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Fehrbellin Dürrezeiten für die Bauern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Dürrezeiten für die Bauern
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18:13 30.07.2018
Petra Hennig (v.) und Hannes Deter von der Agrargenossenschaft mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Michael Stübgen (l.) und Volker J. Petersen vom Raiffeisenverband (r.). Quelle: Celina Aniol
Lentzke

„Wie schlimm sieht es bei Ihnen aus?“ Es ist die fast schon unausweichliche Frage eines jeden, der einen Bauernbetrieb in diesen Tagen besucht. Michael Stübgen stellt sie direkt, als er aus dem Auto steigt. Das Gesicht des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundes-agrarministerium wirkt besorgt. Morgen werden sich alle Landesagrarministerien in Berlin treffen, um über Dürreschäden zu sprechen. Am Mittwoch befasst sich die Bundesregierung mit dem Thema. Es ist kurz nach 10 Uhr morgens. Die Sonne scheint aber schon unerbittlich in Lentzke, die Luft steht, das Thermometer zeigt 32 Grad. „Nicht so schlimm“, entgegnet Hannes Deter. „Sie haben einen Betrieb erwischt, in dem es ganz gut aussieht. Wir hatten Glück.“

Regen 2017 rettet diesjährige Ernte

Gewissermaßen gerettet haben sein Unternehmen an der Scheide zwischen dem Rhin- und dem Havelländischen Luch die verheerenden Regenfälle des vergangenen Jahres, berichtet Deter, der zum Vorstand der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ in Lentzke gehört. Die Nässe von damals sei eine Art Reservoir für die regenarmen Wochen dieses Jahres gewesen. Jetzt werde das Wasser aber knapp. Das Luch ist trocken und seit dem 9.Juli kommt auch aus dem Neuruppiner Bereich kein Wasser mehr nach: Der Gewässerunterhaltungsverband hat den Abfluss aus dem Ruppiner See gestoppt, um die Schiffbarkeit auf seinem Gebiet zu gewährleisten.

Knapp über 20 Liter Regen in vier Wochen

Dabei fielen in den vergangenen vier Wochen rund 100 Liter Regen rund um die Fontanestadt. In Lentzke waren es nur knapp über 20, rechnet Deter vor. Er geht davon aus, dass seine Genossenschaft aufgrund der Dürre dennoch Einbußen von höchstens 15 Prozent haben wird. Das werde ihr Betrieb aber ganz ohne Beihilfe stemmen, sagt Petra Hennig, die Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Genauso wie er auch die Niederschlagsschäden 2017 ohne finanzielle Unterstützung gepackt habe. „Für uns ist Dürre nicht so dramatisch wie Nässe“, ergänzt Deter. „In einem trockenen Jahr kriegen wir alles geerntet. In einem nassen nicht.“

Dürreschäden als „nationales Ereignis“

Stübgen nickt. Er scheint froh zu sein, einen Vormittag lang nicht so viel von der Dürrekatastrophe zu hören. Er berichtet, dass der Bund gerade überlegt, die Trockenheitsschäden als „nationales Ereignis“ einzustufen. Auch um eventuelle Hilfen für Bauern werde gesprochen. Über die Entschädigungen gebe es derzeit aber noch Streit mit dem Bundesrechnungshof. Stübgen fordert, dass dieser schnell beigelegt wird, damit der Bund zeitnah reagieren kann.

Lentzke als Demonstrationsobjekt

Als Volker J. Petersen einen Themenwechsel vorschlägt, scheint sich Stübgen fast ein bisschen zu freuen. Petersen ist für Agrargenossenschaften und Politik beim Deutschen Raiffeisenverband zuständig. 714 dieser Betriebe und insgesamt rund 2000 Genossenschaften gehören dem Verband an. Lentzke dient bei diesem ersten Gespräch zwischen dem Lobbyisten und dem im Amt neuen Staatssekretär als Demonstrationsobjekt.

EU-Direktzahlungen gefährden Betriebe

Die Genossenschaft mit ihren zwei Tochtergesellschaften hat 47 Mitglieder. 2300 Hektar und zwei Biogasanlagen bewirtschaften die 32 Mitarbeiter. Außerdem kümmern sie sich um viele Hundert Tiere. Um überleben zu können, suchen sie immer wieder neue Nischen und Strategien. Petersen befürchtet, dass die Genossenschaft – genauso wie viele andere Betriebe dieser Art in Ostdeutschland – zerschlagen werden, wenn die Direktzahlungen im Agrarbereich – wie von der EU-Kommission kürzlich vorgeschlagen – bei 100 000 Euro gekappt werden.

Instrument gegen windige Investoren

Diese Sorge teilt Stübgen, auch wenn er die Kappung für ein geeignetes Mittel gegen windige Finanzinvestoren im Agrarsektor hält. Er ist aber davon überzeugt, dass Deutschland an einer Änderung der Kappungsgrenze arbeiten wird. „Diese Vorgabe würde für uns einen drastischen Einschnitt bedeuten“, stellt Petra Hennig klar. Die Folge wäre: Die Genossenschaft müsste weiter gesplittet werden, um in den Genuss des Geldes zu kommen – aus Sicht der Vorsitzenden ohne einen weiteren Grund.

Warten auf den Regen

Es ist kurz nach dem Mittag. Zu der Hitze in Lentzke ist in der Zwischenzeit ein heißer Luftzug dazugekommen. „Über 30 Grad und ein pfeifender Ostwind sind absolut tödlich“, kommentiert Petra Hennig. Dieser trockne sofort alles aus. Wenn es jetzt noch länger nicht regnet, dann könnte die Lage für den Betrieb doch noch schwierig werden, sagt Hannes Deter. Die Maisernte und die Futterversorgung für die Tiere stehen auf dem Spiel. „Wir brauchen noch mindestens einen guten Aufwuchs.“ Sollte es trocken bleiben, wird es schwierig damit. „Wir haben noch nicht mal 13 Uhr und der Mais rollt sich ein: Damit ist sämtliche Photosynthese gestoppt.“

Von Celina Aniol

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