacht, aber der Laden baue sich so langsam seinen Kundenstamm auf. Dazu gehört auch Kleber selbst, wie sie sagt. „Wenn ich die Produkte verkaufe, muss ich doch auch wissen, wie sie schmecken“, schmunzelt sie. Ein Grund für das derzeit verhaltene Interesse der Wittstocker am Weltladen könnte Kleber zufolge auch das Unwissen über die Branche sein. „Die Leute wissen nicht, was das für Produkte sind und denken, dass diese überteuert wären.“

Siegel ist nicht gleich Siegel

Stimmt alles gar nicht, wie Marion Duppel vom diakonischen Trägerverein des Ladens „Einsetzen statt Aussetzen Ruppin“ (Esta) aus Neuruppin weiß. „Die Schokolade kostet nicht mal soviel, wie eine der Marke Lindt“, erklärt sie. Außerdem seien die Siegel strengstens kontrolliert. „Solche Fair-Trade-Siegel gibt es mittlerweile auch schon für europäische Produkte“, sagt Duppel. Zum Beispiel dann, wenn die Ware in einer Behindertenwerkstatt verpackt wird. Allein beim Transport gebe es leider noch keine 100-prozentige Fairness, wie die Esta-Promoterin moniert. Und überhaupt existierten auf dem Markt gravierende Unterscheide bei der Verwendung einzelner Siegel. Zum Beispiel werde das „Fair -Trade-Siegel“ bereits vergeben, wenn nur ein bestimmter prozentualer Anteil des Gesamtprodukts fair gehandelt sei. Das sei bei dem Siegel der Firma Gepa, von der ein Großteil des Wittstocker Warensortiments stamme, strenger.

Ob dieser Mann wirklich die Kakaobohnen geerntet hat, wie auf der Schokoladentafel suggeriert

Ob dieser Mann wirklich die Kakaobohnen geerntet hat, wie auf der Schokoladentafel suggeriert?

Quelle: Christian Bark

„Die Siegelvielfalt kann manchmal schon verwirren“, weiß auch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. Da gebe es zum Beispiel das UTZ-Siegel, was bei Schokoladenprodukten auf ökonomische, soziale und ökologische Standards des Herstellungsprozesses hinweise. Es setze aber im Gegensatz zum Fair-Trade-Siegel keine Mindestverkaufspreise für Ware fest, sondern überlasse die Preisbildung dem Markt. Busch-Petersen zeigt sich im MAZ-Gespräch erfreut über den Verbrauchertrend zum bewussteren Einkaufen , weiß aber auch, dass selbst die 978 Millionen Jahresumsatz der Branche nur einen Bruchteil des über 400 Milliarden schweren Gesamtumsatzes des Handels ausmachen.

Große Discounter helfen der Branche

Dass die Fair-Trade-Branche so auf dem Vormarsch sei, verdanke sie hingegen weniger den Weltläden als vielmehr den großen Discountern. „Die sind nämlich schon vor Jahren mit auf den Zug aufgesprungen“, informiert der Hauptgeschäftsführer. Bei aller Siegelvielfalt schaffe man so beim Verbraucher größeres Vertrauen und zugleich die Basis für den Massenkonsum solcher Produkte. „Es sind keine Elitenwaren mehr, weil mittlerweile auch Discountprodukte ein Gütesiegel besitzen“, sagt Busch-Petersen.

Auch große Discounter sind auf den Zug aufgesprungen

Auch große Discounter sind auf den Zug aufgesprungen.

Quelle: Christian Bark

„Wir sind nur eine Nische und werden es wohl auch künftig bleiben“, blickt Hadmut Stier in die Zukunft. Trotzdem könne Ware, die derart personalisiert ist, weil sie eben ein Bild und die Geschichte von Kaffee- oder Kakaobauern zeigten, das Verbrauchergewissen beruhigen und so vielleicht auch den Geschmack zumindest mental verbessern.

„Weltläden sind ja auch ein Ort sozialer Zusammenkunft", sagt Marion Duppel. Im Gespräch mit den Verkäufern könnten Kunden oft mehr über die einzelnen Produkte erfahren als in den großen Discountern. Denn die zum Großteil ehrenamtlichen Mitarbeiter der Weltläden würden regelmäßig geschult. „In Wittstock wird eine Fair-Trade-Beraterin demnächst über den Anbau und Verkauf von Kaffee berichten“, kündigt Duppel an. Interessierte seien herzlich eingeladen.

Service: Der Kaffee-Vortrag findet am Donnerstag, 7. Juli, zwischen 14 und 18 Uhr im Weltladen Wittstock, Gröperstraße 20, statt.

Von Christian Bark

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