Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Fangerfolge beim Angeln auch für Flüchtlinge

Integration am Wasser Fangerfolge beim Angeln auch für Flüchtlinge

Den Landesanglerverband erreichten Informationen aus einigen Regionen Brandenburgs über angelnde Asylbewerber – so auch aus Wusterhausen. Der Verband reagiert und fordert, die Menschen über die Vereine ans Thema heranzuführen, damit sie mangels Wissen nicht unverhofft zu Straftätern werden oder es gar zur Zwietracht mit anderen Anglern kommt.

Voriger Artikel
Kugelbomben in der Ruppiner Heide gesprengt
Nächster Artikel
Ein Votum für die Landwirtschaft

Zum Angeln braucht es neben der Fischereiabgabemarke eine Gewässerkarte, im Idealfall die des DAV.

Quelle: dpa

Wusterhausen. Es kreischt über den Köpfen von Filmon und Awet. Nicht Kampfjets düsen dort oben am Himmel über sie hinweg. Graugänse sind es auf ihrem Weg gen Süden, auf dem Weg in eine Richtung, aus der sich die beiden Eritreer vor einer ganzen Weile erst aufgemacht hatten. Jetzt sitzen Filmon und Awet am Klempowsee bei Wusterhausen. Hinter ihnen steht das Flüchtlingsheim, in dem sie untergebracht sind.

Sie sehen wieder aufs Wasser und beobachten weiter ihre Posen. Einen Fisch konnten sie noch nicht landen, diese beiden jungen Afrikaner, die ihre richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung sehen wollen und ein Foto damit auch nicht. Es könnte ja Ärger geben. Ohne die nötigen Anglerdokumente könnten sie schließlich kurzerhand zu Straftätern erklärt werden, denn Fischwilderei ist kein Kavaliersdelikt (siehe Infobox). Darüber hinaus gibt es etliche Regeln beim Fischen zu beachten. Doch das müssen Menschen wie Filmon und Awet, die sich mit jeweils gebrochenem Englisch durchschlagen, erst mal wissen.

„Es gibt den einen oder anderen, der sich Angelzeug kauft wie Würmer, Haken und Posen, aber sich bestimmt nicht die nötigen Papiere besorgt. Nur in einem Fall gehe ich davon aus, dass er alles korrekt macht“, berichtet Heiko Schramm. Sein Geschäft für Garten- und Angelgeräte befindet sich vom Heim nur ein paar Rutenwürfe entfernt. Schramm ist Vize-Vorsitzender des rund 220 Mitglieder zählenden Anglervereins „Wusterhau­sener Petri Jünger“. Das Vereinsheim steht an der anderen Uferseite des Klempowsees.

Vereinschef Roland Schütze sagt, dass bislang noch kein Flüchtling auf ihn mit Bitte um Aufnahme zukam. Und wenn, wäre das nicht so einfach angesichts eines Jahresmitgliedsbeitrags von 83 Euro. „Wir können auch für Hartz-4-Empfänger nichts vergünstigen. Allein die im Beitrag einbegriffene DAV-Karte hat nun mal ihren einheitlichen Preis“, sagt Schütze.

Doch Vereine wie der Wusterhausener sind es, die der Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbands Brandenburg, Andreas Koppetzki, kürzlich in einem Schreiben aufforderte, bei der Inte­gration von Flüchtlingen mitzuhelfen. „Aus einigen Regionen unseres Landes erreichen uns Informationen, dass Asylbewerber beim Angeln angetroffen werden. Bei der Fülle der zu erledigenden Aufgaben ist bisher kaum eine Behörde dazu gekommen, sich dieses Themas anzunehmen“, schreibt Koppetzki. Eine dieser Regionen ist die Ostprignitz.

Hinweisen von Bürgern nachgegangen

„Ich habe mich nach Bürgerhinweisen in Wusterhausen informiert und bin der Sache nachgegangen. Dabei fiel auf, dass es nicht immer nur Flüchtlinge waren, die angelten, sondern wohl andere ausländische Mitbürger mit ihren Autos dort anreisten und als Angler auffielen. Das muss man auseinanderhalten“, erzählt Andreas Sidow von der Unteren Fischereibehörde des Kreises Ostprignitz-Ruppin. Dennoch kontaktierte er den Landesverband. Es ging darum, wie Asylsuchende die nötigen Infos erhalten können. „Fatal wäre es, wenn sie nur aus Unwissenheit Probleme bekommen“, sagt Sidow. Ein Weg war es nun, über die Heimbetreuung den Bewohnern die Angelvorschriften zu erklären und darüber zu informieren, welche Konsequenzen bei Zuwiderhandlung drohen. Ein Auge zudrücken und Flüchtlinge nicht zu belangen, wäre der falsche Weg. „Das schürt nur Neid und Zwietracht“, sagt Sidow.

Bei der jüngsten Delegiertenkonferenz des Landesanglerverbandes sei sich zudem darauf verständigt worden, dass es keine Ermäßigungen geben wird. Der Verband als Fischereirechtinhaber auf der Seenkette wie auch allen anderen sogenannten DAV-Gewässern hätte dies zwar so regeln können. Doch es gehe bei der Integration der Flüchtlinge eben nicht einfach darum, etwas zu schenken oder zu erlassen, sondern beim Erwerb der Voraussetzungen zu helfen und zu vermitteln, was am Wasser untersagt ist und was nicht. „Es ist nicht anzunehmen, dass Asylsuchende, die der Angelei in einem Verein nachgehen wollen, von diesem erwarten, in finanzieller Weise begünstigt zu werden. Die größere emotionale Wirkung erzielt sicherlich die Vermittlung des Gefühls, willkommen zu sein“, glaubt Andreas Koppetzki. Trotz Verständigungsproblemen dürfte „mit gutem Willen die Vermittlung von Kenntnissen zu Fischarten, Schonzeiten und Maßen nicht realitätsfremd sein“, sagt er mit Verweis etwa auf die Broschüre „Friedfischangeln ohne Fischereischein“ des Landwirtschaftsamts.

Fingerspitzengefühl ist bei Kontrollen gefragt

Andreas Sidow will die rund 70 ehrenamtlichen Fischereiaufseher im Landkreis nun dazu anhalten, „mit Fingerspitzengefühl“ bei ihren Kontrollen vorzugehen, die Angler objektiv und fair zu behandeln. „So, wie wir das auch gegenüber Kindern oder ahnungslosen Urlaubern machen.“ Ermahnungen seien da möglich. Der Umgang mit Flüchtlingen wird laut Sidow zudem Thema sein bei der nächsten Jahresversammlung der Aufseher, die stets Ende Februar, Anfang März erfolgt und in der Regel immer auch eine Schulung ist.

Derweil dürfte es im Winter nun weniger der neuen Gastangler am Wasser zu sehen geben. Im Frühjahr aber wird sich das ändern, ist sich Sidow sicher. Und vielleicht sind auch Filmon und Awet mit dann allen notwendigen Dokumenten, so sie das Geld dafür aufbringen konnten, wieder dabei zu der Zeit, wenn die Graugänse zurückkehren.

Nichts geht ohne Dokumente

Um angeln zu dürfen, benötigt man in Brandenburg für das jeweilige Gewässer eine Erlaubniskarte. Beim Klempowsee wäre das die Jahreskarte des DAFV für 85 Euro, die Wochenkarte für 25 oder die Tageskarte für 13 Euro. Dazu muss die Fischereiabgabe gezahlt werden. Sie kostet 12 Euro im Jahr.

Wer Raubfischen nachstellen will, also mit speziellen Ködern angelt, benötigt einen Fischereischein. Für diesen ist eine Prüfung abzulegen. Zudem ist ein Fangbuch beim Angeln mitzuführen.

Ohne diese Dokumente wird man bei einer Kontrolle nicht nur zu Kasse gebeten, sondern hat ein Strafverfahren zu erwarten, da es sich bei Fischwilderei um keinen Kavaliersdelikt handelt. Für Flüchtlinge wäre das im Hinblick auf ihr Aufenthaltsrecht fatal.

Von Matthias Anke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg