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Fehrbellin Tierquälerei bei Hakenberg: Staatsanwalt ermittelt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellin Tierquälerei bei Hakenberg: Staatsanwalt ermittelt
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00:22 11.11.2018
Beim Schlachten in der Hakenberger Fleisch GmbH Hakenberg wurde massiv gegen den Tierschutz verstoßen. Quelle: Peter Geisler
Hakenberg

Wegen gravierender Verstöße gegen das Tierschutzrecht ist der Schlachtbetrieb in der Hakenberger-Fleisch-Gesellschaft (Hafleg) am Mittwoch eingestellt worden. Das Veterinäramt in Neuruppin entzog wegen der eklatanten Missstände den Mitarbeitern der Hafleg die Genehmigung zum Schlachten. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen des Verdachts, dass gegen den Tierschutz verstoßen wurde.

Der Bolzen zertrümmert den Schädel

Auslöser sind Aufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Rights Watch (Ariwa). Diese hatte am 30. Juli und 1. August versteckte Kameras bei der Hafleg aufgehängt. Die an den beiden Tagen gemachten Aufnahmen zeigen, wie das Bolzenschussgerät zum Betäuben der Tiere nicht fachgerecht eingesetzt wird. Bei acht von insgesamt 24 Rindern habe es Fehlbetäubungen gegeben, sagt Sandra Franz, Pressesprecherin von Ariwa. Zu sehen ist, wie der Schlachter das Gerät mehrfach einsetzt, um das Tier zu betäuben. Ohne Erfolg. Für das Rind bedeutet jeder Schuss Qualen. „Der herausschießende Bolzen zertrümmert dabei jedes Mal den Schädel und dringt in das Gehirn ein“, so Franz.

Amtstierärztin ist entsetzt

Auch beim Entbluten – dem eigentlichen Töten – wurden Fehler gemacht. Eigentlich sollen die Tiere infolge eines schnellen Blutverlustes schnell sterben. Zu sehen ist auf den Bildaufnahmen aber, wie der Schlachter teilweise mehrfach zusticht, bis endlich das Blut aus dem Tier herausschießt. In einem Fall wartete der Schlachter auch nicht die Betäubung ab. „Es wurde schon die Kehle durchgeschnitten, obwohl das Tier noch Reaktionen zeigte“, sagt Franz.

Amtstierärztin Simone Heiland zeigte sich entsetzt von den Videoaufnahmen. Denn trotz regelmäßiger Kontrollen bei der Hafleg, die es aller drei Monate gibt, waren bisher keine derartigen Verstöße festgestellt worden. Auch sei derzeit unklar, warum das Bolzenschussgerät nicht richtig funktioniert habe. Klar sei jedoch, dass ein Ersatzgerät allein für das Schlachten bei der Hafleg nicht ausreiche, so Heiland.

Mit dem Elektroschocker traktiert

Der Betrieb ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen: Erst im Februar hatte ein ehemaliger Schlachter der Hafleg eine Geldbuße von 200 Euro zahlen müssen, damit ein Prozess gegen ihn wegen des Verstoßes gegen den Tierschutz eingestellt wird. Der Mann hatte einen 1000 Kilogramm schweren Bullen mehrfach unzulässigerweise mit einem Elektroschocker traktiert. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft immer noch wegen Korruptionsverdacht gegen einen Amtstierarzt sowie den Hafleg-Geschäftsführer.

Die Hafleg wirbt auf ihrer Internetseite damit, dass die Tiere möglich stressfrei zum Schlachthof gebracht werden, damit sie sanft und ruhig geschlachtet werden können, sagte Amtstierärztin Heiland. Die Außenaufnahmen zeigen jedoch ein anderes Bild: Mit einem Elektroschocker werden die Tiere zur Schlachtung getrieben. Nach Angaben der Tierschützer darf das Gerät eigentlich nur am Hinterlauf eingesetzt werden. „Es wurde jedoch auch am Kopf eingesetzt“, so Franz. In einem Fall habe ein Tier auch Elektroschocks bekommen, obwohl ihm der Zugang zum Schlachthof versperrt war.

Ariwa fordert das Verbot aller Schlachthöfe

Die Aufnahmen der Tierschützer von Ariwa bei der Hafleg sind eher zufällig entstanden. Es habe zuvor keinen speziellen Verdacht gegen das Unternehmen gegeben, sagte Pressesprecherin Franz. Ariwa fordert das Verbot aller Schlachthöfe. „Einem Tier wird das Wertvollste genommen, was es hat – sein Leben“, sagt Franz.

Das Fleisch aus der Hakenberger Schlachterei wird nicht allein in der Region vermarktet. Unter anderem ist davon ein Großunternehmen betroffen, das vor allem die Restaurants der Hauptstadtregion beliefert, aber auch internationale Kunden bedient und seine Waren online anbietet.

Die Hafleg muss sich neue Schlachter suchen

Bio-Fleisch aus Hakenberg wird es vorerst nicht mehr geben. Die Hafleg ist zwar nicht geschlossen, aber das Unternehmen hat jetzt keinen Mitarbeiter mehr, der schlachten darf. Das Personal, das auf den Videoaufnahmen der Tierschützer von Ariwa zu sehen ist, werde auch keine Berechtigung mehr erhalten, mit lebenden Tieren arbeiten zu dürfen, sagte Amtstierärztin Heiland. Hinzu kommen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, dass die Mitarbeiter gegen den Tierschutz verstoßen haben. Ihnen droht deshalb eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Für die Hafleg heißt das, dass sie sich auf jeden Fall neue Schlachter suchen muss. Geschäftsführer Jens Winter bezeichnete das Vorgehen seiner Beschäftigten gegenüber dem RBB-Fernsehen als „nicht akzeptabel“.

Von Frauke Herweg, Celina Aniol und Andreas Vogel

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