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Ostprignitz-Ruppin Fehrbellinerin auf Delegationsreise in Ruanda
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fehrbellinerin auf Delegationsreise in Ruanda
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00:31 29.03.2018
Großer Bahnhof: Wenn Reiner Meutsch (hi.) eine „seiner“ Schulen besucht, ist der Empfang stets herzlich. Quelle: privat
Neuruppin

Schuld war der ADAC. Der hatte im Herbst den Weltumflieger Reiner Meutsch nach Neuruppin eingeladen, der in einer bildgewaltigen Performance (die MAZ berichtete) über seine Reisen in einem Kleinflugzeug in die ärmsten Länder der Welt und die davon inspirierte Reiner-Meutsch-Stiftung „Fly & Help“ sprach.

Die Dechtowerin Margrit Nagel war damals dabei gewesen und hatte sofort Feuer gefangen. „Ich reise grundsätzlich gerne – ich war schon in den USA, Thailand, Indonesien, den Philippinen und Malediven, in Kuba, Ägypten“, zählt die gebürtige Hamburgerin auf, die seit 1992 in der Region lebt und in Fehrbellin als Geschäftsführerin eine Fallschirmsportschule leitet. Abenteuerlustig ist sie also schon von Berufs wegen.

Dass sie die aufregende Reise nach Ruanda unternahm, hat mit Reiner Meutsch zu tun. „Er reist ja mit dem Kleinflugzeug um die Welt – das fanden wir spannend. Und er hat ja erzählt, dass man mitreisen kann“, erinnert sie sich. Bereits in der Pause sprach sie mit ADAC-Mitarbeiter Frank Zierke, der Meutsch nach Neuruppin geholt hatte und fragte nach den Konditionen. „Kurz danach bekam ich einen Anruf, dass nur noch ein Platz frei ist“, sagt sie.

Wo in Europa auf Knopfdruck Wasser aus der Leitung fließt, müssen Ruander oft weite Wege bis zum Brunnen gehen: täglich. Quelle: privat

Eine Woche musste sie schon überlegen, ob sie allein fliegt und den Partner daheim lässt. Sie sagte zu – unter der Bedingung, beim Gorilla-Trekking dabeisein zu dürfen – und hat eine Reise erlebt, wie sie noch nie eine gemacht hatte. Zwar nicht mit dem Kleinflugzeug – das hätte für die kleine Reisetruppe nicht gereicht – aber dennoch ein Erlebnis, wie es in keinem Reiseführer steht.

„Ein Urlaub wird es nicht, das wusste ich schon vorher“, sagt die taffe Frau. Es gab einen einzigen Pool-Nachmittag. „Wir sind jeden Tag um sieben aufgestanden. Und viel Auto gefahren“, sagt sie. Acht Landrover im Konvoi, alle mit einheimischem Fahrer und Führer. Am Straßenrand standen immer die Kinder und winkten“, sagt Margrit Nagel.

Die Erwachsenen seien misstrauischer gewesen. „Denen steckt der Genozid noch im Kopf“, verweist sie auf den grausamen Völkermord des Jahres 1994, bei der schätzungsweise bis zu einer Million Tutsis das Leben verloren – grausam gemeuchelt vom Stamm der Hutus. Margrit Nagel hat drei Genozid-Gedenkstätten besucht: „Es war erschütternd.“ Was sie erzählt, lässt das Blut stocken: von einem Pastor, der die Tutsis auslieferte, die sich in seiner Kirche versteckt hatten.

Beeindruckender Empfang: 400 Schüler einer Schule singen zur Begrüßung von Reiner Meutsch, Dank dem die Schule erbaut wurde. Quelle: privat

Von einem blutigen Fleck an einer Wand, der von bestialischen Gräueln zeugte. Von lebendig Begrabenen. Margrit Nagel kommen die Tränen, als sie von einer Frau erzählt, der ihr vierjähriger Sohn entrissen wurde (sie hat ihn nie wieder gesehen) und ihr Baby in Sekundenbruchteilen getötet wurde – direkt auf ihrem Arm. „Es war hart. Manche aus unserer Gruppe sind nach ein paar Minuten wieder rausgegangen – sie konnten es nicht ertragen.“

Erfreulicher waren die Besuche in zwei Schulen, die Dank der Meutsch-Stiftung im Land entstanden sind – zwei von 200 weltweit, in denen Reiner Meutsch und seine Mitstreiter den Kindern eine Chance und Zukunft schenken will. „Er ist am dritten Tag zu uns gestoßen – und dann im Konvoi vorneweg gefahren“, erzählt Margrit Nagel und ist begeistert von dem Mann, der überall, wo er auftaucht, von den Menschen, denen er geholfen hat, aufs Herzlichste begrüßt wird.

„Gänsehautmomente“, erinnert sie sich an 400 singende Kinder, blitzende Augen, lachende Münder. „Er ist so bodenständig und auf Augenhöhe – und kann die Leute wunderbar überzeugen, Hilfe zu leisten.“ Margrit Nagel hat außer ihrem Reisekoffer noch einen zweiten mitgebracht, voll mit Hilfsgütern: Kosmetik, Textilien und mehr. „Wenn man sich klar macht, dass für zehn Euro ein Kind in Ruanda ein Jahr zur Schule gehen kann, inklusive Essen und Kleidung“, sagt sie.

Margrit Nagel im Klassenzimmer. Quelle: privat

Mit Reiner Meutsch gemeinsam haben die Reiseteilnehmer ein Dorf besucht, das ebenfalls auf Betreiben Meutschs gebaut wurde. Die Batwa – kleinwüchsige Waldmenschen – sind quasi Ausgestoßene in ihrem Land und vom Aussterben bedroht. Reiner Meutsch organisierte, sammelte, handelte. „Er ist so ein Typ, der kommt, sieht und macht“, sagt Margrit Nagel beeindruckt. Sie hat einen der Batwa fotografiert und ihm das Bild gezeigt. „Er hat gestaunt. Wahrscheinlich wusste er gar nicht, wie er selber aussieht.“

In Erinnerung geblieben ist ihr auch der Moment, wo die Europäer alle in einer Schule mit ihren Handys fotografierten. „Die Kinder haben uns mit großen Augen angesehen, dann haben sie alle ihre Taschenrechner rausgeholt und so hochgehalten, wie wir unsere Handys. Wahrscheinlich haben sie gedacht: diese Weißen, fotografieren mit dem Taschenrechner!“

Ohnehin ist Margrit Nagel beeindruckt davon, wie die Ruander versuchen, ihr Land wieder aufzubauen. „Ein Vorzeigeland – die öffentlichen Straßen so sauber. Keine Plastiktüten.“ Und es wächst so viel: Avocados, Ananas, Bananen, Reis – jede Fläche wird genutzt.“ In einem Buschkrankenhaus haben wir miterlebt, wie die Blutkonserven per Drohne geliefert wurden. „Da machen Drohnen wirklich Sinn – nicht bei Amazon-Paketen.“

Das Gorilla-Trekking war anstrengend aber beeindruckend. Quelle: privat

Ein besonderes Höhepunkt war das Gorilla-Trekking – da wo auch Dian Fossey forschte. „Regen, matschige Wege. Mit der Machete durch den Urwald – das war höllenanstrengend. Wir waren sieben Stunden unterwegs“, sagt sie. Belohnt wurde es mit einer Stunde „Silberrücken-Gucken“. Länger darf man in den Reservaten nicht.

Ob sie wieder eine Delegationsreise machen würde? „Auf alle Fälle“, sagt Margrit Nagel. Und zwar nach Myanmar, 2019. „Da habe ich schon reserviert.“

Mehr unter www.fly-and-help.de und im ADAC-Büro Neuruppin.

Von Regine Buddeke

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