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Fehrbellin Deshalb sind die Kraniche früher da als üblich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Deshalb sind die Kraniche früher da als üblich
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00:22 17.03.2019
In Scharen sind die Kraniche seit Anfang Februar im Rhinluch und Ruppiner Land zu sehen, viel früher als in den Jahren zuvor. Quelle: Peter Geisler
Linum

 Nein, es sind keine Graureiher, sondern wirklich schon Kraniche, die sich die letzten Restchen an Maiskörner aus den Boden picken. Gut zu erkennen an ihrer leuchtend roten Kopfplatte. Rund um Linum und Neuruppin spazieren sie über die Felder. „Sie sind zwei bis drei Wochen früher da als sonst“, stellt Helga Müller-Wensky fest.

Die Kranich-Beauftragte vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch ist selber erstaunt. „Normalerweise landen sie erst Ende Februar bis Mitte März rund um ­Linum und im Ruppiner Land. Dieses Jahr beobachte ich schon seit etwa 10. Februar, dass sie Rast bei uns machen auf ihrem Weiterflug.“

Anhaltende Schönwetterphase

Sie hätten die anhaltende Schönwetterphase zu diesem frühen Zeitpunkt genutzt, meint die Kranich-Kennerin. „Bis die Regenperiode wieder einsetzte. Aber zuvor war es mild, sonnig und der Himmel blau. Zudem waren die Winde aus Süden und Südwest günstig.“

Die Luftströmungen stimmten, die Frühlingsgefühle der anmutigen Langstreckenflieger auch, daher sind viele von ihnen zurückgekommen. „Die Vögel verhalten sich wie die Menschen: Wir waren ja auch schon alle draußen bei den sehr milden Temperaturen.“

Die Kraniche, die rund um Linum zwischenlanden, fliegen von Spanien über Nordfrankreich und Marburg zu uns. Ihr Ziel: Nordpolen und sogar das Baltikum. Quelle: Peter Geisler

Etwa 1500 Kraniche habe Müller-Wensky letzte Woche rund um Linum gesehen, berichtet die sachkundige Frau, die selbst an der nördlichen Stadtgrenze von Berlin wohnt: „Anfang Februar sind dort plötzlich auch um die 300 Kraniche am Himmel geflogen.“

Gezählt wird nur im Herbst, wenn der Zug sich über mehrere Wochen erstreckt, im Frühjahr dagegen nicht. „Die Gruppen der Rückkehrer sind kleiner, und sie rasten nur kurz. Drei bis vier Tage.“ Da sei es eher Zufall, wenn man größere Scharen von ihnen sieht. Helga Müller-Wensky nennt diese Junggesellengruppen.

Kranichpärchen verständigen sich mit Doppelruf: Der eine Partner ruft, der andere antwortet zurück. Quelle: Peter Geisler

Meist seien sie die Vögel aber zu zweit unterwegs. „Auf den Äckern sieht man viele Paare rumspazieren. Diese haben ihren Brutpartner schon gefunden. Man erkennt sie am Doppelruf. Einer ruft, der andere antwortet.“ Im Linumer Teichgebiet habe sie Vögel einander hören rufen, am Tegeler Fließ in Berlin auch.

Von Nordfrankreich zu uns

Die Vögel haben den Winter in warmen, spanischen Gefilden verbracht. „Die, die jetzt bei uns sind, haben sich allerdings schon früher von dort auf den Rückflug gemacht, waren zuvor wohl bereits in Nordfrankreich.“

So wie im Rhinluch, Ruppiner Land und an der Havel sind überall in Deutschland Kranichzüge zu beobachten, berichtet Müller-Wensky: „Mein Bruder wohnt in Frankfurt am Main. Vor ein paar Wochen rief er an und sagte mir, dass er viele Kraniche sieht. Sie würden sich hochdrehen.“ Für die Expertin gab es dafür zwei Erklärungen: „Entweder schauten sie, wo sie landen konnten, oder aber sie haben versucht, Höhe zu kriegen, um weiterzufliegen.“

In Keilformation hätten sie sich weiter nach Osten aufgemacht. Es sind jene Kraniche, die Rast im Rhinluch machen, um sich für den Weiterflug zu stärken. Die Vögel zieht es ins nördliche Polen zum Brüten, einige von ihnen sogar noch weiter ins Baltikum.

Tausende Brutpaare überwintern bei uns

„Wiederum der Teil an Kranichen, der den Hornborga-See, den großen Vogelsee in Südschweden, ansteuert, ist über Münster und in der Diepholzer Moorniederung zu sehen.“ In diese zwei Gruppen könnte man die Kranichzüge aufteilen. Pauschalisieren lässt sich aber nichts, Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Um die 8000 bis 10000 Brutpaare bleiben den Winter über sogar ganz in Deutschland. Die milden Winter würden dies begünstigen, meint Helga Müller-Wensky. „Die meisten von ihnen befinden sich dann in Mecklenburg-Vorpommern.“

Die Rückkehrer aus dem Süden machen für vier bis fünf Tage an ihren Zwischenstationen Halt, um dann in ihre Brutgebiete weiterzuziehen. „Eventuell fangen sie dieses Jahr früher an zu brüten. Wenn es aber im April oder Mai noch mal kalt wird, und sie keine Nahrung finden, bekommen sie vielleicht den Nachwuchs nicht groß“, äußert sich die Kranich-Beauftragte besorgt. Anders als bei Störchen, die nur einmal brüten, könnten Kraniche aber noch mal einen Anlauf starten und Junge bekommen.

Keine Gefahr für Kraniche

Sollte in diesen Tagen ein Wetterwechsel mit Kälte und Schnee sein, sieht Helga Müller-Wensky keine Gefahr für die flattrigen Rückkehrer: „Wenn eine Schneedecke auf den Feldern liegt, finden sie natürlich schwieriger Futter und müssen länger scharren und picken. Das ist aber nicht schlimm.“

Und was ist, wenn die Kälte sie im Schlaf überrascht? „Kraniche nächtigen stehend in Gewässern. Selbst wenn sie morgens leichte Eiskringel um die Beine haben, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie einfrieren.“ Die Sonne taue alles schnell wieder auf.

Und so können die Glücksvögel frohen Mutes weiter rund um Linum und Neuruppin über die Felder spazieren, bis sich dann auch das letzte Kranichpärchen ein Polster für den Flug zum Zielort angefuttert hat. Ihnen zuzusehen ist ein schönes Spektakel, das den Frühling ankündigt.

Von Anja Reinbothe

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