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Ostprignitz-Ruppin Feilschen im Sonnenschein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Feilschen im Sonnenschein
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00:17 11.08.2016
Sabine Henke an ihrem Stand beim Kofferraumtrödelmarkt in Zempow. Quelle: Björn Wagener
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Zempow

Die junge Frau kämpft mit sich. Die Tiffany-Lampe, die wie eine Schnecke aussieht, hat es ihr angetan. Immer wieder nimmt sie sie in die Hand, dreht das interessante Stück hin und her. „Aber 20 Euro?“ Da müsse sie erst noch einmal drüber nachdenken, sagt sie und dreht sich eine Zigarette. „Die ist mit Beleuchtung. Die Lampe ist auch schon drin“, erklärt Sabine Henke, während die Kundin raucht. „Und wen rufe ich an, wenn sie nicht brennt?“, entgegnet diese. „Da müssen Sie einfach mal Vertrauen haben“, so die Verkäuferin. Letztlich wirft die Interessentin aus Rostock ihre Zweifel über Bord und fasst sich ein Herz. „Ich nehm’ sie.“

Ein Tisch voller Nippes und Deko

Sabine Henke und Karin Wesner aus Wittstock stehen auf dem Kofferraumtrödelmarkt auf dem Gelände des Autokinos in Zempow – vor ihnen ein Malertisch voller Nippes und Dekoartikel. Ein paar Euro nebenbei – wer kann die nicht gebrauchen? Auf dem Flohmarkt sind sie doch bestimmt durchaus drin, dachten sich die Frauen und schmiedeten einen Plan. Am Montag vergangener Woche wurde er dann festgeklopft. Am Sonntag sollte es sein. Denn da lud der Förderverein Autokino Zempow wieder einmal zu dem Trödelmarkt – wie an jedem ersten Sonntag eines Monats von Mai bis Oktober. Dann können Privatverkäufer dort versuchen, Gebrauchtes unter die Leute zu bringen. Rund 70 hofften am vergangenen Sonntag auf ein gutes Geschäft. Acht Euro Standgebühr zahlt man für ein mit Ware beladenes Auto.

Vorbereitung am Abend zuvor

Das tun auch die beiden Wittstockerinnen. Schnell finden sie daraufhin einen passenden Platz, und es geht ans Aufbauen. Der Tisch wird ausgeklappt. Und nur Minuten später ist von ihm nicht mehr viel zu sehen. Denn die Sachen stehen dicht gedrängt. Es ist das Finale der Vorbereitung, die schon am Abend zuvor begonnen hatte. Im Keller und auf dem Dachboden fand das große Aussuchen statt. Was soll mit? Nicht zu viel, aber auf jeden Fall ein paar Hingucker. Diesen Job sollen innenbeleuchtete Tiffany-Lampen erledigen – in verschiedensten Formen wie einem Schmetterling, einer Schnecke oder einer Teekanne. Woher das alles kommt? „Das habe ich mal gesammelt“, erklärt Sabine Henke. Inzwischen aber passe es nicht mehr in die Einrichtung. Deshalb ruft sie Preise auf, die kaum die Hälfte des ursprünglichen Wertes ausmachen. Trotzdem: Lässt sich das wirklich verkaufen? Sabine Henke und Karin Wesner können nur hoffen. Zusammen mit zwei Klappstühlen, einer Tasche mit ein paar belegten Brötchen, Wasser, Tüten zum Einpacken und etwas Wechselgeld haben sie es sich an ihrem Stand eingerichtet. Das Wetter ist flohmarktfreundlich, kein Regen, aber auch nicht zu heiß. Die Kunden können kommen.

Blick über den Kofferraumtrödel-Markt am Sonntag in Zempow, Quelle: Björn Wagener

„Das ist ja ein richtiger Mädchenstand“, ist eine junge Frau begeistert, die immer wieder das ein oder andere Stück in die Hand nimmt, sich hartnäckig gegen die Gleichgültigkeit ihres Freundes stemmt und ihn stattdessen bezirzt. Er müsse es schließlich zahlen. „Wir schauen erst noch mal, kommen aber nachher wieder“, sagt sie und hält Wort. Etwas später sind beide wieder da, und sie „schlägt zu“.

Die meisten Kunden sind Frauen

Tatsächlich sind es meist die Frauen, die hier hängen bleiben, einige davon auch Bekannte der beiden Verkäuferinnen. Man quatscht, witzelt, lacht, umarmt sich. „Da sind wirklich schöne Sachen dabei, aber wenn man 50 Jahre verheiratet ist, da ist die Wohnung voll“, erzählt eine Seniorin. Ihr Mann ist schon vorgegangen. „Ach, die Männer. Haben keinen Sinn für so was. Da müssen immer überall Stromkabel dran sein“, sagt sie und herzt Sabine Henke zum Abschied. „Ich wünsch’ Ihnen alles Gute.“ Ein Mann interessiert sich dann aber doch für eine der besonderen Lampen und macht den Kauf schließlich perfekt. „Behalten Sie sich ihr Lächeln“, flirtet er ein wenig.

Der Kleinkram macht’s

Gefeilscht wird immer, um jeden Euro. Der Kleinkram macht’s. Hier mal ein Zehner, da mal ein Fünfer. Zeitweise ist es richtig voll. Wertvollere Dinge gehen schlechter. Eine größere Tiffany-Lampe, die mal 130 Euro gekostet habe, bleibt selbst für 50 Euro bis zum Schluss stehen, obwohl es ein paar Nachfragen gegeben hatte.

In Händlerkreisen weiß man: Das Geschäft wird bis zum Mittag gemacht, maximal 13 Uhr. Danach flaut der Kundenstrom ab. Als es auch am Stand von Sabine Henke und Karin Wesner ruhiger wird, schauen sie sich nacheinander auf dem Markt um oder halten einen Plausch mit den Verkaufsnachbarn. Gegen 16 Uhr packen die Wittstockerinnen zusammen. Es wurde zwar längst nicht alles verkauft, aber gelohnt habe es sich trotzdem. „Und ganz nebenbei sind wir auch noch ein bisschen braun geworden“, sagt Sabine Henke.

Von Björn Wagener

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