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Fehrbellin Noch mehr zum Staunen in 3D
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Noch mehr zum Staunen in 3D
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18:25 07.06.2018
Peter Maria Stajkoski mit einer handgefertigten Stereokamera und einem Betrachter von Jules Richard von 1890. Quelle: Peter Geisler
Lentzke

So also sah das Berliner Stadtschloss einmal von innen aus. Peter Maria Stajkoski zeigt es seit Kurzem in seinem Stereo-Museum in Lentzke bei Fehrbellin auf drei großen Wandbildern – als Anaglyphen. Durch das dreidimensionale Bild hat der Betrachter das Gefühl, er stehe mittendrin in den hoheit­lichen Gemächern. Natürlich muss er dafür die passende Brille mit rot-blauen Gläsern aufsetzen.

Die Berliner Schloss-Ansichten befinden sich in einem neuen Teil des Lentzker Stereo- und Aktmuseums. „Da meine Sammlung gewachsen ist, musste ich erweitern“, sagt Kurator Peter Maria Stajkoski. „Rund 450 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind es jetzt, verteilt auf zwei Stockwerke.“

Stereo-Aktbilder in einer Vitrine des Museums. Quelle: Peter Geisler

Stajkoskis Museum ist das größte für dreidimensionale Fotografie in Deutschland. Aus reiner Leidenschaft sammelt der Fehrbelliner seit 45 Jahren historische Stereo-Betrachter und -Kameras, Entwicklungstechnik, Fachliteratur und Stereo-Bilder. Manche sind Akte, manche Industrieaufnahmen, Städte- oder Landschaftsfotos.

Der Museumsinhaber zeigt auf vermeintliche Bücher. „Das sind Buchhüllen, in denen Stereobilder stecken. Diese standen früher in den Bibliotheken der feinen Herrschaften“, verrät der 75-Jährige. „Saß man in Gesellschaft zusammen, betrachtete man gemeinsam Stereo-Bilder, zeigte sozusagen sein Haus, seine Ländereien, seine Frau.“

Aufnahme des Berliner Stadtschlosses als Stereobild. Quelle: Peter Geisler

Fortlaufend kommen bei Peter Maria Stajkoski neue Geräte, Bilder, Fachbücher hinzu. 25 Jahre war er beruflich oft in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Auf seinen Reisen stöberte er in Antiquitätengeschäften. „Dabei habe ich mir viele Kontakte aufgebaut“, erzählt der Stereo-Sammler. Diese Quellen zapft er heute noch an, durchforstet akribisch das Internet, holt Angebote ein, besucht Ausstellungen und Museen, ständig auf der Suche nach neuen Schätzen für seine optische Erlebniswelt in Lentzke. Auch seine Stereo-Kamera, die er als 18-Jähriger bekam, steht unter den Exponaten.

Ein alter Apparat der Firma Ernemann

„Allein 30 bis 40 Kameras habe ich im letzten Jahr erstanden“, sagt der Kurator, der auch selbst fotografiert. Die neuen Raritäten stehen in drei Vitrinen im erweiterten Bereich des Museums. Da wäre unter anderem ein alter Apparat der Firma Ernemann aus Dresden mit austauschbaren Objektiven. „Er ist Stereo-Kamera und normaler Fotoapparat in einem. Da man damals nicht wusste, ob Stereo allein gut bei den Kunden ankommt.“

Ein seltener Stereoprojektor von Jules Richard. Quelle: Peter Geisler

Muss so gewesen sein, denn allein Peter Maria Stajkoski hat zig Tausend Stereo-Bilder zusammengesammelt: „Um die 35 000 Stück habe ich. Manche zeige ich im Museum, viele lagern im Haus.“ Die Fotos entstanden ab 1850.

„200 originale Aktbilder, zwischen 1855 und 1910 aufgenommen, habe ich in diesen Stereo-Betrachtungsautomaten gefüllt.“ Stajkoski geht auf ein edles Standgerät aus Holz zu, das sich neben den Berliner-Schloss-Ansichten befindet. „Er stammt aus Frankreich. Ich hatte ihn für eine Ausstellung der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft aufbereitet.“ Der Kurator wollte den Studierenden zeigen, dass die Aktfotografie kein Ding der Neuzeit ist. „Mit Beginn der Fotografie begann auch die erotische Fotokunst.“

50 Bilder gab es für einen Penny zu sehen

Etwa 20 Stereo-Betrachtungsautomaten stellt Stajkoski in seinem Museum aus, ab 1860 bis in die Neuzeit. Teilweise können Besucher sie sogar bedienen wie das Gerät von 1910 aus Amerika, das auf Jahrmärkten stand. „50 Bilder gab es für einen Penny zu sehen.“ Auch der Doppelbetrachter der Firma Becker ist relativ neu: „Er ist von 1855 und enthält 144 Aufnahmen. Auf der einen Seite können sich Männer an erotischen Bildern erfreuen, gegenüber sich die ahnungslosen Frauen durch harmlose Bilder drehen.“

Mehr als 270 kleine Hand-Stereobetrachter sind im Museum ausgestellt. Viele davon dürfen selbst an die Augen geführt werden. „Um die Bilder greifbarer zu machen.“ In beschrifteten Schubladen und hinter Klappen, die Besucher öffnen dürfen, befinden sich wahre Schätze. Teure Exponate stehen hinter Glas oder sind wie die Stereo-Aufnahmen von 1860 bis 1910, die einen Wert von 200 Euro pro Stück haben, gut gesichert in einer Schublade.

Stereo-Kongress in Berlin

Letzte Woche war alles, was Rang und Namen in der Stereo-Welt Europas hat, zu Gast bei Peter Maria Stajkoski. „Der Stereo-Kongress hatte in Berlin stattgefunden. Dienstag sind Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Belgien, Holland, Frankreich und England dann per Bus zu mir ins Museum gekommen.“ Alle waren begeistert vom Umfang der Ausstellung, insbesondere der Vertreter des Stereo-Clubs Paris. Er war beinahe neidisch. „Er fragte mich: Warum haben Sie mehr als wir in Paris von Jules Richard?“, erzählt Stajkoski schmunzelnd.

Und es stimmt: Produkte von Jules Richard sind zahlreich im Lentzker Museum vertreten – von Stereo-Bildern über Kameras und Technik. Peter Maria Stajkoski hat sein Museum nach dem Mann genannt, der für ihn der Pionier in der Stereo-Fotografie ist. Der 1848 geborene Jules Richard ließ eine Stereo-Kamera patentieren, die anders als ihre Vorgänger für jedermann zu bedienen war. Obwohl er der Stadt Paris eine Schule schenkte, gibt es dort kein Museum seines Namens. Das steht seit 2014 nun in Lentzke.

Jules-Richard-Hydrometer im Obergeschoss

„Reich geworden ist Richard aber nicht mit seinen Kameras, Betrachtern, Filmen, Fotoplatten oder Sonnenblenden. Er hat sein Geld mit Hydrometern gemacht. Dieses Gerät, das die Feuchtigkeit in Museen misst, hat er erfunden und darauf das Patent gehabt.“ Bei Stajkoski steht neuerdings ein solcher Jules-Richard-Hydrometer im Obergeschoss der Ausstellung.

Für sein Museum sollte man sich ein paar Stunden Zeit nehmen, um alles zu testen und anzusehen. Allein vom neuen 3D-Wandgemälde des Berliner Schlosses kann man sich nicht so schnell losreißen.

Das Museum ist samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr Informationen unter www.jules-richard-museum.com.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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