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Feierabend ist hier nie

Notaufnahme im Kyritzer Krankenhaus ist rund um die Uhr besetzt Feierabend ist hier nie

Innerhalb unserer Serie "MAZ macht mit" hat sich Reporterin Sandra Bels in der Notaufnahme des Kyritzer Krankenhauses umgeschaut und festgestellt, dass dort nicht nur Schwerkranke behandelt werden.

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Arzt Tom Hedrich schneidet den Gips an Margrit Hefkes Bein auf.

Quelle: Sandra Bels

Notaufnahme, das hört sich nach schweren Fällen an. Tatsächlich kommt vom Herzinfarkt bis zur Schnittwunde alles dort an. Jeder Tag in der Notaufnahme des Kyritzer KMG-Klinikums verläuft deswegen anders, nur der Rahmen ist gleich. Ich schaue mir den Frühdienst an. Er beginnt um 5.45 Uhr. Für mich um 7. Die leitende Schwester Susann Mehls zeigt mir als Erstes den Schockraum. Ich bin beeindruckt. All die Geräte. Für jeden Notfall gibt es eins. Eine Kamera macht mich stutzig. "Die ist für die Teleneurologie und kann aus Berlin gesteuert werden", sagt die Schwester. Bei Schlaganfällen sind damit Untersuchungen in Echtzeit von der Unfallklinik Berlin-Marzahn möglich. Der Technikfortschritt verblüfft auch Susann Mehls immer wieder. Sie arbeitet seit 2008 in der Rettung und ist seit April 2012 leitende Schwester.

Sie zeigt mir einen kleinen Kasten und fragt: "Wollen Sie mal unseren Bohrer sehen?" Ich nicke. Ein kleines Gerät kommt zum Vorschein, ein bisschen größer als eine Streichholzschachtel. Damit kann der Arzt für Infusionen oder zum Blutabnehmen einen Zugang ins Knochenmark legen. Vom Schockraum geht es in den Eingriffraum. Schnitte, bei denen keine Nerven oder Sehnen verletzt sind, werden dort behandelt. Weiter geht's ins Rettungszimmer. Vier Betten stehen drin. Die Pfleger Jan Lemke und Alexander Peters sind da. Ambulante Operationen stehen an. Die Pfleger haben die ersten Patienten schon vorbereitet. Gesundheits- und Krankenpflegerin Henrike Mertens gehört auch zum Team.

Noch ist es ruhig auf dem Flur. Nur eine ältere Dame hatte sich früh gemeldet. Sie klang verzweifelt. Ihre Ärztin würde ihr nicht helfen, sagt sie. Und das seit einem Jahr. Deshalb sei sie jetzt gekommen. Ihr Hautausschlag sieht nicht lebensbedrohlich aus. Eine Ärztin wird gerufen. Sie bestätigt das und rät der Dame, zu einem Hautarzt zu gehen. Pfleger Jan Lemke erklärt mir: "Wir sind eine Funktionsabteilung und haben pflegerisch eher weniger zu tun." Die Patienten werden vom Team stabilisiert und wenn nötig stationär aufgenommen. Die Dame kann wieder nach Hause gehen.

Hauptursache: Kreislauf

  • Die häufigste Ursache für eine Notaufnahme im Kyritzer Krankenhaus sind Herz- und Kreislaufprobleme. Danach folgen die neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Schlaganfälle. Verletzungen mit dem Rasenmäher, mit der Kreissäge, auf dem Bau oder beim Holzmachen stehen an dritter Stelle.
  • Notarzt Jörg Bendler sagt, dass die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgegangen ist. Das liegt seiner Meinung nach daran, dass die Sicherheitstechnik immer besser geworden ist. Deshalb habe man in den 90er Jahren völlig andere Verletzungen bei Verkehrsunfällen gehabt als heute. Gesunken ist laut Bendler auch die Zahl der betrieblichen Unfälle.
  • In der Kyritzer Notaufnahme können zwei bis drei Schwerverletzte im Regelbetrieb gleichzeitig versorgt werden. Für Notoperationen wird der geplante OP-Betrieb gestoppt.
  • Die Mitarbeiter der Notaufnahme arbeiten in vier Schichten – Früh-, Spät-, Nacht- und Zwischenschicht. Sie sind zwischen 20 und 58 Jahre alt und verantwortlich für die lebenserhaltende Grundversorgung.

Jetzt kommt Bewegung in den Tag. Jörg Bendler ist heute der leitende Notarzt und arbeitet sonst als Oberarzt in der Anästhesie. Er hatte schon seinen ersten Einsatz und meldet sich zurück. Aus seiner 25-jährigen Diensterfahrung weiß er, wie wichtig für die Notaufnahme die Rückkopplung aus dem Rettungswagen ist, wenn ein Patient eingeliefert wird. Je präziser die Angaben über seinen Zustand sind, desto besser kann in der Notaufnahme alles vorbereitet werden. Das Telefon klingelt. Das Rettungswagenteam meldet eine Frau mit Atembeschwerden. Sie kommt in den Schockraum. Ich bleibe draußen.

Inzwischen hat die allgemeinchirurgische Sprechstunde begonnen. Tom Hedrich ist der verantwortliche Arzt. Im Gipsraum weint ein Baby. Es hat eine Hüftkrankheit und bekommt eine Schiene. Margrit Hefke wartet. Ihr Bein ist eingegipst und sie hat Krücken. "Ich hoffe, dass heute der Gips abkommt", sagt sie. Sechs Wochen hat sie ihn. Ihr Fall bestätigt meine Theorie, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren. Sie hat sich bei der Hausarbeit die Zehen gebrochen. Tom Hedrich rückt dem Gipsbein mit einer Schere zu Leibe. Eine zweite muss her. Es ist geschafft. Margrit Hefke humpelt zum Röntgen. Danach ist sie erleichtert. "Der Gips bleibt ab", sagt sie freudestrahlend.

Die eingelieferte Patientin aus dem Schockraum ist mittlerweile auf Station. Tom Hedrich hat weitere Patienten behandelt. Einem wurden Fäden im Mund gezogen. Ein Mann mit Schmerzen in der Lunge wurde einem Internisten vorgestellt. Ein anderer Mann kam mit dem Taxi aus Pritzwalk. Die Bandscheibe macht ihm zu schaffen. "Ich soll operiert werden", sagt er zu Susann Mehls. "Sie wurden uns angekündigt", begrüßt die Schwester den Patienten freundlich. Er wird im Rettungszimmer aufgenommen. Zwischendurch muss Susann Mehls immer wieder schreiben. Dokumentation ist ein großer Teil ihrer Arbeit. Wieder klingelt das Telefon. Eine Handschiene muss angepasst werden. "Schickt die Patientin runter", sagt Susann Mehls und vergibt den Auftrag an Pflegerin Henrike Mertens. Ich schaue zu, wie sie die Schiene an die Hand der frisch operierten Patientin anpasst. Das Material heißt Cast -  eine Hartfaser, die reagiert, wenn sie an die Luft oder mit Wasser in Berührung kommt. "Cast ist leichter als Gips", sagt Katrin Heider, leitende Schwester der Ambulanz. Sie verabschiedet die Frau und wünscht ihr alles Gute. Dann endet mein Schnuppertag. Die Arbeit geht weiter. Gerade wird ein Patient gebracht. Feierabend ist hier nie.

Von Sandra Bels

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