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Fehrbellin Betriebsausflug in die Kakaofabrik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Betriebsausflug in die Kakaofabrik
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13:56 07.12.2018
Beim MAZ-Betriebsausflug in der Fehrbelliner Kakaofabrik Tulip Cocoa gab es jede Menge Technik zu bestaunen. Quelle: Peter Geisler
Fehrbellin

Man kann den Kakao riechen, bevor man ihn sieht. Und das verstärkt sich noch, wenn man eintritt. Der süßliche Geruch umweht einen mal stärker, mal schwächer – je nachdem, in welchen Räumen der Kakaofabrik man sich aufhält. Für 15 MAZ-Leser war es am Mittwoch ein spannendes Vergnügen, die Produktionsräume des Unternehmens Tulip Cocoa zu erleben. Möglich war das innerhalb des Betriebsausflugs von MAZ und REG. Selbst Landrat Ralf Reinhardt war gespannt auf die Produktionsräume, in die Besucher sonst nicht hineinkommen.

Wie aus Kakaobohnen Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver entsteht, erfuhren MAZ-Leser beim Betriebsausflug in die Kakaofabrik von Tulip Cocoa in Fehrbellin.

Bevor es soweit war, gab es einen kurzen Einblick ins Unternehmen und die Welt des Kakaos. Seit die Vorgängerfirma Insolvenz anmeldete und die Mitarbeiter der Fabrik um ihre Arbeitsplätze bangten, ist einiges geschehen. Mitte 2017 übernahm die weltweit agierende ECOM-Gruppe die Fabrik, die nun – samt ihrem Schwesterwerk in Velten – unter Tulip Cocoa firmiert und weiterhin Kakaobutter, Kakaopulver und flüssige Kakaomasse herstellt und veredelt. ECOM betreibt weltweit sieben Kakao-Produktionshäuser – „eines in der Weltstadt Fehrbellin“, scherzt General Manager Anne Berges.

Kakao, so erfahren die Besucher, wird aus Kakaobohnen gewonnen, die überwiegend in Afrika, Südasien und Südamerika wachsen. Hauptproduzent ist Elfenbeinküste. Einst haben die Azteken den Kakaobaum „entdeckt“ und geschätzt. Der Begriff Schokolade stammt daher – xocóatl bedeutet Bitterwasser. Und wirklich, wenn man den 100-prozentigen flüssigen Kakao kostet, schmeckt er bitter und kein bisschen süß.

Tulip Cocoa Fehrbellin gehört zur weltweit agierenden ECOM-Gruppe

Die Bohnen werden traditionell mit der Machete geerntet und in die Verarbeitungsbetriebe geliefert. Täglich rollen in Fehrbellin die Laster mit Säcken voller Kakaobohnen ein. Die Bohnen kommen zuerst in den „roten Bereich“. Hier werden sie von der Schale befreit und grob zerkleinert. „Außerdem holen wir immer echte Schätze und Geschenke heraus“, erklärt Werkleiter Uwe Daniel, der eine Besuchergruppe führt. „Geschenke“ sind meist Steine, die das Gewicht des Sackes pushen sollen – manchmal aber auch Machetenspitzen. Kakao ist börsennotiert, ist weiter zu erfahren. Die Börsenkurse müssen also in Fehrbellin immer im Blick behalten werden.

Im Werk wird aus den Bohnen flüssige Kakaomasse gewonnen, mit der die Süßwarenindustrie beliefert wird. Weiterhin wird aus der Masse die Kakaobutter ausgepresst, die ebenfalls ein Halbfabrikat für die Lebensmittelindustrie ist. Der beim Pressen abfallende sogenannte Presskuchen, feiner Kakao-Puder, findet ebenfalls seine Abnehmer. Die Schalen werden zu Tierfutter und die „geschenkten“ Steine dem Straßenbau zugeführt. „Wir haben quasi keine Abfälle“, so Uwe Daniel.

Im Werk werden aus Kakaobohnen Kakaopulver und Kakaobutter hergestellt

Die entschalten, zerkleinerten Bohnen, die sogenannten Nibs, werden bei 800 Grad geröstet – um die Aromastoffe zu erschließen. Bis dahin werden sie auch debakterisiert und unerwünschte Aromen entzogen. „Die Schalen sind bakteriell hochbelastet“, erklärt Uwe Daniel. Deswegen ist – nicht nur für die Kakaobohnen – auch höchster Hygiene-Standard angesagt, wenn es in den keimfreien „weißen Bereich“ geht, den die Besucher in laufender Produktion erleben dürfen. Kittel, Haarschutz, Bartnetz für die Männer, Gummiüberschuhe. Dann Händewaschen wie die Chirurgen im Operationssaal: Seifenspender, Waschen, Desinfizieren. Erst dann gehts durch die Schleuse.

Tropische Hitze umwallt die Besucher. Außerdem ist es laut. Die Besucher müssen dicht dran, um die Guides Uwe Daniel, Steffen Scheffel und Ronny Homuth zu verstehen. Erste Station sind die Mühlen – Schlagmesser- und Kugelmühlen – in der die Kakaobohnen entschalt, gebrochen, geröstet und am Ende extrem fein vermahlen werden. „Zu 99,5 Prozent zerkleinert“, erklärt Uwe Daniel. Das Prinzip der Kugelmühlen ist verblüffend, die Kakaomasse wird mit Druck durch viele, rund 6 Millimeter kleine, rotierende Stahlkügelchen gepresst. „Was schätzen Sie, was da reinpasst?“, fragt Daniel und liefert die Antwort: Zwei Tonnen. Das erzeugt viel Hitze.

Kakaobutter muss geruchs- und geschmacksneutral sein

Am Ende fällt das feine Kakaopulver durch ein Sieb – regelmäßige mikrobiologische Proben im Labor sind Standard. Das verflüssigte Pulver wird über Rohre in sieben hydraulische Pressen gepumpt. Mit starken 550 Bar wird die Kakaomasse durch Filtergewebe gepresst und ihr so die Kakaobutter abgerungen, der später in einem Kessel mit Vakuum die Geschmacksstoffe abgesaugt werden. Reine Kakaobutter muss geschmacks- und geruchsneutral sein. Später kann sie noch veredelt werden. Übrig bleibt der Presskuchen – feines Kakaopulver – das in Big Bags geschüttet und später in 25-Kilo-Säcke abgefüllt wird.

Jetzt kommt der gelbe Mitarbeiter ins Spiel: „Immer gut gelaunt, trotz Rund-um-die-Uhr-Schicht“, lobt Uwe Daniel den Roboter, der die Säcke greift und auf Paletten stapelt. Noch bis 2005 haben diese Arbeit Männer erledigt.

Die MAZ-Leser staunen und haben viele Fragen. Auch die Kostprobe am Ende des Rundgangs verblüfft: „Die Leute erwarten immer etwas völlig anderes“, schmunzelt Uwe Daniel und reicht das Becherchen herum: 100-prozentige flüssige Kakaomasse. Sieht aus wie heiße Schokolade – ist aber extrem bitter. Eben echter Kakao, der legendäre Aztekentrunk.

Von Regine Buddeke

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